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Greifswald Frevel oder ganz normale Landwirtschaft?
Vorpommern Greifswald Frevel oder ganz normale Landwirtschaft?
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00:29 05.05.2018
So sah der Acker nach dem Abtransport der Rüben aus. Quelle: Foto: M. Succow
Wackerow

Die Bilder wirken erschreckend. Tiefe Furchen, Zeugen des Einsatzes großer Maschinen, sind deutlich auf dem Acker nicht weit von Greifswald zu sehen. „Die Schlacht auf dem Rübenfeld“, beginnt der zu den Bildern gehörende Brief des emeritierten Botanikprofessors Michael Succow an die OZ. Er übt scharfe Kritik an einem Wackerower Bauern, einem „Großagrarier“, der auf von der Universität gepachteten Boden konventionell wirtschaftet.

Succow ist Träger des sogenannten Alternativen Nobelpreises und engagiert sich seit vielen Jahren für eine ökologische Landwirtschaft. 2012 rief er in der OZ gegen industrielle Agrarnutzung auf.

Später gründete sich die Greifswalder Agrarinitiative, in der öffentliche Landeigentümer wie Universität, Stadt und Kirche mehr Verantwortung für die Bewirtschaftung ihrer Agrarflächen übernehmen.

„Hier wurde im Herbst die Rübenmasse gelagert und Ende November mit Schwersttechnik zwecks Energieerzeugung zur Zuckerfabrik Anklam gefahren“, schreibt er weiter. Fast ein halbes Jahr habe der geschundene Boden brach gelegen, der Nährstoffüberschuss „vor allem durch die liegen gebliebenen verfaulten Rübenspitzen führte zu einer roten, offenbar bakteriellen Wassersuspension.“ Wind und Wassererosion hätten dem Acker zugesetzt. „Regenwurm und andere Bodenorganismen sind auf Jahre vernichtet“, so Succow weiter. „Das Ökosystem Boden wird sich erst nach Jahrzehnten erholt haben. Ist das noch normale Landwirtschaft?“

„Ja, wir betreiben ordnungsgemäße Landwirtschaft“, antwortet der angegriffene Inhaber der Tier- und Pflanzenproduktions GmbH Wackerow, Arne Christiansen. Es handele sich um Privatland und die Rüben seien nicht zur Energieerzeugung, sondern zur Zuckerherstellung, also zur Wertschöpfung in der Region, verwendet worden, stellt der studierte Landwirt klar.

Aktuell hat Christiansen die Flächen des Naturerlebnisparks übernommen. Christiansen will dem Park mit seiner Lebensgefährtin zu neuem Glanz verhelfen (die OZ berichtete). Von „Großagrarier“ könne bei seinem Familienbetrieb mit Mitarbeitern aus der Region keine Rede sein, wehrt sich der Landwirt.

Wann die Zuckerrüben abtransportiert würden, entscheide die Anklamer Fabrik, argumentiert Christiansen. Und zu dem Zeitpunkt, als das passierte, sei die Fläche wegen der starken Niederschläge in Deutschland sehr nass gewesen. Alternative wäre ein Verfaulen der Rüben auf dem Acker gewesen. Dass der Boden lange Zeit brach lag, begründet der Bauer damit, dass eine frühere Bearbeitung Strukturen zerstört und damit dem Acker noch mehr geschadet hätte. „Der Boden ist die Lebensgrundlage vieler Landwirte“, erinnert Christiansen. Sie seien darum nicht an Zerstörung oder Überdüngung oder einem absterbenden Bodenleben interessiert.

Am 24. April wurde die frühere Rübenfläche mit Erbsen bebaut. „Sie durchwurzeln das Land und reichern Stickstoff im Boden an. Das fördert das Bodenleben.“ Landwirt Christiansen hätte sich gewünscht, dass der in Wackerow wohnende Michael Succow erst einmal zu ihm kommt und mit ihm spricht.

Eckhard Oberdörfer

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