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Greifswald Fulminanter Auftakt des Nordischen Klangs
Vorpommern Greifswald Fulminanter Auftakt des Nordischen Klangs
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00:01 09.05.2016
Die dänische Band Himmerland spielte jazzigen Folk mit viel Harmonie, aber auch schwungvolle Stücke. Quelle: Fotos: Peter Binder (3), Kai Lachmann

Greifswald. Herzlichen Glückwunsch: Das Kulturfestival Nordischer Klang feiert seinen 25. Jahrgang. Getragen wird es vom gleichnamigen Kulturverein und dem Institut für Fennistik und Skandinavistik der Ernst-Moritz-Arndt-Universität. Die Verantwortlichen um die Leiter Joachim Schiedermair und Marko Pantermöller haben für die elf Tage zwischen dem 5. und 15. Mai mehr als 50 Veranstaltungen mit rund 300 Künstlern aus sechs nordeuropäischen Ländern organisiert. „Mehr, Mega, Meta, Multi: Musik“, so Motto und Anspruch einer wieder in keine Schublade passenden „nordischen“ Programmvielfalt. Bis zu 9000 Besucher werden erwartet.

Von einem glücklichen Ministerpräsidenten, einem Weltklasse-Tubisten und Großvaters Moped

„Genres im Multipack“ und „ üppige Abenteuer“ — von früh bis spät, und auch schon bei der Eröffnung in Greifswalds Großem Haus. Neben Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) hatten es sich Ritva Koukku-Ronde, Botschafterin aus Finnland, und ihre norwegische Kollegin Elisabeth Walaas gemütlich gemacht. Sellering blickte glücklich drein. In Anwesenheit dieser staatstragenden Prominenz geriet nicht nur manche Eröffnungsrede bemerkenswert gelassen und locker, auch die musikalischen Beiträge reichten von nachdenklicher Reflexion (Askanius-Antila-Duo/Finnland) bis zu stilistisch originell gemixten, frechen und unfeierlich schrägen Klängen des interskandinavischen Horse Orchestra. Wow! Kein Wunder, dass dann auch die Dänische Radio- Big-Band begeisterte, zumal sie mit Lied- und Konzertarrangements (Klarinettenkonzert), den dänischen Komponisten Carl Nielsen betreffend (1865-1931), Besonderes im Gepäck hatte.

Nordische Töne der etwas anderen Art gab es am Sonnabendnachmittag in Greifswalds Uni-Aula. Dort gastierte das schwedische Kammerorchester Musica Vitae aus Växjö in Schweden, das die Möglichkeiten seiner reinen Streicherbesetzung so effektiv wie attraktiv auf das Anliegen des „Nordischen Klangs“ ausgerichtet hatte. Mit der Einbeziehung des norwegischen Tubisten Øystein Baadsvik setzte es auch noch einen herausragenden Akzent.

Baadsvik gehört „zu den weltweit besten Interpreten auf seinem Instrument“, heißt es im Programmheft. Er entlockte diesem unhandlichem Ungetüm traumhaft schöne, vollmundig weiche oder auch metallisch kraftstrotzende Töne. Und das auch noch mit solistischen Ambitionen — ohne jeden Abstrich an geradezu selbstverständlicher künstlerischer und spieltechnischer Kompetenz.

Auch am Samstagabend wussten skandinavische Musiker ihr Publikum im St. Spiritus zu überzeugen. Der dynamisch-poppige Folk von Karuna mit Geige, Akkordeon und Klavier legte gut vor. Groovigjazzige Stücke mit wunderschönen, romantischen Melodien der Weltmusiker Himmerland folgten. Alle fünf Musiker sorgten mit unbändiger Spielfreude für Stimmung, allen voran Perkussionist Ayi Solomon aus Ghana.

Zwischendurch erzählte Sängerin und Geigerin Ditte Fromseier Kurzgeschichten. Zum Beispiel von Frauen, die im dänischen Wald wohnten und Männer verführen wollten. Ein „Herr Olaf“, der einen Tag später heiraten wollte, sei ihnen in die Arme gelaufen. Sie forderten ihn zum Tanz auf, doch er lehnte ab. Das sollte er noch bereuen, riefen die Frauen. Der Legende nach wachte er am Morgen seiner Hochzeit nicht mehr auf. Auch seine Verlobte nicht. „Deshalb soll man nie Nein sagen, wenn eine dänische Frau zum Tanz auffordert“, so die Musikerin.

Der Abschluss des gelungenen Konzertabends gehörte den finnischen Jazzern von Mopo. Ihre Lieder trugen Titel wie „Heavy Metal“ oder „Grandpa‘s Moped and Grandpa‘s Toilet“. Dabei ging es hübsch zur Sache. Die drei genialen Musiker loteten fast alle Klangmöglichkeiten ihrer Instrumente aus. Mit viel Energie ging vor allem Linda Fredriksson zu Werk, die stellenweise zwei Saxophone gleichzeitig spielte.

Das heutige Programm

10 bis 14.30 Uhr Symposium

„Kleidung — Verkleidung“, Fünf Vorträge im Kruppkolleg, Lutherstraße 14

18.30 Uhr Grönlandabend

„Ewigkeitsfjord“, Autorenabend mit Kim Leine, 18 Uhr, Kruppkolleg

20 Uhr Dokumentarfilm

„Sermiligaag“, Film von Anni Seitz und Sophie Elixhauser, im Anschluss Gespräch mit der Regisseurin, Kruppkolleg. Alle Veranstaltungen: Eintritt frei

21.30 Uhr Film, Musik, Tanz

Folk-Duo „Puhti“ im St. Spiritus, Lange Straße 49/51, Eintritt 13/8 Euro

Von Ekkehard Ochs und Kai Lachmann

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