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Für die „Rollis“ geht ein Stern auf

Rostock/Greifswald Für die „Rollis“ geht ein Stern auf

Greifswalder Sportgemeinschaft 01 wird bei der Wahl „Stern des Sports“ in Silber Zweiter

Rostock/Greifswald. Das war schon ein großer Bahnhof, den die dreiköpfige Delegation der Greifswalder Sportgemeinschaft 01 in der vergangenen Woche über den Dächern Rostocks miterleben durfte. Im siebenten Stockwerk des noblen Radisson Blu-Hotels – mitten im Stadtzentrum und perfekt eingebettet in einen stilvollen Sonnenuntergang – wurden sie nämlich überreicht – die diesjährigen „Sterne des Sports“. Da es sich bei dieser Ehrung um eine Auszeichnung auf Landesebene handelte, ging es um die „silbernen Sterne“.

Vor knapp sieben Wochen wurde die GSG 01 schon einmal geehrt, und zwar mit dem „bronzenen Stern“, der in Städten, Gemeinden und Kreisen verliehen wird. Dieser Ehrung in Bronze war dann auch gleichbedeutend mit der Qualifikation für die Wahl in Silber für das gesamte Bundesland Mecklenburg-Vorpommern.

Nun saßen sie also da, leicht nervös und vor allem voller Hoffnung – die Verantwortlichen der Greifswalder Sportgemeinschaft 01. Über den Dächern Rostocks, inmitten einer Schar von Journalisten aus Funk, Fernsehen und Print, einer mehrköpfigen Jury – u.a. mit Bahnrad-Weltmeister Stefan Nimke – und weiteren Vereinsvertretern vier anderer Teams, die am Ende der Veranstaltung gerne den ersten Platz der „Sterne des Sports“ für sich in Anspruch nehmen wollten.

Jeder Verein hatte dann noch die Chance, das zur Wahl eingereichte Projekt dem anwesenden Publikum persönlich näherzubringen. Das übernahm für die Greifswalder Delegation Katharina Lippke, stellvertretende Vorsitzende der GSG 01 und zugleich auch Tanzlehrerin. Sie berichtete über eine Tanzgruppe namens „Rolling Twisters“, die vornehmlich aus Rollstuhlfahrern, aber auch aus fünf „Fußgängern“ besteht, sprach aber auch von finanziellen Belastungen, die einen Wettkampfsport sehr schwierig machen. „Wir waren im vergangenen Jahr zum Beispiel bei einer Weltcup-Veranstaltung dabei.

Da wir dort mit vielen Rollstuhlfahrern unterwegs sind, ist es schon sehr aufwendig und letztendlich auch sehr teuer, einen speziellen Bus dafür zu organisieren“, verdeutlichte Katharina Lippke das Problem.

Gerade in Zeiten, in denen Sponsorenverträge größtenteils mit Blick auf Medienpräsenz abgeschlossen würden, sei es für einen Rollstuhltanzverein recht schwer, an das Geld, das so dringend für den Wettkampfsport benötigt werde, zu gelangen, betonte Lippke. Ihrem Enthusiasmus und dem ihrer Vereinskolleginnen tue das aber keinen Abbruch. Unermüdlich und voller Hingabe werde jede Woche dienstags von 19 bis 21 Uhr in der BBW-Sporthalle „trainiert, was das Zeug hält“.

Mit dabei ist auch Britta Weiss. Und zwar seit 2009 schon. Acht lange Jahre ist sie also mittlerweile mit ihrem „Rolli“ auf dem Hallenparkett unterwegs und hat dabei auf der Autobahn schon so etliche Kilometer zurückgelegt. Denn Britta kommt extra aus Angermünde angereist – 380 Kilomter hin und zurück. „Angefangen hat alles damals nach meiner OP bei der Reha in Greifswald, als ich in der Klinik von Frau Lippke auf diesen Verein aufmerksam gemacht wurde. Ich habe es mir dann mal angeschaut und bin seitdem dabei geblieben“, erinnert sich Britta Weiss. Sie ist eine von mittlerweile über 20 Tänzerinnen und Tänzern, die sich – entweder im „Rolli“ sitzend oder als „Fußgänge“ fungierend – dem Duo- oder Kombitanz hingeben.

Ab sofort können das die Hansestädter als Zweitplatzierter beim „Stern des Sports“in Silber, der landesweiten Auszeichnung des Deutschen Olympischen Sportbundes und der Volksbanken-Raiffeisenbanken. Die Jury wählte die Boddentstädter hinter dem Gewinner, der SG Groß Quassow, auf den zweiten Platz. „Wir sind megastolz auf diese Auszeichnung“, jubelte Katharina Lippke.

Ihr Verein räumt mit dem zweiten Platz auch eine Geldprämie von 1500 Euro plus 150 Euro für den Publikumspreis ab. Das hält die Hoffnung am Leben, Ende Januar noch den Sprung nach Berlin zur Verleihung des Goldenen „Stern des Sports“ zu schaffen. „Mit den Geldpreisen wird für uns die Planung hinsichtlich des kommenden Weltcups in Holland so einiges leichter“, freut sich Lippke. „Allein die Busmiete beträgt knapp 4000 Euro.“ Viel Geld für einen kleinen Verein, der jetzt groß geehrt wurde.

Peter Krüger

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