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Genussvoll zelebriert

Greifswald Genussvoll zelebriert

„Nordischer Klang“ mit faszinierendem Akkordeon-Konzert

Greifswald. Schon nach wenigen Minuten dieses denkwürdigen Auftritts war man genötigt, alles das zu vergessen, was man je über das Akkordeon, seine Literatur und Spielweise zu wissen glaubte. Der Finne Kimmo Pohjonen, Beherrscher eines – wie schon mal zu lesen war – unbändigen, rebellischen „Kastentieres“, erwies sich in Greifswalds Musentempel als so brillanter wie musikalisch-stilistisch tabuloser Musikant von unorthodoxem Einfallsreichtum und mitreißender Spiellaune. Der Begriff „Folklore“ fiel einem da gar nicht erst ein.

Aber welcher Begriff passt denn überhaupt zu einer künstlerischen Präsentation, die mit Musikern, Licht- und Sounddesignern, Bühnenrauch, Bewegungsabläufen, Einspielungen, elektronischer Verstärkung und dramaturgisch durchgestyltem Ablauf als originäres Gesamtkunstwerk wahrgenommen werden will? Auf einen Nenner zu bringen ist das nicht. Musikalisch bot Pohjonen (Akkordeon ) mit seinen Töchtern Inka (Gitarre, Electronics, Gesang) und Saana (Schlagzeug, Gesang) eine Musik, die zumeist eine überbordende, rauschhafte Klanglichkeit favorisiert, von improvisatorisch weitschweifender melodischer Ungebundenheit ist und stärkste Wirkung im fast hypnotischen Gebrauch archaisch anmutender Stilmittel besitzt: mit raffiniert genutzter, durchaus einfacher Harmonik, permanentem melodischen Wiederholen und geradezu magisch genutztem metrisch-rhythmischem Kontinuum.

Dies alles als Merkmale eines durch elektronische Verstärkung höchst nuancenreichen, geradezu körperlich raumfüllenden und schon sinfonisch dimensionierten Ausdrucks. Das hat etwas Rituelles, Schamanenhaftes, auch Ekstatisches. Pohjonen lässt in seinen auch stark von Geräuschen bestimmten Klangkombinationen zwischen statischer Ruhe und hämmerndem Stampfen, irisierend pastoraler Durchsichtigkeit, berstenden und unentwirrbar kakophonisch flächigen Klangkaskaden kaum eine Möglichkeit aus, das Unerhörte und nicht Erwartete zum Klingen zu bringen. Und dies komplexhaft duchkomponiert, erzählerisch balladesk und von verschwörerisch sich anbietender, genussvoll zelebrierter Sinnlichkeit.

Als Ausdruck ungewöhnlichen Klangdenkens war dieser Abend eine faszinierend neue Erfahrung.

Ekkehard Ochs

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