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Greifswald Professorinnen dringend gesucht
Vorpommern Greifswald Professorinnen dringend gesucht
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Doktorandinnen feiern auf der Abschlussveranstaltung des landesweiten Projektes „KarriereWegeMentoring MV“ in der Aula der Uni. Quelle: FOTO: Silke Paustian
Greifswald

 An der Spitze der Wissenschaft trifft man immer noch viel weniger Frauen als Männer: In Greifswald entfallen nur 17 Prozent aller Professuren auf weibliche Mitarbeiter. Der Anteil steigt zwar leicht an, immer noch liegt er aber sechs Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt. Bis 2020 sollen wenigstens ein Fünftel aller Stellen sein – das haben Uni und Land in ihrer gemeinsamen Zielvereinbarung festgelegt. Die Vereinbarung lohnt sich für die Uni: Beim Erreichen des Zieles gibt es eine Prämie von 110 000 Euro.

Familiengründung erschwert Aufstieg im Beruf

Der Anteil von Frauen sinkt, je höher es im Wissenschaftsbetrieb geht: Die Uni Greifswald liege bei der Zahl der Absolventinnen und Doktorandinnen im Spitzenfeld, bei Habilitationen und Rufen auf Lehrstühlen hingegen im letzten Drittel, zeigen Zahlen des Leibniz-Instituts für Sozialwissenschaften. Seit 2008 gab es 17 Berufungen von Frauen. Warum es nicht mehr sind, weiß Ruth Terodde, Gleichstellungsbeauftragte der Universität. „Viele richtig gute Frauen halten es leider nicht durch, in der Phase der Familiengründung Drittmittel einzuwerben, Netzwerke zu knüpfen und entsprechende Leistungen wie Publikationen zu zeigen“, sagt Ruth Terodde. Einen anderen Punkt sieht Susanne Stoll-Kleemann,Professorin für Nachhaltigkeitswissenschaft und Angewandte Geographie als entscheidend an. „Frauen müssen vor allem selbstbewusst genug sein, ihre Forschungsleistungen zu zeigen“, findet sie. „Dazu gehört es auch Projekte vorzustellen und auf eigene Literatur aufmerksam zu machen.“ Frauen seien tendenziell harmoniebedürftiger und weniger streitfreudig als Männer – das schade beim Wettkampf um Spitzenpositionen, wenn Frauen sich zurückhaltend präsentieren, sagt sie.

Um den Frauenanteil in der Forschung zu verbessern legt die Uni seit 2011 ein Mentoringprogramm auf (damals betrug der Frauenanteil noch 11,6 Prozent), das nun um drei Jahre verlängert wird. Das Land gibt dafür 618 000 Euro. Mit dem Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder bekommt die Universität zudem Mittel, um in den nächsten fünf Jahren bis zu drei Professuren zu finanzieren.

Beide Programme sollen altbekannte Probleme angehen, die auch Terodde ausmacht: Nachteile durch Familiengründungen, zu wenige Bewerberinnen für Führungspositonen, Gremiensitzungen, die zu elternunfreundlichen Zeiten stattfinden.

Die Lösung: stetige Frauenförderung in Forschung, Lehre und den Uni-Gremien wie der Gleichstellungskommission des Senats. „Im Sommer haben wir uns z. B. dafür eingesetzt, dass Senatssitzungen früher stattfinden, weil sie sich ansonsten mit den Kitaschließzeiten überschneiden“.

Bis zu 165 000 Euro pro Jahr pro Professorin

Das Professorinnenprogramm will die Universität mit finanziellen Mitteln dazu bringen, mehr Frauen einzustellen. Bis zu drei Professuren über fünf Jahre können mit je 165 000 Euro finanziert werden – vorausgesetzt, die Stelle wird mit einer Frau besetzt. Offiziell teilen sich Bund und Land die Kosten. Die Regierung in MV zahlt jedoch kein Extra-Geld: Die Hochschulen nehmen das Geld aus ihrem Gesamtbudget, bestätigt Henning Lipski, Pressesprecher im Bildungsministerium. Läuft die neue Programmphase wie die alte, fließt jedoch gar kein Geld: Zwischen 2013 und 2017 konnten keine Frauen auf unbefristete Professorenstellen der zwei höchsten Besoldungsgruppen berufen werden.

Männlich dominiert ist vor allem die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät an der von 26 Lehrstühlen zwei von Frauen gehalten werden. Den höchsten Professorinnenanteil hat die Philosophische Fakultät mit 25,6 Prozent, gefolgt von der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät mit 23,1 Prozent. Dahinter liegt die Universitätsmedizin mit 11,6 Prozent. An der Theologischen Fakultät gibt es derzeit keine Professorin. Daran werde sich erst etwas ändern, wenn Stellen frei werden und sich mehr Frauen auf sie bewerben, so Ruth Terodde. Dabei liegt der Anteil der Studentinnen an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät bei 55 Prozent – damit sie und andere erfahren, wie sie in die Spitze aufsteigen können, gibt es das Mentoringprogramm „KarriereWegeMentoring Wissenschaft M-V“.

Mentoren für Absolventinnen, Doktorandinnen und Postdoktorandinnen

Es bringt Nachwuchswissenschaftlerinnen mit Mentoren zusammen, die aus ganz Deutschland, Europa oder auch Kanada kommen; in der Wissenschaft oder der Wirtschaft arbeiten. Sie sind die dringend benötigten Vorbilder. Frauennetzwerke entstehen, ein informeller Austausch findet statt, sagt Ruth Terodde. Frauen bekommen Bewerbungstrainings, besuchen Seminare, evaluieren das Mentoring und schärfen ihr wissenschaftliches Profil. „Wir setzen das Bestenprinzip durch“, sagt Ruth Terodde. „Dann müssen aber auch die besten Frauen eine Chance haben“. Doch auch die Besten können Druck aufbauen: Geografie-Professorin Stoll-Kleemann bekam ihren Lehrstuhl 2008, nahm als Postdoktorandin an einem Mentoringprogramm teil. „Da waren viele Kolleginnen bereits schwanger und fragten: ’Wann ist es denn bei dir so weit?’. Dieser gesellschaftliche Druck stört mich. Dann wird man sozusagen als ,Karriereweib’ negativ dargestellt, wenn man erst später Kinder bekommen möchte“. Sie hat gewartet, bis sie mit 36 Jahren Professorin wurde und erst dann ihre Tochter bekommen.

80 Absolventinnen, Doktorandinnen und Postdoktorandinnen nahmen in den letzten drei Jahren in Greifswald am Programm teil, in Rostock waren es 76. Die nächste Ausschreibungsphase ist im Januar. Die Greifswalder Uni berät auch die Universität Rostock und alle anderen Gleichstellungsprojekte des Landes. Dafür finanziere das Land eine Fachstelle, so Terodde. Zudem fließt Geld aus Fördertöpfen der Europäischen Union.

Familienfreundliche Universität

Uniangehörige mit Kindern finden an vielen Stellen Hilfe und Unterstützung. Hier eine Auswahl:

An 14 Standorten finden Mitarbeiter Wickeltische, inklusive der Mensa und der Unimedizin.

Mobile Spielzeugkistenund eine „Kidsbox“ mit Spielsachen, Wickeltisch und Hygieneartikeln helfen, wenn ein Kind mit an den Arbeitsplatz genommen werden muss.

In einer Familienwohnung bietet die Universität eine kostenlose Kinderbetreuung an.

Im Still- und Notfallraum im Haus Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 15a finden Mütter einen Rückzugsort, eine Küchenzeile sowie eine Spielzeugkiste für ihren Nachwuchs.

Christopher Gottschalk

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