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Greifswald Greifswalder Studenten fordern Unisextoiletten
Vorpommern Greifswald Greifswalder Studenten fordern Unisextoiletten
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15:11 27.02.2018
Für Unisextoiletten gibt es viele verschiedene Symbole. Eine Variante ist dieses Schild. Eine andere Variante zeigt das Frauensymbol mit einem halben Rock. Quelle: Degrassi Katharina
Greifswald

Diskriminierung auf der Toilette? Ob getrennte Toiletten für Männer und Frauen Personen mit anderem Geschlecht benachteiligen, wird in Greifswald diskutiert. Die Hochschulgruppe der Grünen antwortet ja und fordert deswegen, zusätzlich geschlechtsneutrale Toiletten einzurichten.

„Menschen dritten Geschlechts wie Intersexuellen oder Personen mit einer Transgender-Identität ist es nicht möglich, sich in eines der vorgegebenen Geschlechter einzuordnen“, sagt Till Junker, designiertes Mitglied im neu gewählten Studierendenparlament (Stupa). „Zudem haben wir bei unserer Forderung die Studierenden mit Kind im Blick, wenn sie ein Kind des jeweils anderen Geschlechts auf die Toilette begleiten“, sagt Junker. Erste Forderungen nach Unisextoiletten hatte das Stupa bereits 2014 gestellt.

Unisextoiletten gibt es momentan in der Franz-Mehring-Straße 48, der Bahnhofstraße 46/47, in der Frauenklinik in der Wollweberstraße 1 oder in der Steinbecker Straße im Institut für Anglistik/Amerikanistik. Das reicht jedoch nicht, meint die Grüne Hochschulgrupe. Im Audimax in der Rubenowstraße, am Berthold-Beitz-Platz oder dem Lohmeyercampus in der Friedrich-Loeffler-Straße fehlen Unisextoiletten. Das kann ein Problem für Leute mit drittem Geschlecht sein, deren genaue Zahl schwer zu benennen ist. Im Urteil des Bundesverfassungsgerichts mit der Feststellung, dass auch das dritte Geschlecht offiziell anerkannt werden muss, wird die Zahl von 160000 Personen genannt, was rund 0,2 Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland entspräche.

Zahlen dürften jedoch keine Rolle spielen, meint Felix Naundorf und spricht sich dafür aus, dass die Betroffenen gehört werden. Er leitet die AG Gender Trouble des Stupa, die sich für die Gleichberechtigung aller geschlechtlichen und sexuellen Identitäten einsetzt. „Ich bin ein total großer Fan der Unisextoiletten. Eine weltoffene Uni sollte sie auch bereitstellen können“, sagt der 20-jährige Transgender, der sich nicht mit seinem biologisch weiblichen Geschlecht identifiziert. „Die Leute wissen, was schwul oder lesbisch ist, aber weitere Identitäten und Sexualitäten aus dem LGBTQ*- Spektrum sind der Gesellschaft nicht so geläufig“, sagt Naundorf. Die Varianten des sozialen Geschlechts sind vielfältig, ähnlich hingegen sind die Wünsche der Menschen, so Naundorf: „Menschen mit nicht binärer, also nicht in das zwei- Geschlechter-System passenden, Geschlechtsidentität wollen akzeptiert werden. Eben hier setzen die Unisextoiletten an.“

Ruth Terodde, Gleichstellungbeauftragte der Universität, befürwortet zusätzliche Unisextoiletten, aber sie betont auch die Interessen anderer Gruppen. Noch hätte sich niemand bei ihr über fehlende Unisextoiletten beschwert, eher würden Frauen sich wünschen, den Schutzraum getrennter Toiletten zu behalten und Personen aus anderen Kulturen würden Unisextoiletten teilweise nicht benutzen wollen. „Es geht darum, diese Interessen nicht gegeneinander auszuspielen, sondern gleichrangig zu behandeln“, sagt Terodde.

Auf die Frage, welchen Handlungsbedarf die Universität sieht, will Pressesprecher Jan Meßerschmidt nicht antworten. Nur so viel: „Die Universität Greifswald hat ausreichend und saubere Toiletten. Auf die seltenen Beschwerden wird umgehend reagiert. Wenn jemand besondere Wünsche oder Verbesserungsvorschläge hat, kann er sich an die Verwaltung wenden und wird dort immer ein offenes Ohr finden.“ 

Somit werden Unisextoiletten voraussichtlich am Lohmeyercampus fehlen, an den auch das Institut für Anglistik/Amerikanistik ziehen soll. „Die Ansprüche wurden von der Universität nicht geltend gemacht“, bestätigt eine Sprecherin des Bauherren, des Betriebs für Bau und Liegenschaften MV, auf OZ-Nachfrage.

Dabei sind Unisextoiletten gar nicht so ungewöhnlich. In Cafes oder Bars findet man sie – zum Beispiel, weil der Platz für getrennte Toiletten fehlt, wie im Institut für Anglistik/Amerikanistik, einem italienischen Cafe neben der Dompassage oder der Bar Ravic. Auch die barrierefreien Toiletten im Rathaus und im Stadthaus stehen allen Geschlechtern offen. Davon abgesehen seien Unisextoiletten in städtischen Gebäuden angesichts „zahlreicher anderer wichtiger Investitionen“ nicht geplant, sagt Bärbel Lenuck, Mitarbeiterin der städtischen Pressestelle.

Gottschalk Christopher

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