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Geplanter Grundschulneubau wirft noch viele Fragen auf

Greifswald Geplanter Grundschulneubau wirft noch viele Fragen auf

Die Zeit drängt – Greifswald braucht dringend Klassenräume

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An der Verlängerten Scharnhorststraße soll eine neue kommunale Grundschule entstehen. Sie wird laut Stadtverwaltung mindestens 12,5 Millionen Euro kosten.

Quelle: Foto: Peter Binder

Greifswald. Ein Jahr ging ins Land, seit die Greifswalder Bürgerschaft den Beschluss fasste, eine neue kommunale Grundschule zu bauen. Hintergrund sind steigende Schülerzahlen. Schon jetzt reichen die vorhandenen Raumkapazitäten nicht aus. In fünf Jahren fehlen laut Prognose mindestens elf Klassenzimmer. Der Zeitdruck ist somit enorm. Doch noch ist weiterhin völlig offen, was für eine Schule errichtet werden soll. Eine Beschlussvorlage für die Fachgremien mit konkreten Aussagen zum Neubau und verschiedenen Varianten wurde von der Verwaltung zwar erarbeitet, aber Ende August zurückgezogen. Carola Felkl, Abteilungsleiterin im Amt für Bildung, Kultur und Sport, begründete diesen Schritt im Finanzausschuss der Bürgerschaft mit „laufenden Gesprächen mit dem Schweriner Bildungsministerium“.

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Fakt ist: Im Februar verabschiedete das Stadtparlament einen Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplanes, um an der Verlängerten Scharnhorststraße die Voraussetzungen für einen Grundschulneubau zu schaffen. Laut Verwaltung gebe es dafür mehrere Optionen: Ein klassischer Schulbau mit einer Fläche von 1,9 Quadratmetern pro Schüler oder ein Haus, das dem Inklusionsgedanken Rechnung trägt – also eine Schule für alle Kinder, ob mit oder ohne Handicap. Das würde bedeuten: 2,1 Quadratmeter pro Schüler. Darüber hinaus ist die Frage zu beantworten, ob eine reine Grundschule (Klassenstufen 1-4) mit Hort und einer Einfeld-Turnhalle oder eine Grundschule mit Orientierungsstufe (Klassenstufen 1-6) inklusive Hort und Zweifeld-Turnhalle errichtet werden soll.

Für Ulrike Berger (Grüne), Mitglied im Bildungsausschuss der Bürgerschaft, gibt es da nicht viel zu überlegen: „Natürlich sollten wir nach dem Inklusionsstandard bauen. Etwas anderes darf heute gar nicht mehr in Frage kommen“, sagt sie. Außerdem plädiert Berger für eine Schule mit Orientierungsstufe. „In unserem Schulgesetz haben wir das längere gemeinsame Lernen verankert“, erinnert sie. Doch praktiziert werde dies nicht, da die Orientierungsstufe an den weiterführenden Schulen angegliedert sei. „Mit einer Schule für Erst- bis Sechstklässler würden wir den Kindern nach der 4. Klasse einen Schulwechsel ersparen“, argumentiert sie.

Das sieht Bildungsausschussvorsitzender Erik von Malottki (SPD) genau so. Doch er geht noch einen Schritt weiter: „Wir sollten prüfen, ob wir dem Neubau gleich noch eine Regionalschule draufsetzen, denn in diesem Bereich haben wir ja ebenfalls Bedarf.“ Da die Kapazitäten nicht ausreichen, gibt es in der Stadt Überlegungen zu einem Anbau an der Caspar-David-Friedrich-Schule. Die befindet sich im Ostseeviertel. „Das würde möglicherweise bedeuten, dass die Schüler bis zur 6. Klasse das neue Haus an der Verlängerten Scharnhorststraße besuchen und ab der 7. Klasse dann durch die ganze Stadt zum Ostseeviertel fahren müssten“, gibt von Malottki zu bedenken. Deshalb präferiert er einen großen neuen Schulcampus von der ersten bis zur zehnten Klasse. Ungeachtet möglicher Kosten, wohlgemerkt.

Laut Verwaltung kostet ein klassischer, zweizügiger Grundschulbau mit Hort und Orientierungsstufe schätzungsweise 15,2 Millionen Euro. Berücksichtige man den Inklusionsstandard, werde es etwa 800

000 Euro teurer. Eine klassische Bauweise ohne Orientierungsstufe läge bei 12,5 Millionen Euro – und dieses Paket mit Inklusionsstandard bei 13 Millionen Euro. Hinzu kämen in allen Fällen die Kosten für eine Turnhalle. Ginge es nach Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne), „sollte Greifswald den Weg der Inklusion einschlagen, auch wenn dies laut Gesetz noch nicht verpflichtend ist“, sagt er auf OZ-Anfrage. Da jedoch die Bürgerschaft entscheiden soll, habe die Verwaltung mehrere Varianten erarbeitet. Dasselbe gelte für die Orientierungsstufe.

„Das Schweriner Bildungsministerium hat uns jetzt signalisiert, dass eine Grundschule mit Orientierungsstufe voraussichtlich genehmigt würde. Wir müssten dazu aber erst einen Antrag stellen“, sagt Fassbinder. Voraussetzung sei ein Bürgerschaftsbeschluss. Deshalb soll die von der Verwaltung vorbereitete und zwischenzeitlich zurückgezogene Beschlussvorlage im Oktober in die Fachgremien gehen.

Bildungsausschussmitglied Ulf Burmeister (Bürgerliste) hält die anstehende Entscheidung für sehr schwierig – und bei weitem nicht nur aus Kostengründen. „Eine Entscheidung für die Orientierungsstufe zieht die Frage nach dem Lehrereinsatz nach sich“, gibt er aus Sicht eines Schulleiters zu bedenken. Die fünfte und sechste Klassenstufe habe beispielsweise je zwei Stunden Biologie. „Das macht an der Schule also insgesamt acht Stunden für den Lehrer“, rechnet Burmeister vor. Heißt: Der Lehrer müsste von vornherein pendeln, um auf seine 27 verpflichtenden Wochenstunden zu kommen. Ähnlich sehe es bei den anderen Fächern aus. Burmeister: „Auch das sollten wir bei unserer Entscheidung mit beachten.“

Petra Hase

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