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Greifswald Greifswald: Ein Lichthaus für die Stillgeborenen
Vorpommern Greifswald Greifswald: Ein Lichthaus für die Stillgeborenen
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19:15 15.04.2019
Pastorin Brita Bartels und Künstler Martin Mixsa vor dem neuen Lichthaus auf der Grabstelle für stillgeborene Kinder in Greifswald. Quelle: Petra Hase
Greifswald

Riesig war die Freude, als Kathrin Mundt ein neues Leben in sich trug. Gemeinsam mit ihrem Mann Silvio träumte sie vom Familienglück zu dritt. Freundete sich mit dem Gefühl des Mutterwerdens an, schmiedete erste Pläne vom Alltag mit Kind. Doch die Sehnsüchte fanden bei einer ärztlichen Kontrolle ein jähes Ende. Weil das Ungeborene schwerste Fehlbildungen aufwies, musste die 36-Jährige in der 14. Schwangerschaftswoche einen Abbruch über sich ergehen lassen. „Kurz zuvor hatte bereits meine Schwester ihr Kind verloren“, sagt die gebürtige Leipzigerin, die in Greifswald aufwuchs und heute in Sellin auf Rügen lebt. Für die gesamte Familie ein Albtraum.

Eltern sollen Abschied nehmen können

Glücklose Schwangerschaften sind alles andere als selten. Gerade wurden auf dem Neuen Friedhof in Greifswald wieder 19 stillgeborene Kinder mit einer bewegenden Gedenkfeier im Beisein von Eltern und Freunden bestattet. „Trotzdem gehört dieses Thema in unserer Gesellschaft noch immer zu den Tabus“, sagt Brita Bartels. Die Klinikseelsorgerin führt fort, was ihre Vorgängerin Gerlinde Gürtler an der Unimedizin Greifswald vor gut zehn Jahren initiiert hat: Den Eltern dieser Kinder – auch Schmetterlings- oder Sternenkinder genannt – die Möglichkeit eines würdevollen Abschieds zu geben.

Jeder Trauerfall ist individuell – wie die kleinen Menschen auch

Laut Statistischem Landesamt kommen pro Jahr in Mecklenburg-Vorpommern zwischen 50 und 70 Kinder tot zur Welt. An der Universitätsmedizin Greifswald gab es im Jahr 2016 acht Totgeburten, 2017 waren es zwei, im vergangenen Jahr drei. Die Fälle sind ganz unterschiedlich. Manchmal wird eine Frau mit frühzeitigen Wehen eingeliefert, die Komplikationen zeichnen sich bereits ab. Ein anderes mal stirbt ein Baby ganz unvorhergesehen während des Geburtsprozesses. So verschieden das Schicksal – so unterschiedlich auch die Art der Bewältigung. Während die einen das Erlebte so schnell wie möglich zu vergessen versuchen, benötigen andere den Prozess der Trauer und des Abschieds. Zweimal im Jahr organisiert Bartels daher mit Unterstützung von Klinikmitarbeitern und Spendern auf dem Neuen Friedhof in Greifswald eine Gedenkfeier für die Sternenkinder. Die Grabstätte mit einem großen Findling und der Aufschrift „Die Stillgeborenen – geliebt, beweint und nicht vergessen“ dient vielen Betroffenen seit 2009 als Ort der Erinnerung.

Ein Ort zum Gedenken kann helfen mit der Trauer umzugehen

„Ich brauche so einen Ort, um Zwiesprache zu halten“, sagt Kathrin Mundt, die offen über ihren Schicksalsschlag spricht. Sie kenne mittlerweile viele Frauen, die ein Kind verloren haben. „Die meisten fressen die Trauer ins sich hinein. Doch das ist nicht gut. Mir hilft es sehr, darüber zu reden. So kann ich den Schmerz besser bewältigen“, sagt sie. Die Grabstätte in Greifswald helfe dabei. Ein liebevoll gestalteter Platz nahe des Friedhofzauns, „an dem ich als Kind noch sorglos vorbei geradelt bin“, entsinnt sich die junge Frau. Sie ist dankbar, dass neben dem Schmetterlings-Findling ganz neu ein kleines „Lichthaus“ steht. Eine Laterne quasi, um Kerzen anzuzünden. Finanziert durch Spenden – wie nahezu alles an diesem Ort, betont Pastorin Brita Bartels. So habe das Bestattungshaus Hennig gerade wieder eine Sammelurne gestiftet.

„Aus der Trauer wird neues Leben wachsen“

Das Lichthaus indes ist ein Werk des Dresdner Metallgestalters Martin Mixsa. „Sein Vater Hans-Volker, der bereits verstorben ist, hat in der Vergangenheit viele Spuren im Greifswalder Dom hinterlassen“, würdigt Pastorin Bartels das Engagement. Sein Sohn trat in dessen Fußstapfen, restaurierte beispielsweise die Spendentruhe am Eingang der Kirche. Das Lichthaus für die Schmetterlingsgrabstätte sei noch zu Lebzeiten seines Vaters ein Thema gewesen. „Die Idee ging auch auf Gerlinde Gürtler zurück“, erinnert Mixsa. Er habe lange überlegt, wie sie am besten umzusetzen sei. Das Ergebnis schließlich ist so schön wie schlicht und zugleich bedrückend, kennt man die Geschichte. Denn Mixsa nutzte als Podest für die Laterne einen Stein, der nachweislich aus den Trümmern eines Dresdner Bürgerhauses aus dem 16. Jahrhundert stammt. „Es wurde beim Bombenangriff am 13. Februar 1945 zerstört“, sagt Mixsa. „Das Haus wurde zerstört, aber der Stein dient als Fundament des neuen Lichthauses. Aus dem Tod wächst neues Leben, aus den Bruchstücken unserer Trauer wird neues Leben wachsen“, sagt Brita Bartels.

Für Kathrin Mundt tröstliche Worte, zumal auch noch ihr Vater aus Dresden stammt. Mit ihrem Mann ist sie sich einig, diesen Ort regelmäßig zu besuchen. „Auch später noch, wenn mal ein Geschwisterchen da sein sollte. Denn natürlich werden wir von dem Erlebten erzählen“, sagt Silvio Mundt, „es gehört zu unserer Geschichte.“

Stillgeborene Kinder

An der Universitätsmedizin Greifswald gab es im Jahr 2016 acht totgeborene Kinder, 2017 waren es zwei und 2018 drei. Eine Totgeburt liegt vor, wenn nach der Geburt eines Kindes kein erkennbares Lebenszeichen nachzuweisen ist und das geborene Kind ein Gewicht von mindestens 500 Gramm hat. Andernfalls (Gewicht unter 500 g) spricht man von einer Fehlgeburt. Der Ausdruck stille Geburt ist angelehnt an die englische Bezeichnung stillbirth, er fasst Fehl- und Totgeburten zusammen.

Eltern von stillgeborenen Kindern mit einem Gewicht bis 1000 g haben die Möglichkeit einer Sammelbestattung. Ab einem Geburtsgewicht von 1000 g sind die Eltern verpflichtet, die Bestattung der Kinder durch ein Bestattungsinstitut zu organisieren. Wird das Gewicht unterschritten ist dies eine freiwillige Option.

Zwei Mal im Jahr findet eine von der Universitätsmedizin Greifswald organisierte Gedenkfeier für stillgeborene Kinder statt. Dabei werden die Sternenkinder feierlich beigesetzt. Im Durchschnitt werden pro Jahr 40 stillgeborene Kinder in einer Sammelurne bestattet und zwischen drei und vier in einzelnen Bestattungen.

Petra Hase

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