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Gedanken zur Kritik an Ernst Moritz Arndt

Gedanken zur Kritik an Ernst Moritz Arndt

Leser diskutieren weiter über den Namenspatron der Universität

Die Gefahr ist nicht vorüber Die Protagonisten contra Arndt haben die erste Runde verloren. Gut so! Einer nach meinem Dafürhalten geschichtsvergessenen, linksintellektuellen Universitätsgruppierung in Greifswald ist es in diesem Anlauf nicht gelungen, den Namen des Vorkämpfers für die Aufhebung der Leibeigenschaft, des Freiheitskämpfers gegen die napoleonische Fremdherrschaft und frühen Streiters für die deutsche Einheit Ernst Moritz Arndt für die altehrwürdige pommersche Alma Mater ablegen zu können und damit aus der deutschen Universitätslandschaft und -geschichte zu tilgen. Aber noch ist die Gefahr einer Namensablegung nicht vorüber. Denn die Bestätigung ist nur aus formellen Gründen versagt worden, weil erforderliche Verfahrensschritte nicht eingehalten wurden. Wahrlich, was für eine Blamage für die gelehrten Damen und Herren Professoren und Studiosi im Senat! Insofern kann es nur ein erster Etappensieg auf dem Weg zum endgültigen Abschluss dieser für die Universität in jedweder Beziehung so peinlichen Angelegenheit sein. Abzuwarten bleibt deshalb, ob sich, was wünschenswert wäre, letztlich die Kräfte der Vernunft und der geschichtlichen Correctness durchsetzen. Es scheint aber keine Ruhe im Namensstreit einkehren zu wollen. Nicht umsonst haben gleich mehrere studentische Senatoren nichts Eiligeres zu tun gehabt, als einen später zurückgezogenen Antrag für die Senatssitzung am 15.03.2017 einzureichen. Im Ergebnis der Sitzung bläst man jetzt erneut zur Attacke, um auf Teufel komm raus die Namensablegung durchzupeitschen. Es drängt sich für die Öffentlichkeit schon fast zwangsläufig die Frage auf, ob man an der Universität Greifswald nichts anderes und Wichtigeres zu tun hat, als nur noch über den deutschen Patrioten Arndt zu richten und zu streiten. Zu meiner und anderer Leute Zeit war das so: Die Professoren lehrten und die Studenten studierten. Kaum zu glauben, aber das klappte recht ordentlich.  

Der ob dieser Verhaltens- und Verfahrensweise, man muss es fast schon Provinzposse nennen, für die Universität eingetretene generelle Schaden sowie nationale und internationale Ansehensverlust soll also „lustig weiterkultiviert“ werden. Bei aller Hochschulautonomie sollte deshalb für die Zukunft die Anregung aufgegriffen werden, durch eine Novellierung des Landeshochschulgesetzes MV einem zahlenmäßig begrenzten Personenkreis, hier einem exklusiven 36-köpfigen Senat, die Entscheidung über eine solch gravierende Frage aus der Hand zu nehmen und auf breitere Schultern zu verlagern (Stichwort: Urabstimmung aller Universitätsangehörigen, kommunaler Einbezug). Dies würde auf jeden Fall mehr der pommerschen Identität der Menschen entsprechen sowie auch ihre Wünsche und Vorstellungen berücksichtigen. Von den zwölf Professoren im Universitätssenat, also den nach meiner Auffassung maßgeblichen Entscheidern im Beschlussgremium, kommt die übergroße Mehrheit nicht ursprünglich aus Vorpommern. Ich will niemanden in seinem Tun Leichtfertigkeit bei der Entscheidungsfindung unterstellen, aber naturgemäß  lässt es sich einen solchen schwerwiegenden Beschluss wie den zur Namensablegung schwerer fassen, wenn man von Hause aus in der Region verankert ist. Das trifft auch für die Studenten zu. Deshalb mein Vorschlag: Sehen wir also auf den Namensgeber der Ernst-Moritz-Arndt-Universität mit mehr Gelassenheit, ordnen wir ihn mit seinem Wirken und seinen Werken in den zeitgeschichtlichen Kontext ein, und geben wir ihm vor allen Dingen die Möglichkeit, weiter namentlich der Universitas Gryphiswaldensis vorzustehen.

