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Greifswald Für andere da sein – sich selbst Gutes tun
Vorpommern Greifswald Für andere da sein – sich selbst Gutes tun
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00:00 16.09.2017
Friederike Güldemann, Mitarbeiterin im Bürgerhafen, mit den Seniortrainern Robert Bath (li.) und Manfred Streich. FOTOS (2): PETRA HASE

Die einen stricken für Kinder in Afrika. Die anderen musizieren gemeinsam, helfen sich gegenseitig im Umgang mit dem Computer oder vermitteln Kindern das Einmaleins der Demokratie ... Das Leben im Bürgerhafen ist so verschieden wie seine Akteure. Und das schon seit zehn Jahren. Kommenden Donnerstag feiert das Mehrgenerationenhaus in der Alten Sternwarte Geburtstag – „mit einer bunten Veranstaltung im Pommerschen Landesmuseum“, macht Anja Eberts, Projektleiterin der Mitmachzentrale, neugierig.

Die lässt sich Robert Bath nicht entgehen, gehört er doch zu den aktiven Seniortrainern des Bürgerhafens. Der agile Greifswalder arbeitete über zwei Jahrzehnte selbstständig, bevor er in den Ruhestand ging. Doch der Gedanke, ohne Aufgabe zu sein, war für den heute 65-Jährigen völlig abwegig. „Auf Langeweile hatte ich keine Lust. Kinder und Enkel sind weit weg. Und der Garten erledigt sich nebenbei“, begründet Bath mit einem Augenzwinkern sein Engagement für andere. Als einer von mittlerweile fünf „Silversurfern“ hilft er Senioren beim Umgang mit Notebook, Tablet und Smartphone – nicht nur in Greifswald, sondern auch auf dem Land: in Lubmin, Loissin und Kemnitz, Behrenhoff und Weitenhagen... „Wir wollen Ängste nehmen und Interessenten helfen, leichter mit Kindern und Enkeln zu kommunizieren“, sagt Bath. Viele ältere Menschen nutzten bereits regelmäßig den PC, hätten diese oder jene Kenntnisse und könnten gerade in Dörfern anderen auf ähnliche Weise damit helfen. „Doch sie haben wohl Angst, sich zu blamieren“, vermutet Bath. Dabei sei es so einfach, eine kleine Gruppe ins Leben zu rufen, zu helfen und sich selbst dabei noch etwas Gutes zu tun. Denn Gemeinschaft stärke die Seele und das Selbstvertrauen.

Auch diesem Ziel soll die Geburtstagsfeier am 21. September dienen: Menschen motivieren, selbst die Initiative zu ergreifen. So, wie es auch Manfred Streich (63) tat. Ein OZ-Artikel brachte den früheren Finanzamtsmitarbeiter auf die Idee, mal in den Bürgerhafen zu schauen. Kurz darauf absolvierte er auch schon einen Kurs zum Bürgerpaten, unterrichtete Deutsch für Ausländer, bevor er Anfang 2016 auf Bath stieß und selbst zum „Silversurfer“ wurde. Dieses Ehrenamt möchte er nicht mehr missen, zumal jeder selbst entscheiden könne, in welchem Umfang er sich engagiere. Fahr- und andere Kosten würden zudem erstattet. Wer ein Betätigungsfeld gefunden habe, könne eine Ausbildung absolvieren – zum Bürgerpaten etwa (in Greifswald) und/oder Seniortrainer (in Stralsund oder Schwerin).

Diese Angebote schreiben Erfolgsgeschichte, denn das Mehrgenerationenhaus kann laut Anja Eberts mittlerweile auf 105 Bürgerpaten und 80 ausgebildete Seniortrainer verweisen. Dabei hat alles einmal ganz klein angefangen: 2007 über dem Café „Lichtblick“ am Markt. Dort erblickte der Greifswalder Bürgerhafen quasi das Licht der Welt – als neues Lebensfeld des Pommerschen Diakonievereins, der damals die Chance einer Bundesförderung nutzte. Monika Meyer-Klette, Koordinatorin von der ersten Stunde an, hätte sich kaum vorstellen können, dass aus der Handvoll Akteure ein so breit gefächertes Engagement entsteht und damit auch viel Neues – wie die Familienuniversität, die Bürgerstiftung, die Bürgerakademie Vorpommern und die Mitmachzentrale... Zeit schenken, Wissen vermitteln, Hilfe anbieten oder erhalten. „Wie all das funktioniert, kann man am Donnerstag von den Akteuren selbst erfahren“, ermuntert Mitarbeiterin Friederike Güldemann zum Kommen und Schauen.

Geburtstagsfeier

Der Greifswalder Bürgerhafen begeht seinen 10. Geburtstag mit einer bunten Veranstaltung am 21. September, 11-15 Uhr, im Pommerschen Landesmuseum. Viele Projekte des Mehrgenerationenhauses stellen sich vor, darunter die Computerkurse für Ältere, die Bürgerpatenausbildung in der Bürgerakademie Vorpommern, die Gruppen Stricken und Kreatives Gestalten, Kultur- und Kunsttouren, Wunschgroßeltern und Musizierwerkstatt, die AG Demenz und andere. Um 11 Uhr beginnt das Eröffnungsprogramm.

Petra Hase

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