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Greifswald Geht Succow-Studiengang den Bach runter?
Vorpommern Greifswald Geht Succow-Studiengang den Bach runter?
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00:00 12.03.2013
„Umweltpapst“ Michael Succow.
Greifswald

Der Studiengang Landschaftsökologie und Naturschutz galt lange als Vorzeigeprojekt. Gegründet hatte ihn Michael Succow (71), der Träger des Alternativen Nobelpreises. Seit dem Ende der 1990er Jahre studierten etwa 500 zukünftige Naturschützer in Greifswald. Seit Succow 2006 emeritiert wurde, geht es bergab — drei seiner wichtigsten Mitstreiter haben die Stadt verlassen.

Praxisorientiert und interdisziplinär ausgerichtet ist der Studiengang, mit Professuren an der Naturwissenschaftlichen, aber auch an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen sowie der Philosophischen Fakultät. Hier lehrten Professoren, die auch gesellschaftspolitisch aktiv waren. Heute sind zwei Stellen vakant, eine so gut wie abgeschafft. Und: Es gibt Gerüchte, dass Succow darüber nachdenkt, den Sitz seiner Stiftung nach Eberswalde zu verlegen. Dort, so heißt es, gebe es eine gute Kooperation mit der Universität. Succow selbst will sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht dazu äußern. Er hat voraussichtlich in dieser Woche ein Gespräch mit Hannelore Weber, der neuen Rektorin der Uni Greifswald. Mit seiner Stiftung verfolgt Succow das Ziel, politische Umbruchsituationen zu nutzen, um weltweit Biosphärenreservate und Nationalparks einzurichten.

Lehre und Forschung wie Succow sich das vorgestellt hatte, verkörpert heute noch Hans Joosten, Professor für Moorkunde und Paläoökologie am Institut. Joosten (58) ist Niederländer. Auf der Suche nach Mitstreitern, die aus der Praxis kamen und bereit waren, interdisziplinär zu denken und forschen, holte Succow ihn nach Greifswald. Joosten hat an der Universität einen Forschungs- schwerpunkt Paludikulturen aufgebaut, seine Mitarbeiter untersuchen, wie Torfmoose und andere Sumpfpflanzen wirtschaftlich nutzbar gemacht werden können. Daneben ist er Generalsekretär der internationalen Moorschutzorganisation. Neben Joosten holte Succow den Umweltethiker Konrad Ott, den Umweltökonomen Ulrich Hampicke und Manfred Niekisch, Professor für Internationalen Naturschutz nach Greifswald.

Die Professur wurde nach seinem Weggang umbenannt und an die Zoologie angegliedert. „Die Begründung war, dass jeder Zoologe auch Naturschutz lehren könne“, sagt Joosten. „Naturschutz ist aber auch eine gesellschaftliche und politische Frage, nicht nur ein biologisches Problem. Als würden Orang-Utans aussterben, weil sie zu wenig Sex haben.“ Umweltethiker Ott war — wie Succow — zeitweise Mitglied im Sachverständigenrat für Umweltfragen der Bundesregierung. Er saß zehn Jahre lang auf einer nackten Professur, ohne Mitarbeiter, ohne Sekretariat. Nachdem er 2012 einen Ruf an die Kieler Universität bekam, gab es Verhandlungen mit der Greifswalder Universitätsleitung. „Das Kieler Angebot war ungleich besser, trotzdem war es eine der schwersten Entscheidungen meines Lebens“, sagt Ott.

Aus den Beziehungen zwischen Umweltethik, Ökonomie und Landschaftsökologie sei ein „magisches Dreieck“ entstanden. „Es gab eine ganz bestimmte Atmosphäre, an manchen Tagen war es fast ein Flair“, sagt Ott. Und: „Unsere Studenten sind zusammen mehrere Monate lang auf Forschungsreisen unterwegs gewesen. Zurück kamen keine Kommilitonen, sondern Freunde.“ Otts Weggang hat die Studenten am Institut alarmiert. In einem Positionspapier fordern sie, den interdisziplinären „Greifswalder Ansatz“ weiterzuführen. Jan Peters (29) ist ehemaliger Student und Mitarbeiter der Succow-Stiftung. „Ich glaube nicht, dass die Zeit für die Landschaftsökologie so noch mal wiederkommt“, sagt er. Für ihn liegt das auch an der Hochschulpolitik. „Hampicke war nicht nur Umweltökonom, er kannte mehr Pflanzenarten als mancher Botaniker und hatte Goethe-Zitate auf der Zunge“, sagt Peters. Immer mehr gehe es an der Universität um Clusterbildung, Exzellenzinitiativen und Spezialisierungen. Da zähle nur, wieviele Fachartikel jemand veröffentlicht habe.

Klaus Fesser, Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät, ist Chef der Berufungskommission für die seit dem Wintersemester vakante Professur für Umweltethik. Um sie attraktiver zu machen, müsste er eine zusätzliche Mitarbeiterstelle, auch ein Sekretariat anbieten. „Wir sind dabei, nach einer Lösung zu suchen“, sagt er. Daneben klingt auch Kritik an Succows Konzept durch. „In den letzten 15 Jahren gab es nur eine Habilitation im Fach Umweltethik. Nun wundert man sich über fehlende Bewerber.“ Rektorin Weber hält sich bisher bedeckt: „Ich sehe den Studiengang nicht gefährdet“, sagt sie.

Engagement im Interesse der Stadt
Succow ist ein brennendes Strohfeuer — sagt Hans Joosten über Michael Succow. „Das meiste von dem, was er anschob, funktionierte nicht. Trotzdem schafft er in einem Jahr mehr als die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben.“ Der Aufbau des Instituts für Landschaftsökologie und Naturschutz gehört zu den Dingen, die Succow erreicht hat. Zum Glück für Greifswald. Die Universität sollte sich stärker für den Erhalt des Institutes — und seines besonderen Charakters einsetzen. Einerseits wegen der aktuellen und ehemaligen Studenten: Geprägt von einem Studium, das viel Raum zur Persönlichkeitsentwicklung, politischer Debatte und Meinungsbildung ließ, sind sie überdurchschnittlich stark ehrenamtlich aktiv. Andererseits machen Studiengang und Stiftung Greifswald national und international bekannt. Das sollten wir nicht aufs Spiel setzen.
Aus dem Leben des Alterantiven Nobelpreisträgers
Michael Succow, 71, hatte 1990 in der letzten Ministerratssitzung der DDR als stellvertretender Umweltminister sieben Prozent der Landesfläche unter Naturschutz stellen lassen, ein Akt, für den er 1997 den Alternativen Nobelpreis verliehen bekam.

Nach der Auflösung des Kabinetts ging er zurück an die Greifswalder Universität, wo er den Studiengang Landschaftsökologie und Naturschutz gründete.

Zwischen 1993 und 1996 war Succow Mitglied und Vize-Chef des Sachverständigenrates für Umweltfragen der Bundesregierung und hatte seit der Wende diverse Ehrenämter in Naturschutzverbänden, Stiftungen und politischen Organisationen inne.

Die Erfahrung, dass sich die politische Umbruchsituation der Wende für den Naturschutz nutzen ließ, machte Succow zur Grundlage der Arbeit der 1999 gegründeten Succow-Stiftung.

Anke Lübbert

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