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Greifswald Greifswald soll Modellbaukommune werden
Vorpommern Greifswald Greifswald soll Modellbaukommune werden
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14:18 08.11.2018
Bauarbeiten an der Koitenhäger Landstraße für die Neuverlegung des Ketscherinbachs Quelle: PeterBinder
Greifswald

Die Auftragsbücher der Firmen sind voll. Bauen wird immer teurer und dauert häufig länger als geplant. Das bekommt auch Greifswald zu spüren, zum Beispiel beim Stadtarchiv oder dem Ketscherinbach mit millionenschweren Preissteigerungen. Über eine Digitalisierung des Bauens könnte man das ändern, meinen die Bündnisgrünen. Greifswald soll darum mithilfe des Landes erste Modellbaukommune in MV werden. Die Weichen wollen die Bündnisgrünen per Bürgerschaftsbeschluss noch in diesem Jahr stellen. Es soll eine Win-win-Situation für regionale Wirtschaft, Handwerk, Architekten und öffentliche Auftraggeber werden.

Große Ziele, für die die Bauwerksdatenmodellierung, neudeutsch Building Information Modeling (BIM), genutzt werden soll. „BIM bedeutet digitale Aufbereitung von Vorhaben in mehrdimensionalen Modellen“, erläutert Milos Rodatos für die Fraktion Grüne/Forum 17.4. „Diese digitale Planung bekommen alle Beteiligten, also öffentliche Auftraggeber, Architekturbüros, Planer und Handwerker.“ Nötige Änderungen würden in diesen Modellen vorgenommen und stünden so allen sofort zur Verfügung. „Der gesamte Prozess wird optimiert“, so Rodatos. „Das hilft, um die Kosten in den Griff zu bekommen und Termine einzuhalten.“

Auch die Einwerbung von Fördermitteln werde mit BIM leichter. Fördermittel, zum Beispiel zur Finanzierung von Personal oder für nötige Investitionen regionaler Unternehmen zur Einführung der Bauwerksdatenmodellierung, sollen ebenfalls eingeworben werden, um Greifwald zur Modellbaukommune zu entwickeln.

„Der Bund versucht bereits, BIM voranzutreiben, ein Projekt ist der Bau der Petersdorfer Brücke im Verlauf der A19“, so Rodatos. „Auch im Land gibt es solche Projekte, aber unseres Wissens kein Modellprojekt einer Kommune.“

Unternehmerverband Vorpommern skeptisch

Axel Hochschild, Präsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern und zudem Chef der CDU-Bürgerschaftsfraktion regt an, das sehr komplexe Thema erst einmal gründlich zu beraten und nicht noch 2018 zu beschließen. „Auf den ersten Blick scheint mit BIM eher für Großprojekte wie Flughäfen und Bahnhöfe sinnvoll“, sagt er. Es sei auch zu befürchten, dass anders als beabsichtigt, kleinere Betriebe bei Auftragsvergaben weniger Chancen als große haben.

Jens Feißl, Geschäftsführer des Unternehmerverbandes Vorpommern, meint, dass die Grünen mit ihrer Idee leider zu spät kämen. „Es gibt bereits Planungsbüros bei uns, die seit längerer Zeit mit BIM arbeiten“, sagt er. In Vorpommern gebe es innovative Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Zeit stellten, kommentiert Feißl.

Höhere Mindestlöhne bei kommunalen Bauvorhaben?

Die Idee sei gut, meint dagegen Christin Kieppler, Geschäftsführerin der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommerns. Man habe sich bereits ein erstes Mal mit der Idee der Modellbaukommune befasst, weil Milos Rodatos nach Schwerin geschrieben habe. „Auf Bundesebene und Landesebene läuft gerade sehr viel“, sagt Kieppler.

Berlin und Schwerin setzen große Hoffnungen in BIM. Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD) habe eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich mit der Umsetzung befasst. Die Idee der Modellbaukommune Greifswald werde im Dezember dem Vorstand der Architektenkammer vorgestellt. „Die Voraussetzungen für BIM müssen für alle Beteiligten gegeben sein“, betont die Geschäftsführerin.

Der Vorschlag der Bündnisgrünen geht weit über Bauwerksdatenmodellierung hinaus. So soll geprüft werden, ob Greifswald bei Auftragsvergaben verlangen kann, dass Bewerber Löhne zahlen, die über den in MV geltenden Mindeststandards liegen. Es sollte ab 2019 einen Tag des Handwerks an den Greifswalder Schulen geben, um für eine Ausbildung im Handwerk zu werben. „Der sollte besser ,Tag der Beruflichen Bildung’ als Werbung für die gesamte duale Ausbildung heißen“, mein Hochschild. Partner sollten seiner Ansicht nach Kreishandwerkerschaft und IHK sein.

Eckhard Oberdörfer

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