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Greifswald Gehen dem Umland bald die Lehrer aus?
Vorpommern Greifswald Gehen dem Umland bald die Lehrer aus?
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08:45 29.09.2018
In den kommenden Jahren braucht das Land Hunderte neuer Lehrer. Quelle: Franziska Kraufmann (dpa)
Greifswald

Noch ist vom Lehrermangel an den Schulen der Region nichts zu merken. „Ich kann aktuell nicht über Lehrermangel klagen“, meint etwa der Schulleiter Bernd-Ullrich Knorr der Lubminer Regionalschule am Teufelsstein. Auch an der Kemnitzer Grundschule ist die Situation entspannt. „Wir haben unseren festen Personalstamm“, berichtet die stellvertretende Schulleiterin Martina Schwerdtfeger. „Lücken haben wir nicht.“

Die Situation könnte sich allerdings in den kommenden Jahren grundlegend wandeln, stellt Thomas Jenssen, Geschäftsführer des Rektorats der Universität Greifswald fest. „Der Lehrerbedarf im Land wird sich in den kommenden Jahren rapide verschärfen. 80 Prozent der Lehrer gehen in den kommenden 15 Jahren in den Ruhestand und man muss sich schleunigst Gedanken machen, wie man diese Lücke füllt“, sagte er vor dem Bildungsausschuss der Hansestadt. Hier stellte er als Mitautor eine Studie der Uni zum Thema „Lehrerbildung, Lehrerbedarf und Niederlassungsbereitschaft von Lehrern auf dem Land“ vor. „Rechnet man den von der Landesregierung prognostizierten Bedarf und die Studienabschlüsse mit Referendariat im Land gegeneinander, werden im Jahr 2020 mindestens 200 Stellen nicht besetzt werden können, im Jahre 2021 sogar über 400.“

Die Statistik des Landes (www.lehrer-in-mv.de) sei in sofern auch noch kritisch zu hinterfragen, würde sie doch von gleichbleibenden Schülerzahlen der Jahre 2014/15 ausgehen. „Die Schülerzahlen steigen aber an. Wir wissen bereits jetzt, dass wir 2021 wegen der steigenden Geburtenrate und der Migration rund 6000 Schüler mehr haben werden, als in der Statistik berücksichtigt.“, so Jenssen. „Zudem sind in der Statistik keine Qualitätsverbesserungen wie kleinere Klassen berücksichtigt.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass sogar noch mehr Lehrer fehlen sei also hoch. Betroffen sei dabei künftig vor allem der Osten des Landes, insbesondere der ländliche Raum. „Die Bereitschaft der Absolventen sich auf dem Land niederzulassen ist überschaubar, das sieht an auch an den offenen Stellen. Davon sind zwei Drittel in den östlichen Landkreisen ausgeschrieben“, so Jenssen.

„Unsere Befragung ergab, dass sich von den befragten Lehramststudenten in Rostock zwar noch 22 Prozent vorstellen könnten, später in der Stadt Greifswald zu arbeiten, aber nur 13 Prozent im sonstigen Landkreis Vorpommern-Greifswald“, zählt er auf. Bitter dabei: Grundschullehrer werden ausschließlich in Rostock ausgebildet, an der Universität Greifswald gibt es nur Studiengänge für Gymnasial- und Regionalschullehrer. Bei den Absolventen der Uni Greifswald ist die Lage ähnlich. „Greifswald selbst als Arbeitsort können sich noch über die Hälfte der Befragten vorstellen, den ländlichen Raum nur noch ein Viertel.“

Doch warum wollen die angehenden Lehrer so ungern in die ländlichen Gebiete? Als entscheidender Grund wurde in der Studie am häufigsten die „schlechte Erreichbarkeit/Angebundenheit“ genannt, dann folgten „politisch Rechte Tendenzen“ und „wenig Gleichaltrige“. „Dabei ist die Grundhaltung bei den Studenten zum Land gar nicht so schlecht“, bemerkt Jenssen. „Fast 70 Prozent der Befragten stehen dem ländlichen Raum positiv gegenüber.“ Hoffnung gibt den Forschern die Antwort auf die Frage. „Welche Bedingung müsste es geben, damit sie in den ländlichen Raum gehen?“. Übernahmegarantie und finanzielle Zulagen, waren hier die häufigsten Aussagen. „Da kann man dran arbeiten“, meint Jenssen.

Für das große Problem Lehrermangel gibt es nach Ansicht des Wissenschaftlers einige Ansätze, die man weiter verfolgen solle. „Erfahrungsgemäß bleiben Landeskinder gerne in der Region. Hier sollte man also versuchen Lehramtsstudenten zu begeistern“, schlägt er vor. „Auch die Studienkapazitäten und -Fächer sollten besser koordiniert werden. Derzeit dürfen wir zum Beispiel 1 500 Studienplätze an Lehramtsstudenten vergeben.“ Auch Aufbaustudiengänge für die Qualifikation der Seiteneinsteigern und Anreize für die Arbeit an ländlichen Schulen würden die Situation verbessern.

Anne Friederike Ziebarth

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