Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Greifswalder Studierendenparlament schließt Verbindungen aus
Vorpommern Greifswald Greifswalder Studierendenparlament schließt Verbindungen aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:26 14.09.2018
Das Verbindungsband zeigt die Zugehörigkeit zu einer Studentenverbindung an, in diesem Fall der katholischen Studentenverbindung „Alemannia“. Quelle: Christopher Gottschalk
Greifswald

Studentenverbindungen werden derzeit in der Greifswalder Hochschulpolitik diskutiert: Sollten sie per se von Veranstaltungen für Erstsemester ausgeschlossen werden, weil die meisten von ihnen nur Männer aufnehmen und ein Teil von ihnen schlagend ist, also Fechtkämpfe austrägt? Stehen sie für ein Wertesystem, das heute als überholt gilt?

Das Stupa sagt mit seinem aktuellen Beschluss ,Ja’ und schließt alle Burschenschaften, Verbindungen, Corps und Turnerschaften vom Markt der Möglichkeiten aus, der Anfang Oktober auf dem Berhold-Beitz-Platz stattfindet. Es handelt sich um eine Veranstaltung für Erstsemester, auf der sich Hochschulgruppen und Vereine präsentieren. In den vergangenen Jahren hatten sich dort auch Verbindungen vorgestellt. Dieses Jahr werden sie ausgeschlossen. Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) musste bereits eingeladene Verbindungen wieder ausladen. Er ist an Stupabeschlüsse gebunden. Das Stupa bestätigte die Entscheidung auf einer Sondersitzung.

Allgemeiner Studierendenausschuss bedauert den Ausschluss

„Wir bedauern diese Entscheidung des Studierendenparlaments zutiefst“, schreiben Asta-Vorsitzender Jörn Rothacher und Veranstaltungsreferent Goswin Schreck in einer Stellungnahme.

Im Auftrag des Asta hatte Josephine Herwaldt vor zwei Monaten begonnen, Kontakt zu Verbindungen aufzubauen und den Markt vorzubereiten. „Mich stört, dass der Beschluss einen Teil der Studierendenschaft ausschließt und sich verallgemeinernd auf alle Verbindungen bezieht“, sagt sie. So würden Burschenschaften mit Verbindungen gleichgesetzt, was durch Vorurteile und fehlende Informationen zustande käme (siehe Infokasten unten). In Greifswald gibt es nach ihren Angaben elf Studentenverbindungen mit 200 Mitgliedern, die Burschenschaften „Rugia“ und „Markomannia“ nicht mitgezählt. Mit diesen hat der Asta keinen Kontakt, unter anderem weil sie nach Ansicht von Stupamitglied Antonio Chaves einen Grundwert der Demokratie – Toleranz – nicht einhalten.

Dass auch alle anderen Verbindungen von „einer konkreten Veranstaltung“ ausgeschlossen werden, erklärt Juso Chaves mit ihrem Ursprung. „Wer sich mit Symbolen der Kaiserzeit ziert, wie es viele Verbindungen tun, zeigt eine politische Haltung, die sich unter anderem gegen das Republikprinzip wendet.“ Zudem würden Verbindungen eine „männliche Elitenbildung“ fördern. Der Ausschluss sei gerechtfertigt. Doch ist der Stupa-Beschluss auch rechtmäßig? „Ein Einschreiten der Rektorin im Rahmen einer Beanstandung des genannten Beschlusses ist nicht erfolgt. Derzeit sieht das Rektorat keinen Anlass eine Beanstandung vorzunehmen“, sagt Uni-Pressesprecher Jan Meßerschmidt.

Verbindungsstudent kann Vorwürfe nicht nachvollziehen

Maximilian Kubalczak findet den Beschluss „verwirrend“ und „die Vorwürfe einzelner Stupamitglieder haltlos.“ Man stehe auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, betont der 23-Jährige von der katholischen Studentenverbindung „Alemannia“. „Leider wurde sich nicht die Mühe gemacht, die Vorwürfe bei einzelnen Vereinen zu überprüfen.“ „Alemannia“ wäre auf dem Markt der Möglichkeiten dabei gewesen. Bis das Stupa seinen Beschluss fasste. Als Reaktion wollte der Asta z.B. alle Vereine ausladen, die nur Frauen oder Männer aufnehmen oder eine politische Orientierung haben: Sportgruppen wie Männerfußballmannschaften und alle Hochschulgruppen wären betroffen. Eine Überspitzung, um dem Stupa seine vermeintlich ungenaue Argumentation vor Augen zu halten. Diese „polemischen Streitigkeiten sollten nicht geführt werden. Ich würde mich deswegen dafür aussprechen, dass der Asta-Vorsitzende zurücktritt“, sagt Antonio Chaves. Der Asta-Vorsitzende Jörn Rothacher war für eine Stellungnahme bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.

Kritik am Stupabeschluss üben auch die Liberalen. „Wir als Liberale Hochschulgruppe der Universität Greifswald sprechen uns deutlich gegen den im Studierendenparlament gestellten Antrag aus, und haben aus diesem Grunde auch geschlossen gegen den Antrag gestimmt“, sagt Stupamitglied Senta Banner. Es brauche nun Aufklärung und Informationsveranstaltungen. Um über die Unterschiede zwischen Verbindungsarten aufzuklären, will Josephine Herwaldt weiter an Infomaterial über Verbindungen arbeiten und damit eine Idee in die Tat umsetzen, für die sich das Stupa 2010 zum ersten mal ausgesprochen hatte. Bis zu der aktuellen Diskussion war dann jedoch lange kaum etwas passiert.

Verbindung, Corps, Turnerschaft: Das sind Unterschiede

Studentenverbindungen im deutschsprachigen Raum sind Zusammenschlüsse von Studierenden und Hochschulabsolventen, die bestimmten Prinzipien folgen. Dazu gehört das Konventprinzip, das heißt auf Versammlungen werden Beschlüsse gefasst. Es gilt das Lebensbundprinzip: Wer eintritt bleibt Mitglied, sofern er nicht austritt oder augeschlossen wird. Im 19. Jahrhundert hat sich eine Vielzahl unterschiedlicher Verbindungen herausgebildet, die Mensuren schlagen (fechten, z. B. Corps, Burschenschaften, Turnerschaften) oder nicht, Farben tragen (Band, Mütze) oder nicht. In der Mehrheit der Verbindungen sind heute nur Männer, es gibt auch (wenige) gemischte und Damenverbindungen. In der Regel sind sie politisch und religiös neutral. Doch gibt es auch katholische Verbindungen wie die Greifswalder „Alemannia“. Das öffentliche Bild prägen vor allem Burschenschaften wie die „Rugia“, denen in der Literatur und Medien eine Nähe zum Rechtsextremismus nachgesagt wird.

Christopher Gottschalk

Der Leiter des Eigenbetriebes „Hansekinder“ übernimmt das Ehrenamt zum 1. Oktober. Die Wahl wurde erforderlich, weil Sandra Schlegel gekündigt hatte, um das Rechtsamt in Leipzig zu übernehmen.

14.09.2018

Kleidung eines Zinnowitzers wurde irrtümlich in ein Pflegeheim gegeben

14.09.2018

Schwedisch ist als Schulfach ja sehr speziell, warum hast du dich dafür entschieden? Ich war nach dem Abitur einige Zeit in Schweden als Au-pair tätig und ...

14.09.2018