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Greifswald Gender Studies – Politik statt Wissenschaft?
Vorpommern Greifswald Gender Studies – Politik statt Wissenschaft?
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00:00 06.06.2016

Für den Mainzer Soziologieprofessor Stefan Hirschauer ist die heutige Gender- beziehungsweise Geschlechterforschung extrem politisch. Ihr zentrales Thema sei die Feststellung der sozialen Ungleichheit. Die wiederum werde als Argument für mehr Frauenprofessuren in sogenannten Männerdomänen, für Frauenförderprogramme und so weiter genutzt.

„Es ist eine Bewegung gegen einen gemeinsamen Feind, die Männer, die weißen Männer“, sagte er auf einer Podiumsdiskussion am Donnerstag im Krupp-Kolleg. Mit dabei waren die Göttinger Diversitätsprofessorin Sabine Grenz, die Historikerin Hedwig Richter und der Germanist Peter Pohl (beide Greifswald). Veranstalter waren das Krupp-Kolleg und das Interdisziplinäre Zentrum für Geschlechterforschung der Ernst-Moritz-Arndt-Universität. Wortgewaltig wetterte Hirschauer gegen die fehlende Distanz der Kolleginnen zu ihrem Forschungsgegenstand. Anders gesagt, die meisten Genderforscher(innen) betrieben keine Wissenschaft. Publiziert werde, was politisch opportun und strategisch günstig sei. Ein Schlüsselerlebnis für ihn: Bei einem Kongress in der Schweiz wurde eine Studie über Gewalt gegen Männer in der Ehe bekannt. Die sei nicht veröffentlicht worden, weil das ja nicht sein könne. „Das ist unredlich“, sagte Hirschauer. Bald darauf seien erste Männerhäuser in der Schweiz gegründet worden.

Sabine Grenz wies das Redefeuerwerk Hirschauers zurück. „Sie spitzen zu sehr zu“, sagte sie „Das trifft nicht die Realität.“ Den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit ließ sie nicht gelten. Grenz hatte in ihrem Vortrag vor der Diskussion auf Untersuchungen zu einem geschlechterspezifischen Tod am Beispiel des Herzinfarktes verwiesen. Ärzte würden darauf hinweisende Symptome bei Frauen nicht ernst nehmen.

Die Altmeisterin der historischen Geschlechterforschung, Karin Hausen, sprach zwei Tage zuvor im Krupp-Kolleg von einer männlichen Gegenwehr gegen die in den letzten Jahrzehnten erreichten Erfolge und weitere Bemühungen um Gleichstellung. Aktuelles Beispiel von 2016 sei das Buch des Konstanzer Evolutionsbiologen „Adams Apfel und Evas Erbe“. Seine Meinung: Frauen und Männer unterscheiden sich in Hinblick auf ihre Begabungen. Das sollte die Politik akzeptieren.

Umstritten ist übrigens , ob der englische Begriff Gender besser als Geschlecht den Gegenstand dieser Forschung beschreibe. Fürs Deutsche sei Geschlecht treffend, meint Hausen im Gegensatz zu anderen wie Hirschauer. „Das ist keine Deutschtümelei.“ Vielmehr sei Geschlecht ein von Sinn geradezu gesättigtes Wort, das nicht nur die Entscheidung von Mann und Frau bezeichne, es gebe beispielsweise Menschengeschlecht, Familiengeschlechter.

eob

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