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Greifswald Frau klagt über Gift vom Acker
Vorpommern Greifswald Frau klagt über Gift vom Acker
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00:05 17.10.2017
Die Brombeerblätter im Garten von Verena Sachse hatten sich nach dem Einsatz des Herbizids gelb verfärbt. Quelle: Foto: E. Oberdörfer

Verena Sachse aus Steinmocker bei Neetzow treibt die Sorge um: Seit Ende August ein Landwirt in ihrem Dorf ein herbizidhaltiges Pflanzenschutzmittel ausgebracht und sie danach Durchfall bekommen hat, fürchtet sie um die Gesundheit der Menschen, Tiere und um die Alleebäume in MV.

In Steinmocker südlich der Peene sollen Herbizide Mensch und Natur geschadet haben

Sachse wohnt seit vier Jahren in der vorpommerschen Einsamkeit. „Am 28. August hat der Landwirt, der die Felder hier bewirtschaftet, das Pflanzenschutzmittel ausgebracht“, erzählt sie. „Ich habe alles dokumentiert. Vier Wochen später traten überall gelbe Flecken auf den Brombeerblättern auf.“ Auch die Nadeln einer Tanne im Garten sind nicht mehr grün, sondern weiß. Sachse sagt, man habe das Gift im August regelrecht riechen können. Durchfall habe sie bekommen und daraufhin wenig gegessen und viel Wasser getrunken. „Um das Gift herauszuspülen“, begründet die Frau. Weiße Blätter nach dem Einsatz des Pflanzenschutzmittels gebe es überall in der Gegend.

Konkret geht um das Clomazone enthaltende Mittel Gamit 36 AMT. Es wurde bei Steinmocker gegen Unkräuter im Winterraps eingesetzt. Auch auf Mais-, Erbsen- und Zuckerrübenbeständen findet es Anwendung.

Für den Einsatz gelten in Deutschland strenge Auflagen. So ist ein Abstand von 50 Metern zu Orten, Gärten, Fuß- und Radwegen einzuhalten. Die Temperatur darf nicht höher als 25 Grad sein und Anwohner müssen einen Tag vorher informiert werden. Das Problem für die Umgebung ist die hohe Flüchtigkeit des Herbizids, das mit dem Wind als Gas in die Nachbarschaft getragen werden kann. Die Fachzeitschrift „Der Landwirt“ rät den Bauern sogar: „Wenn Sie den Wirkstoff nicht unbedingt brauchen, sollten Sie daher besser auf einen anderen Wirkstoff umsteigen.“

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit schließt indes Risiken für Mensch und Tier aus, sofern eine sachgerechte Anwendung erfolge. Dass sich der Bauer in Steinmocker an die Vorschriften gehalten hat, zweifelt Verena Sachse nicht an. Der Landwirt war bei einem Vor-Ort-Termin mit Sachse und dem Vertreter des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei MV (LLLAF) dabei. Joachim Vietinghoff, Leiter des Pflanzenschutzdienstes des LLLAF, bestätigt auf OZ-Nachfrage den sachgemäßen Einsatz des Herbizids. Es habe in der Vergangenheit häufiger Beschwerden wegen Clomazone gegeben, die Auflagen für die Anwendung seien daraufhin verschärft worden. „In diesem Jahr ist Steinmocker der erste Fall“, sagt er. Dass Clomazone Chlorophyll zerstört, sei bekannt, so der Fachmann. Allerdings seien diese Schäden reversibel. „Das Chlorophyll von Koniferennadeln wird nicht durch Clomazone geschädigt. Die Verfärbung dürfte auf den trockenen Sommer 2016 zurückzuführen sein“, schätzt Vietinghoff ein. Bei den verwendeten sehr niedrigen Konzentrationen des Herbizids im Mikrogrammbereich seien Schäden für Menschen und eine Anreicherung in Lebensmitteln auszuschließen. Das gelte auch für die Alleebäume. Wenn es Belege für Schädigungen gebe, würden Maßnahmen ergriffen, verspricht Vietinghoff.

Im Gesundheitsamt des Landkreises Vorpommern-Greifswald teilt man die Ansicht. Wenn Clomazone vorschriftsgemäß angwednet wurde, sich aber auf Gartenfrüchte gelegt hat, reicht laut Herstellerempfehlung ein gründliches Abwaschen mit Wasser, um sie bedenkenlos genießen zu können. Bei Durchfall empfiehlt das Gesundheitsamt in jedem Fall eine Abklärung beim Hausarzt, da viele Ursachen in Frage kommen. Waldemar Okon, Fraktionschef der Grünen im Kreistag von Vorpommern-Greifswald, ist zwar nichts von Beschwerden in Steinmocker bekannt. Er verweist aber darauf, dass seine Partei generell an der Notwendigkeit des Einsatzes von Herbiziden in der Landwirtschaft zweifelt. „Auch wenn die Grenzwerte eingehalten wurden, wird viel durch Wind übertragen. Wir lehnen das ab“, so Okon. Da die Gesellschaft immer höchste Erträge fordere und viele Menschen für Fleisch und Getreide nur geringe Preise bezahlen wollen, würden zur Ertragssteigerung eben auch Herbizide eingesetzt.

Verena Sachse wünscht sich weitere Forschungen zu möglichen Beeinträchtigungen. Vereinbart wurde im Gespräch mit dem Landesamt auch, dass der Landwirt sie künftig vorab über den Einsatz von Clomazone in der Nähe ihres Grundstücks informiert.

Eckhard Oberdörfer

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