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Greifswald Friedrich-Tag in Gefahr?
Vorpommern Greifswald Friedrich-Tag in Gefahr?
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00:05 25.11.2017
Das Stadtfest „Ein Tag mit Caspar David Friedrich“ lockte laut Marketing GmbH am letzten August-Sonnabend rund 15 000 Besucher. FOTOS (3): PETER BINDER

Die Greifswald Marketing GmbH steckt in Finanznöten. Seit das städtische Unternehmen vor zwei Jahren gegründet wurde, gibt es mehr Geld aus, als es aus der Stadtkasse bekommt. Auch in diesem Jahr musste die Bürgerschaft nachträglich 55000 Euro ins Tochterunternehmen pumpen, um die dort anfallenden Kosten zu decken. Dass das Defizit ausgeglichen wird, steht laut Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) außer Frage: „Wir sind dazu verpflichtet, Defizite bei städtischen Unternehmen zu decken.“ Weil im kommenden Jahr das gleiche Problem erneut auftreten könnte, sucht der Verwaltungschef nach Lösungen. Er kann sich vorstellen, Maßnahmen wegzulassen, „beispielsweise den Caspar-David-Friedrich-Tag“, so Fassbinder. Dieses Ereignis wird von der Greifswald Marketing GmbH ausgerichtet und finanziert.

„„Maik Witten- becher hatte noch nicht mal ein volles Geschäfts- jahr Zeit, sich zu beweisen. Wir sollten ihm die Chance geben, erst mal richtig in die Puschen zu kommen.“Birgit Socher (Linke), Bürgerschaftspräsidentin
„„Das Friedrich- Fest abzuschaffen, sehe ich kritisch. Immerhin ehren wir damit den wichtigsten Sohn unserer Stadt. Und mehr Zuschüsse für die Gesellschaft? Das müssten wir erst einmal in unserer Fraktion erörtern.“Axel Hochschild, CDU-Fraktionschef

Das historische Stadtfest, mit dem Greifswald in diesem Jahr zum vierten Mal seinen großen Sohn Caspar David Friedrich ehrte, zählte am letzten Augustwochenende etwa 15 000 Besucher. So viele wie noch nie. Das bunte Jahrmarkttreiben mit historischem Handwerk und pommerschen Spielen versetzte die Stadt in ein Romantikfieber, begeisterte Einheimische und Gäste gleichermaßen.

Maik Wittenbecher, seit einem Jahr Geschäftsführer der Greifswald Marketing GmbH, hielte die Abschaffung dieses Festes deshalb für den falschen Weg. „Greifswald ist eine Stadt der Romantik. Das Tourismuskonzept hat das klar als einen Schwerpunkt benannt“, sagt Wittenbecher, der Greifswald sogar als Heimathafen der Romantik ansieht. „Ausgerechnet das romantische Stadtfest ,Ein Tag mit Caspar David Friedrich’ zu streichen, wäre nicht richtig. Wir werden gemeinsam mit Partnern und Sponsoren versuchen, Lösungen zu finden, um das zu verhindern. Versprechen kann ich es allerdings nicht“, so Wittenbecher weiter.

Er will Überzeugungsarbeit leisten, dass jeder Cent, der in die Marketing GmbH fließt, richtig und gut investiertes Geld ist. „Perspektivisch sollen die Zuschüsse der Stadt sinken. Wir brauchen aber Zeit, um Geschäftsfelder zu etablieren, die profitabel sind", sagt Wittenbecher. Die Aufgaben der Greifswald-Info müssen sich wandeln, weil durch die Zunahme an Onlinebuchungen ein klassisches Betätigungsfeld fast weggefallen ist. Zusammen mit touristischen Akteuren wie dem Majuwi, den Traditionsschiffen, Segelschulen und Kultureinrichtungen sollen touristische Angebote geschaffen werden, die der GmbH mittelfristig Provisionen einbringen. Die bereits geschaffenen kulinarischen und hanseatischen Stadtrundgänge bezeichnet Wittenbecher als wichtigen Schritt in die Richtung: „Auch beim Verkauf von Souveniren ist noch deutlich Luft nach oben.“

In den Finanzproblemen sieht Wittenbecher einen „Geburtsfehler“ der Gesellschaft. Der Zuschuss an die GmbH sei von Anfang an zu optimistisch kalkuliert worden. „Marketingmaßnahmen funktionieren nicht von heute auf morgen. Es braucht Zeit, Geld, starke Partner und den Willen zur Zusammenarbeit, bis sich die Effekte einstellen“, sagt Wittenbecher. Er hofft daher auf einen höheren Zuschuss an die Marketing GmbH für den Doppelhaushalt 2019/2020. Der städtische Etat wird erst Ende kommenden Jahres erstellt.

CDU-Fraktionschef Axel Hochschild verwundern Wittenbechers Äußerungen: „Als er sich auf die Stelle des Geschäftsführers beworben hat, wusste er doch, worauf er sich einlässt“, sagt er. Schon damals sei klar gewesen, dass der städtische Zuschuss an die GmbH abgeschmolzen werden soll. Insofern stehe er einer Forderung nach mehr Geld kritisch gegenüber. Angesichts der klammen Kasse den Friedrich-Tag opfern zu wollen, findet Hochschild keine gute Idee: „Das Stadtfest hat weit über Greifswald hinaus ausgestrahlt.“

Auch Bürgerschaftspräsidentin Birgit Socher (Linke) spricht sich vehement für eine Fortführung des Stadtfestes aus. „Wenn wir mit dem Pfund nicht wuchern, womit dann“, sagt sie mit Blick auf Friedrichs großen Namen. Zugleich warnt sie davor, mit Wittenbecher zu hart ins Gericht zu gehen: „Wir sollten ihm erst einmal die Chance geben, zu zeigen, was er kann. Wir wissen alle, dass Marketing Geld kostet“, sagt Socher. Jetzt darauf zu pochen, die Zuschüsse langsam abschmelzen zu lassen, halte sie für falsch. „Wir müssen uns im Klaren darüber werden, was wir eigentlich für Greifswald wollen.“

Die Greifswald Marketing GmbH

Das Unternehmen, 100-prozentige Tochter der Hansestadt Greifswald, wurde 2015 gegründet und im ersten Jahr mit 280000 Euro aus dem Haushalt unterstützt. 2016 stieg die Summe auf 318000 Euro, 2017 sank sie auf knapp 300000 Euro. Da das Geld nicht ausreicht, gibt’s in diesem Jahr zusätzlich 55000 Euro.

Ursprüngliche Idee war es, die städtischen Zuschüsse über die Jahre weiter sinken zu lassen, weil das Stadtmarketing eigene Einnahmen erzielen sollte. Aufgabe des Stadtmarketings ist es, sowohl mehr Touristen und Tagungsgäste nach Greifswald zu holen, als auch Angebote für die Greifswalder zu machen.

Katharina Degrassi und Petra Hase

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