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Greifswald Glücksspiel Handyempfang
Vorpommern Greifswald Glücksspiel Handyempfang
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00:05 08.02.2018

Es grenzt an ein Wunder, sollte man Matthias Uecker, Bürgermeister der Gemeinde Neu Boltenhagen, zu Hause in Karbow erreichen. In der im Wald gelegenen Siedlung gibt es so gut wie keinen Handyempfang. Das gleiche gilt für die Internetverbindung. „Für mein Ehrenamt ist das ganz furchtbar. Einen Festnetzanschluss habe ich nur im Gemeindebüro, wo ich einmal in der Woche bin. Doch mancher Bürger muss mich eben auch erreichen, wenn kein Sprechtag ist“, sagt er.

Wie schlimm es ist, wenn der Handyempfang in der Gemeinde eine Katastrophe ist, hat Matthias Uecker im vergangenen August erfahren. Am 3. August brannte das Ausbildungszentrum der Jugendfeuerwehr nach Brandstiftung ab (die OZ berichtete). Natürlich sollte auch Bürgermeister Uecker informiert werden. Nur: Der war nicht zu erreichen. Kein Empfang! „Wenn ich nicht am Horizont das helle Flackern gesehen hätte und nach Neu Boltenhagen gefahren wäre, ich hätte nichts mitbekommen“, schildert er. „Es ist ein Glücksspiel. Aber in der heutigen digitalen Zeit nicht hinnehmbar, dass es keine gescheite Funkverbindung und kein schnelles Internet gibt“, ergänzt das Gemeindeoberhaupt.

Ganz schwierig ist es auch, in Hanshagen, Vargatz, Vierow oder Jägerhof via Handy Empfang zu bekommen. In Lühmannsdorf, wo sich in unmittelbarer Nähe ein Richtfunkturm befindet, ist ebenfalls nur bruchstückhafter Empfang nutzbar, meist sogar zeigt das Handy „Kein Netz vorhanden“ an.

Viele Bürger finden mittlerweile, dass die Netzbetreiber den Nordosten sehr vernachlässigen. Denn auch aus Richtung Anklam oder von Greifswald in Richtung Stralsund ist ähnliches zu vermelden. „Seit Jahren geht das so: Bis auf ein paar abgehackte Brocken ist nichts zu verstehen, es sei denn, der Handynutzer hängt sich weit aus dem Fenster oder läuft in die letzte Ecke des Hofes. Dann hat er manchmal Glück“, weiß Hanshagens Bürgermeister Michael Harcks. Verbesserung? Fehlanzeige. Neue Richtfunktürme sind derzeit in den Ämtern rund um Greifswald nicht vorgesehen.

Auch im Süden der Insel Usedom ist schlechter Netzempfang an der Tagesordnung: Erst rauscht es, nach 30 Sekunden Gespräch ist der Empfang zu Falko Beitz weg. Er ruft zurück. „Ich war im Auto unterwegs, musste erst ein paar Kilometer fahren, wo besserer Empfang ist“, sagt der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Stolpe bei Usedom, als er zurückruft.

Diese Methode der Kommunikation soll aber bald vorbei sein. In diesem Jahr hofft Beitz auf den großen Durchbruch. „Die Deutsche Telekom baut einen Funkturm in der Nähe der Kompostierungsanlage“, sagt er. Einen entsprechenden Beschluss segneten die Gemeindevertreter bereits ab. In einer Stammtischrunde wurde beschlossen, wo der Turm gebaut werden soll. „Er soll ja nicht Eidechsen und Hirsche mit Netz versorgen, sondern Menschen. Der Turm muss also dorthin, wo die Menschen wohnen“, meint Beitz. Die Gemeinde verdient mit der Errichtung des Turmes sogar Geld. „Der Betreiber zahlt bis zu 2500 Euro Miete an uns.“

Im Usedomer Süden gibt es einige Bereiche, die empfangstechnisch von der Außenwelt abgeschnitten sind. „Dazu gehört zum Beispiel Kamminke am kleinen Stettiner Haff“, weiß

Südamts-Mitarbeiter Sven Wellnitz. In abgelegenen Orten wie Rankwitz und Umgebung, soll es auch einen neuen Funkturm geben. „Dafür gibt es aber noch kein Zeitfenster“, so Wellnitz.

Die Küstenabschnitte seien besser erschlossen.

Auch in der Gemeinde Ückeritz soll sich was tun. Wie Kurdirektor Toni Schulz mitteilt, soll – hoffentlich bis zur Urlaubssaison – ein neuer Funkmast auf dem Parkplatz vor dem Campingplatz errichtet werden. „Der bisherige Turm steht auf dem Campingplatz und ist mehr als 20 Jahre alt“, sagt er. Rund 200 000 Übernachtungen verzeichnet der Platz im Jahr. „Es ist auch eine Sicherheitsfrage, wenn man den Notruf nicht mehr absetzen kann. Deswegen ist guter Empfang wichtig. Die Gemeinde stellt der Telekom eine Fläche zur Verfügung. Der Turm soll rund 50 Meter hoch sein“, erklärt der Kurdirektor. Ein weiteres Problem in der Gemeinde Ückeritz ist der Empfang des polnischen Handynetzes in der Gemeinde. „Das müssen die Länder unter sich klären. Wichtig für uns ist, dass wir mit dem neuen Turm auch LTE-Empfang auf dem Campingplatz haben“, meint Schulz. Weitere Türme stehen auf der Feuerwehr und an der Reha-Klinik.

Während Einwohner und Urlauber im Landkreis weiterhin mit vielen Einschränkungen beim Handyempfang leben müssen, tut sich bei der Internetverbindung in diesem und im nächsten Jahr viel. Endlich, denn angekündigt worden war es bereits vor drei Jahren. Die nebenstehende Karte beweist, dass der Breitbandausbau dank Förderung durch Bund und Land vorankommt. Im Juli soll der Ausbau des Glasfasernetzes endlich losgehen. Gemeinden des Amtes Lubmin, darunter Katzow und Neu Boltenhagen, gehören dazu. Betriebe wie die Vorpommern Haustechnik GmbH aus Netzeband hofft, Kundenakquise und das Verschicken von Rechnungen dann problemlos übers Internet realisieren zu können.

Cornelia Meerkatz und Hannes Ewert

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