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Geschäft mit nuklearem Abfall schafft Jobs

Lubmin Geschäft mit nuklearem Abfall schafft Jobs

Die Technologie-Initiative in Vorpommern plant ein Werk für Anlagenbau in Lubmin. Firmen schließen sich dem Netzwerk an.

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Die EWN Energiewerke Nord GmbH in Lubmin (Symbolbild).

Quelle: Tilo Wallrodt

Lubmin. Aus Abfall Gold machen – das ist das Ziel der Technologie-Initiative Vorpommern. Ein Dutzend Firmen entwickelt im Netzwerk Verfahren für die Reinigung radioaktiv verseuchter Baustoffe, etwa aus früheren Kernkraftwerken. Jetzt sind zwei große Ingenieur-Dienstleister aus Süddeutschland eingestiegen. Ziel sei es, von Lubmin aus den Weltmarkt zu erobern. Noch in diesem Jahr sollen Jobs entstehen – auf längere Sicht ein großes Werk, in dem Spezialanlagen gefertigt werden. Weiteres Standbein soll die Entgiftung von Klärschlamm sein.

„Wir wollen Wertschöpfung und Arbeitsplätze nach Vorpommern bringen“, sagt Gerhard Seewald. Erst im Herbst hat er die Technologie-Initiative ins Leben gerufen. Ziel: Honig saugen aus dem Abbau verstrahlter Baustoffe des stillgelegten Kernkraftwerks in Lubmin. Derzeit würden verschiedene Prozesse unter Laborbedingungen getestet.Die Rechnung der Technologie-Initiative ist einfach: Es brauche in etwa genauso viel Zeit und Aufwand, ein Kernkraftwerk zu entsorgen wie es zu bauen, erklärt Ralf Radloff von der Firma Studzvik, einem Kerntechnik-Spezialisten aus Pforzheim. Also Jahrzehnte. Um die schädlichen Stoffe in der Bausubstanz des Werkes zu isolieren, seien neue, aufwändige Verfahren nötig. Dekontamination, Strahlenschutz, Rückbau. „Die Firmen haben das gesamte Know-how“, so Radloff. Das habe seine Firma mit allein 450 Mitarbeitern in Deutschland überzeugt, in Vorpommern einzusteigen. „Wir sehen die Zukunft in Lubmin.“

Ein Dutzend Firmen mit 4500 Beschäftigten gehören derzeit zum Netzwerk, das weiter wächst und vom Wirtschaftsministerium unterstützt wird. Neu ist auch die Euro Engineering AG, ein Ingenieurdienstleister für Anlagenbau aus Düsseldorf. Ein Global Player mit 3500 Beschäftigten und Niederlassungen in fünf Ländern. „Wir sagen, wie die Prozesse auszusehen haben“, umschreibt Annett Schulze, Bereichsleiterin für Chemieanlagenbau bei Euro Engineering, die Aufgabe ihrer Firma.

Ingenieursarbeit auf Weltniveau. „Wir haben jahrelange weltweite Erfahrung, vor allem im Nahen Osten.“ In der Initiative sieht sie „einen Mehrwert für alle“. Gemeinsame Planung und Umsetzung. Vom Tempo der Zusammenarbeit sei sie positiv überrascht: „Das geht ab wie Schmidts Katze.“ Auch Euro Engineering plane, einen Standort in Lubmin zu errichten. Schulze sieht Potenzial für verschiedene Geschäftsfelder. Aktuelles Thema: die Isolierung von Borsäure aus hochkontaminierten Baustoffen des früheren Kernkraftwerkes. Ein Feld, das auch die Schweizer Firma Applicsign auf dem Tisch hat, die seit Oktober zur Technologie-Initiative gehört (die OZ berichtete).

Gerhard Seewald sieht in der Zukunft ein Netzwerk für Kraftwerksservice – made in Lubmin, aus einer Hand, global vermarktbar. Dazu sei ein Werk für Spezialanlagenbau geplant. „Wir wollen raus aus den Laboren“, so Seewald. Bereits im Sommer sollen erste Jobs entstehen. Darüber hinaus arbeite man an einer alternativen Behandlung von Klärschlamm, wie er aus unzähligen Anlagen im Land kommt. Verbrennung sei nicht die einzige Lösung, so Seewald. Seine Idee: Durch ein neues Verfahren sollen Schwermetalle und Giftstoffe komplett aus dem Schlamm entfernt werden, am Ende bliebe wiederverwendbarer Humus. Boden für Acker und Garten.

Anerkennung kommt aus dem Wirtschaftsministerium des Landes. Die Kooperation bei Lubmin zeige, „dass unsere heimischen Firmen das Wissen und die Kompetenzen haben, international wettbewerbsfähige Lösungen umzusetzen“, so Staatssekretär Stefan Rudolph (CDU).

Firmen-Netzwerk zur Reinigung verstrahlter Baustoffe

4500 Mitarbeiter haben die rund ein Dutzend Firmen, die sich in der Technologie-Initiative Vorpommern zusammengeschlossen haben. Darunter sind Unternehmen aus der Lubminer Region, aber auch aus dem Bundesgebiet. Beispiele: Maschinen- und Armaturenwerkstatt Lubmin, Euro Engineering AG (Düsseldorf), Hoffmann Messtechnik (Halle), Standardkessel Baumgarte Service (Duisburg), GD Planungs- und Erschließungsgesellschaft (Greifswald) und Applicsign (Schweiz). Gemeinsam arbeiten sie an technischen Lösungen, um radioaktiv verseuchte Baustoffe am Lubminer Kernkraftwerk, aber auch Klärschlamm zu reinigen.Das Wirtschaftsministerium fördert die Initiative mit 200000 Euro. Ziel sei es, die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen zu erhöhen.

Frank Pubantz

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