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Greifswald Greifswalder Studienkolleg wird geschlossen
Vorpommern Greifswald Greifswalder Studienkolleg wird geschlossen
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14:56 27.11.2018
Rim Benonaki aus Marokko, Sara Qarqash aus Jordanien, und Yana Bo aus der Ukraine (von links) schwärmen von den Möglichkeiten des Greifswalder Studienkollegs, das sie besucht haben. Quelle: Eckhard Oberdörfer
Greifswald

 Das Greifswalder Studienkolleg wird zum Ende des Sommersemesters 2020 schließen. Bildungsministerin Birgit Hesse habe diese Entscheidung von Rektorin Prof. Johanna Weber bestätigt, informiert ihr Sprecher Henning Lipski. Entlassen wird niemand.

Im Studienkolleg werden junge Leute aus Ländern ausgebildet, die über kein in Deutschland anerkanntes Abitur und nur über unzureichende Deutschkenntnisse verfügen. Die Ausbildung dauert zwei Semester. Der Andrang auf die 80 Plätze ist sehr groß. Gerade erst ist das Studienkolleg aus einer früheren Kindertagesstätte in der Makarenkostraße in die Loefflerstraße umgezogen. Dort werden etwa 350 Quadratmeter in der ehemaligen Chirurgischen Klinik genutzt, die das Land für das Kolleg herrichtete. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es dann nur noch das Studienkolleg in Wismar, das aber nur Richtung technischer, wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher Berufe ausbildet.

„Prof. Weber vertritt die Auffassung, dass das Studienkolleg in der aktuellen Form und Ausrichtung nicht mehr zeitgemäß ist“, informiert Lipski. „Die vorhandenen Ressourcen sollen aber weiter für die Internationalisierung der Universität genutzt werden. In Kürze sollen Gespräche mit der Leiterin des Studienkollegs über das weitere Vorgehen erfolgen.“

Noch keine Entscheidung zu Räumen

Was aus den Räumen wird, dazu äußert sich Unisprecher Jan Meßerschmidt nicht. „Erst einmal zieht das Studienkolleg wie geplant um. Mehr ist im Augenblick dazu nicht zu sagen.“ Mit der Bestätigung der Schließung durch die Bildungsministerin findet eine über zehn Monate dauernde Auseinandersetzung ein Ende. Hesse zeigte sich im März überrascht, als die von den Schließungsabsichten erfuhr (die OZ berichtete).

Lehrer und Kollegiaten protestierten. In einem offenen Brief warf die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Studienkollegs der Greifswalder Uni vor, ihrer eigenen Internationalisierungsstrategie zuwiderzuhandeln, weil ohne Kolleg zum Beispiel Länder wie China, Indien, Vietnam und Russland ausgeschlossen würden. Etwa 70 Prozent aller Länder ermöglichen mit ihren Abschlüssen keinen direkten Zugang zum deutschen Hochschulsystem.

Absolventen reagieren mit Unverständnis

Erst letzte Woche wandten sich die Absolventinnen Rim Benonaki aus Marokko, Sara Qarquash aus Jordanien und Yana Bo aus der Ukraine an die OZ, um gegen die Schließung zu argumentieren. Sie studieren jetzt Medizin beziehungsweise Biochemie in Greifswald und blieben, weil es ihnen in der vorpommerschen Universitätsstadt gefällt. Sie loben die Ausbildung in höchsten Tönen. „Ohne das Studienkolleg würden wir die Fachbegriffe im Medizinstudium nicht von Anfang an verstehen“, sagt Rim Benonaki. Das sei in Biochemie nicht anders, bestätigt Yana Bo. Wenn die Rektorin meine, dass ein DSH-Kurs (Deutsche Sprache für den Hochschulzugang) ausreiche, so sei das nach ihrer Erfahrung falsch. Dazu kommen die großen Möglichkeiten, die das Kolleg bei der Integration, beim Kennenlernen deutscher Kultur biete. Wie haben in Greifswald neue Freunde gefunden, betonen die jungen Frauen. Allerdings habe sie von Anfang an beim International Office nicht den Eindruck gehabt, willkommen zu sein, sagt Sara Qarquash. Es stimme auch nicht, dass die Kollegiaten keines der geisteswissenschaftlichen Studienangebote in Greifswald wahrnehmen würden. „Ich kenne allein sechs Kommilitonen, die das machen“, sagt Rim Benonaki.

Offener Brief an Ministerpräsidentin

Ibrahim Al Najjar, Bürgerschaftsabgeordneter der SPD und Vorsitzender des Integrationsvereins Vorpommern-Greifswald, hofft, dass die Schließung des Kollegs doch noch verhindert werden kann. In einem langen offenen Brief hat er sich im Namen der Kollegiaten unter anderem an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), die Landtagsfraktionen, die Rektorin und OB Stefan Fassbinder (Grüne) gewandt. „Das Studienkolleg ist konkrete und erfolgreiche Internationalisierung“, betont er. Ohne die Einrichtung würden weniger hochqualifizierte Ausländer für MV gewonnen.

Eckhard Oberdörfer

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