Friedhelm Brambach

Widersprüche und ein Vorschlag Es gibt im Streit um Arndt Widersprüche, die mit ihm direkt nichts zu tun haben. Junge Leute meinen, man respektiere sie nicht und verweigere ihnen die Mitgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Wer ihnen das eingeredet hat, liegt falsch. Sie müssen sogar mitgestalten, denn sie werden die übernommenen Errungenschaften weiterführen. Man kann aber nicht von deren hohem Niveau einfach über die Lebensleistungen und Befindlichkeiten derer hinweggehen, die dieses Fundament geschaffen haben. Also bitte Respekt, Verständnis und eine gewisse weise Voraussicht auf beiden Seiten.

Auch der Begriff „Hochschulautonomie“ bedeutet nicht „Gegeneinander“. Die hohen Ansprüche, die eine Uni stellt und die sich für sie ergeben, erfüllt sie aus Steuermitteln. Arbeitsmaterial, Brot, Hemd, Haus schaffen nicht die Studenten und Dozenten. Ein hohes Niveau dieser materiellen Dinge können die anderen jedoch nicht ohne die Ergebnisse von Wissenschaft und Technik erreichen. „Autonomie“

bezieht sich daher sicher auf Struktur und Schaffen innerhalb der Universität. Sobald Interessen des Umfeldes berührt werden, ist es wohl eher so etwas wie Symbiose.

Widersprüche in der Argumentation: mal sollte es wissenschaftlich sein, dann war genau das wieder nicht beabsichtigt. Die historische Person Arndts, auf die drei aktuellen Begriffe reduziert – untragbar. Dann ging es nicht um die Person, sondern um die Rufschädigung, die wir ohne diese 20-jährige „Skandalisierung“ nicht gehabt hätten. Erst die Rede von Basisdemokratie und dann möglichst schnell in kleinem Kreis die Entscheidung. Der veraltete Begriff des Patronats wird immer wieder hervorgekramt, wohl wissend, dass seit 1954 sich unsere Universität genau mit diesem Namen zu einer weltoffenen, modernen und anerkannten Lehr- und Forschungseinrichtung entwickelte. Viele erfolgreiche Absolventen, Wissenschaftler, die ihre Titel erwarben, und Preisträger, die hier wirkten, sind der Beweis, dass der historische Name längst für die Tradition der neuen Inhalte steht. Mehrheiten betreffend, gehen die Ansichten ebenfalls auseinander. Rechnet man die am 17. Januar 2010 veröffentlichten Angaben der Urabstimmung auf die Studentenschaft hoch (von 12300 waren 23 Prozent zur Wahl, 44 Prozent davon gegen Arndt), hatten also etwa 90 Prozent keine Probleme mit ihm.

2017 gab es dann keine Urabstimmung.

Die Streitkultur zeigte auf beiden Seiten Mängel. Der Kritik in der OZ vom 6. März, Seite 5, kann man zustimmen. Eine namentliche Nennung in der Form war nicht gut.

Auch das gezielte negative Abstempeln der Meinungsgegner kann nicht akzeptiert werden. Seit fast 20 Jahren wird dem sogenannten rechten Rand die Bühne bereitet. Sein Auftritt wird regelrecht herbeigeredet, bleibt aber scheinbar unter der Erwartung. Der Widerstand gegen die Namensstreichung ist dagegen erstaunlich breit und heftig. So entsteht die unerträgliche Aussage, die EMA-Uni stütze den Rechtspopulismus. Eine Ohrfeige für alle, die an der Uni tätig waren und tätig sind. Die nächste dann für Greifswald, indem es zur rechten Wahlvorbereitungsspielwiese umetikettiert wird.

Sprachlosigkeit zur drohenden Verschiebung Greifswalds in das Jahr 1933.

Die Gegner der Namensstreichung und Arndt werden in die rechte Ecke gedrängt. Nun sollte das Maß voll sein. Warum ist die Wahl von 2010 nicht akzeptabel?

Alle an einen Tisch und die Gräben zuschaufeln, bevor es noch ganz andere Schäden gibt. Vor Jahren nannte man die Ostsee ein „Meer des Friedens und der Völkerverständigung“. Uni und Stadt hatten mal Partner in den Anrainerstaaten. Aktivität in dieser Richtung ergäbe für uns die Chance eines besseren Miteinanders, würde Tradition mit Zukunft verbinden und täte Europa sehr gut.

