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Greifswald Greifswalder Amtsgericht betreut 3500 Menschen
Vorpommern Greifswald Greifswalder Amtsgericht betreut 3500 Menschen
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16:42 31.07.2018
In Vorpommern werden immer mehr ältere Menschen von gerichtlichen Betreuern betreut. Im Bereich des Amtsgerichtes Greifswald sind es rund 3500 Personen. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa
Greifswald

Wenn Menschen die Kontrolle über ihr Leben verlieren und nicht mehr für sich selbst sorgen können, benötigen sie Hilfe. Ein schmaler Grad für Betreuer und Gesetzgeber: Entmündigen dürfen sie die Menschen nicht. Jeder Mensch hat das Recht zu sagen, er wolle nicht mehr essen oder nicht mehr leben, stellt der Direktor des Greifswalder Amtsgerichts, Jörg Dräger, fest. So ist es im Grundgesetz verankert.

Recht gilt seit 1992

Heute wird Erwachsenen, die Hilfe in ihrem Leben, zum Beispiel bei medizinischen Behandlungen, in finanziellen Angelegenheiten, der Vertretung gegenüber Behörden oder der Unterbringung benötigen, ein rechtlicher Betreuer an die Seite gestellt.Für Kinder und Jugendliche bleiben Eltern oder Vormünder zuständig. Das Betreuungsrecht gilt seit 1992. „Der Wille des Betroffenen bleibt bestimmend“, sagt Pressesprecher Andreas Hennig, der wie Dräger als Betreuungsrichter aktiv ist. „Der Betreuer ist eigentlich nicht mehr als ein vom Gericht bestellter Bevollmächtigter. Der Begriff Betreuer ist irreführend.“

Nur mit ärztlichem Gutachten

Der Wille des Betroffenen bleibt entscheidend. Diesen Willen soll der rechtliche Betreuer soweit es möglich ist umsetzen. Das gilt auch für medizinische Behandlungen.Eine Betreuung kann aufgrund von geistigen, seelischen und körperlichen Behinderungen erfolgen. Aber ohne ärztliches Gutachten geht es nicht. Die Richter arbeiten darum eng mit medizinischen Sachverständigen, Pflegeheimen und Krankenhäusern zusammen.

Größte Abteilung am Gericht

Mit zweieinhalb Richterstellen, fünf Rechtspflegerinnen und sechs Servicemitarbeitern ist die Betreuung die größte Abteilung des Gerichts. Die halbe Stelle gehört zum Direktor, der als Gützkower vor allem in den nach der Gerichtsreform Greifswald zugeordneten Teilen der Amtsgerichte Anklam und Demmin tätig ist. Die mit der Gerichtsreform verbundene Schließung des Amtsgerichts Wolgast bereitet auch hier wegen zum Teil sehr weiter Wege Probleme, so die Richter.  Im Bereich Greifswald arbeitet Karin Schnitzer, die seit Jahrzehnten in Betreuungsfällen Recht spricht. Zudem ist sie für die zahlreichen vorläufigen Verfahren zuständig, in denen zum Beispiel wegen einer bevorstehenden medizinischen Behandlung rasch ein rechtlicher Betreuer bestellt werden muss, weil die Betroffenen nicht beizeiten eine Vorsorgevollmacht erteilt haben. „Ich möchte gar nichts anderes machen“, sagt sie. Viele Menschen seien dankbar, dass sich auch eine Juristin um sie kümmere. Ende 2017 liefen laut Statistik insgesamt 3034 Betreuungsverfahren. „Wir gehen von durchschnittlich 3500 Verfahren und einer Steigerung in der Zukunft aufgrund der alternden Bevölkerung in den nächsten Jahren aus“, so Dräger.

Betreuungsbehörde ist das Sozialamt des Kreises

Die Betreuungsbehörde prüft mit ihren sechs Mitarbeitern zunächst das Umfeld des Betroffenen. Erst nach der Entscheidung für die Betreuung wendet sich das Sozialamt an das Amtsgericht und schlägt einen Betreuer vor.Nur bei akuten psychischen Problemen sei es möglich, sich über den Willen des Betroffenen hinwegzusetzen, um ihn oder andere zu schützen, erläutert Karin Schnitzer. „Jeder hat das Recht, in einer vermüllten Wohnung zu leben, solange er sich und andere nicht gefährdet“, betont sie. Trotzdem: Die Unterbringung in einer geschlossenen Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses gegen den Willen des Betroffenen, spielt eine große Rolle in der Rechtsprechung. 2017 wurden dazu 300 Entscheidungen getroffen.

Vereine helfen in der Region

Betreuer sind derzeit meist Angehörige des Betroffenen. Wenn keine geeigneten Verwandten da sind, können Betreuungsvereine einspringen. Diese gibt es in unserer Region in Greifswald, Wolgast, Anklam und Stralsund. Es gibt auch einige ehrenamtliche, nicht organisierte Betreuer. Zweitens gibt es Berufsbetreuer.

Richter raten zur Absicherung

Die Richter raten jedem, in einer Vorsorgevollmacht möglichst exakt seinen Willen zu allen Bereichen des täglichen Lebens, insbesondere aber zu medizinischen Behandlungen bis zu einer Unterbringung im Pflegeheim festzulegen. Man zum Beispiel bestimmen, ob ein Gitter zum Schutz am Bett angebracht werden darf, ob eine Angurtung im Rollstuhl erlaubt ist . Die Vorsorgevollmacht muss nicht notariell beglaubigt sein. Trotzdem empfehlen die Richter eine Beglaubigung, das kann sich im Rechtsverkehr als nützlich erweisen.

Eckhard Oberdörfer

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