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Glawe oder Dahlemann: Wer ist der wahre Mister Vorpommern?

Stralsund/Anklam Glawe oder Dahlemann: Wer ist der wahre Mister Vorpommern?

Zwei Mitglieder der Regierung versuchen zurzeit, im Osten des Landes besonders zu punkten – eine erste Bilanz

Stralsund/Anklam. Vorpommern vor Mecklenburg? Innerhalb der Landesregierung hat ein bemerkenswertes Schaulaufen um die Gunst der Menschen im östlichen Teil des Landes eingesetzt. Die um Aufmerksamkeit bemühten Kontrahenten sind erwartungsgemäß Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) und Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD).

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Zwei Mitglieder der Regierung versuchen zurzeit, im Osten des Landes besonders zu punkten – eine erste Bilanz

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Glawe, der in Grimmen zu Hause ist, setzt derzeit viel Kraft ein, das politische Becken der Christdemokraten gegen den jung-dynamischen SPD-Aufsteiger abzudichten. Der Minister selbst bestreitet zwar die Wahrnehmung, er würde in Vorpommern besonders viele Termine absolvieren, seitdem Dahlemann von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) zum Staatssekretär geadelt worden ist. „Das wirkt so, weil zurzeit alle auf Vorpommern schauen. Ich war hier schon immer viel unterwegs“, sagt Glawe. In Schwerin gebe es dennoch Stimmen, die kritisieren, dass die Regierung nur noch an Vorpommern denke, räumt er ein. Was natürlich großer Unsinn sei.

Dahlemann spricht indes offen über den „Wettbewerb, der der Region aber gut tut“ und verweist auf seine Aktivitätenliste. Dieses Prestigepapier wird Woche für Woche von den Pressesprechern der Ministerien sowie der Staatskanzlei verschickt. Inhalt: Öffentlichkeitswirksame Termine. Möglichst lange Listen gelten innerhalb der Regierung als Statussymbol. Und demnach, sagt der Staatssekretär, seien Glawe und er ähnlich oft in Vorpommern anzutreffen. Die Staatskanzlei unterhält für ihn ein Büro mit Sekretärin, Büroleiter und einem Stellvertreter in der obersten Etage eines Einkaufscenters in der Anklamer Innenstadt. „Geschäftsbereich des Ministerpräsidenten“ steht an der Glastür. Macht Eindruck.

Auf die Frage, ob die vernehmbare Kritik, dass Dahlemann vor allem dazu neige, politischen Schaum rhetorisch aufzuschlagen, zutreffend ist, kontert Glawe knapp: „Was bleibt ihm übrig?“ Dahlemann kann seit wenigen Tagen über einen Fonds von drei Millionen Euro pro Jahr verfügen – ein Bruchteil dessen, was Glawe in Form von Fördermittelbescheiden in der Region ausreicht.

Der Minister hat sich in Vorpommern zuletzt viel Respekt erworben, weil er den Konflikt um die Schließung der Kinder- und der Geburtenstation im Krankenhaus von Wolgast mit einer eigenwilligen Bienenstich-Diplomatie gelöst und die Fronten zwischen der hartnäckigen Bürgerinitiative, die über ein Jahr lang für die Wiedereröffnung der Stationen eingetreten ist, und der Landesregierung aufgeweicht hat.

Gleich mehrere Kabinettsmitglieder der SPD, Dahlemann, Sellering und die vormals für Gesundheit zuständige Ministerin Birgit Hesse, waren an diesem Konflikt gescheitert. Glawe traf sich, seitdem er nach der vergangenen Landtagswahl den Bereich Gesundheit verantwortet, mit den Mitgliedern der Initiative zunächst recht bodenständig bei einem Wolgaster Bäcker und holte so die Kuh nach und nach vom Eis. Sein selbst genanntes Erfolgsrezept: „Bei dem Bäcker gibt es einen hervorragenden Bienenstich.“

Vor einigen Tagen ist in der Stadt eine neue Portalpraxisklinik für Kinder wiedereröffnet worden. Trotzdem kein leichter Termin. Die vorgesehenen Räume gleichen bislang einer Baustelle, was vor Ort noch für Unmut sorgt. Glawe fuhr trotzdem hin, Dahlemann nahm indes zeitgleich an einer eher beschwingten Buchpräsentation in Stralsund teil.

Einen Hieb kann sich der Vorpommern-Minister, so hatte Sellering Glawe selbst einst genannt, um die frühere Wahlkampf-Forderung der CDU nach einem Vorpommern-Staatssekretär in erster Instanz abzuwehren, doch nicht verkneifen: Genau an dem Tag, als Dahlemann kürzlich den Vorpommern-Fonds auslobte, versprach Glawe 200000 Euro für die Vermarktung weit im Osten gelegener Gewerbestandorte. „Es geht ja nicht, dass der Geld verteilt und wir nicht“, sagt er spitz.

Benjamin Fischer

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