P. Wieck, Greifswald Repräsentative

Demokratie In den letzten Wochen wurde von Arndt-Gegnern wiederholt der Begriff „repräsentative Demokratie“ in den Mund genommen und versucht, das Abstimmungsergebnis des Unisenates zu rechtfertigen. Man sollte sich mit diesem Wortgebilde jedoch einmal gründlich befassen. Dass Demokratie nur ein anderes Wort für Volksherrschaft ist, dürfte hinlänglich bekannt sein, auch dass in den meisten europäischen Demokratieformen direkte Volksentscheide eher selten die Politik bestimmen, ausgenommen vielleicht in der Schweiz. Für das politische Tagesgeschäft sind die vom Volk gewählten Abgeordneten zuständig, sonst würde sich auf höchster Ebene nur wenig bewegen, was auch nachvollziehbar ist. Dabei vertreten diese ihre Wählerschaft, deren Beauftragte sie sind und der sie sich verpflichtet fühlen, oder mit anderen Worten, deren Repräsentanten sie sind. Wenn sie die Rückverbindung zu ihrem Wahlvolk verlieren, arbeiten sie jedenfalls nicht mehr im Sinne dieser Demokratieform.

Sich wählen zu lassen und dann später willkürlich zu handeln und die Macht zu missbrauchen, ist eine Vorgehensweise, die allerdings immer wieder in Erscheinung tritt, nicht nur in der Politik.

Historisch gesehen sind in diesem Zusammenhang die deutschen Parlamentswahlen von 1933 und das Ermächtigungsgesetz zu nennen, das den Weg zur Willkürherrschaft der Nazis eröffnete. Auch in der DDR wurde zwar eine sozialistische Demokratie proklamiert, in der Praxis herrschte jedoch die SED. Ähnlich sind die gegenwärtigen Versuche in der Türkei einzuordnen, die bisherige repräsentative Demokratie durch eine Präsidialdemokratie zu beschneiden.

Mögen diese Vergleiche auch weit hergeholt erscheinen, dass die von den Mitarbeitern der Ernst-Moritz-Arndt-Universität gewählten Senatoren eine Wählermehrheit repräsentieren, kann zumindest in der Arndt-Debatte nicht behauptet werden. Nach wie vor wird vom Senat eine Urabstimmung, aus welchen Gründen auch immer, verhindert. Fakt ist, dass die Uniangehörigen ihre gewählte Leitung zu der Namensablegung nicht bevollmächtigt haben. Der Begriff „repräsentative Demokratie“ ist daher in diesem Zusammenhang absolut unzutreffend.

Dr. Klaus-Dieter Salewski

Arndt schrieb mit

spitzer Feder Da lebte doch und wohnte ein Mann in Bonn, Ernst Moritz Arndt, der keinen Menschen gemordet hat, aber sein Schreibgerät in die Hand nahm und mit spitzer Feder gegen den Despoten Napoleon anschrieb. Nun wird er als untragbar für den Uninamen hingestellt. Napoleon hat tausende junge Männer und deren Väter – also zwei Generationen – auch hier im Rheinland ausgehoben/eingezogen für seinen unglückseligen Russland-Feldzug. Viele sind in Eis und Schnee bei tiefsten Minustemperatuen jämmerlich erfroren. Diese Menschen hat er auf dem Gewissen und noch mehr. Die Frauen hier mussten mit ihren kleinen Kindern für das Weiterleben ihrer Restfamilie und letztendlich auch für die übrigen Rheinländer mit den Lebensmitteln sorgen, die sie mit krummem Rücken den Feldern abgerungen hatten. Ich frage mich weiter, was sind das für Historiker und weitere Professoren, die von der Uni berufen wurden und eigenmächtig den Uninamen schwärzten. Warum nimmt so ein Herr den Ruf ausgerechnet nach Greifswald an, wenn ihm der Name der Uni so zuwider ist, er den Namen nicht akzeptieren mag und diesen auf seinem dienstlichen Briefkopf schwärzt? Wo bleibt da die Moral?

Das verstehe ich nicht. Auch wenn ich mit Gülle übergossen werden sollte, schreibe ich das trotzdem, der wie Arndt damals am linken Niederrhein lebt und sich hier mit dem Schicksal der Menschen über die Zeit von der Französischen Revolution bis heuer beschäftigt und in Pommern zu einer Ernst-Moritz-Arndt-Oberschule gegangen ist.

Dr. Henning Herzberg de Pers, Greifswald

OZ

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