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Greifswald Greifswalder Urnen in Holland angespült
Vorpommern Greifswald Greifswalder Urnen in Holland angespült
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17:11 31.12.2018
Greifswalder Urne am Strand von Noordwijk/ Südholand gefunden Quelle: Kustnieuws/MAARTEN VAN DUIJN
Greifswald

Mysteriöser Fund an der Küste der Niederlande. Am 29. Dezember entdeckten Passanten in der Nähe des Ortes Noordwijk drei mit der Asche Verstorbener gefüllte Urnen. Die Urnen stammen augenscheinlich aus dem Krematorium Greifswald, das geht aus Bildmaterial des niederländischen Nachrichtenportals „Kustnieuws“ hervor. Wie die Urnen an die rund 800 Kilometer entfernte Nordseeküste gelangen konnten, ist noch völlig unklar.

Plakette deutet auf Krematorium Greifswald hin

Wie Kustnieuws berichtet, wurde die erste Urne am Strand zwischen Noordwijk und Katwijk von dem 14-jährigen Maarten van Duijn und seinem Vater gefunden. Die beiden engagieren sich für den Schutz von Meeressäugern und waren am frühen Morgen am Strand unterwegs, als sie das ungewöhliche Objekt entdeckten. Zunächst dachten die beiden an ein mögliches Versteck für Drogen, als sich allerdings herausstellte, dass es sich um eine mit Asche gefüllte Urne aus feuerfestem Stein handelte, erschraken sie nicht schlecht. Auf der Urne befindet sich eine Art Siegel des Krematoriums Greifswald, auf der auch Informationen über die Identität des Toten angegeben sind. Aus Respekt vor möglichen Angehörigen verzichten wir auf eine Namensnennung, der 64-jährige Mann unbekannter Herkunft ist am 2. August 2018 verstorben und wurde am 24. August in Greifswald eingeäschert. Auf der Urne befand sich außerdem der Vermerk: Abholung.

Deutsche Urnen an niederländischer Küste angespült – mit der Asche von Verstorbenen. Die Urnen stammen offenbar aus der Hansestadt Greifswald, wie diese Bilder zeigen.

Fischer findet zweite Urne

Doch bei einem Urnenfund sollte es nicht bleiben. Wenig später meldete sich der Fischer Arno Arkesteijn und meldete den Fund einer zweiten Urne, ebenfalls aus dem Krematorium Greifswald. Der in dieser Urne eingeäscherte Mann starb am 3. September 2018 und wurde am 18.September eingeäschert, zusätzlich befand sich der Hinweis „Abholung See“ auf der Urne.

Während der 14-jährige Marten und sein Vater beschlossen, die Urne für Angehörige aufzubewahren, traf Arno Arkesteijn eine andere Entschiedung: Die Asche hat der Fischer ins Meer gestreut. Nachdem auch der Nachrichtensender rtlnieuws.nl über die Funde berichtete, stellte sich heraus, dass es sogar einen dritten Urnenfund in der Region zwischen Noordwijk und Katwijk gab. Die dritte Urne wurde von der Wandererin Elly van den Oever gefunden. Die Frau hat die Urne bei der Polizeiwache Noordwijk abgegeben. Das bestätigte die Polizei in Den Haag auf OZ-Anfrage. „Die Urne wurde bereits von Angehörigen abgeholt“, sagte eine Polizeisprecherin.

Strenge Regeln für den Umgang mit Urnen

Wie es dazu kommen konnte, dass die Urnen an die Nordseeküste kommen konnten, bleibt zunächst völlig offen. In Deutschland gelten strenge Regeln für den Umgang mit den Überresten Verstorbener, mit Ausnahme der Hansestadt Bremen ist es beispielsweise nicht erlaubt, die Urne im Garten beizusetzen oder zuhause aufzubewahren. Aus diesem Grund werden Urnen in der Regel auch nicht an Angehörige ausgehändigt, sondern direkt dem Bestatter übergeben. Möglich ist dann eine Erdbestattung, eine Beisetzung in einem Friedwald oder die Seebestattung bei dafür zugelassenen Bestattungsunternehmen. Im Falle einer Seebestattung wird meistens eine spezielle Urne verwendet, die sich im Wasser auflöst. Denkbar wäre auch ein Verlust der Urne beim Transport: Im Falle, das Urne und Beisetzungsort weit voneinander entfernt liegen, ist auch der Versand der Urne per Versandunternehmen gängige Praxis, obwohl es gegen die Gesetze verstößt.

Staatsanwaltschaft will Vorgänge prüfen

Die Staatsanwaltschaft Stralsund will die rätselhaften Anspülungen der Urnen überprüfen. „Hierbei handelt es sich um einen sehr ungewöhnlichen Fall“, so der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, Sascha Ott. „Wir prüfen jetzt, ob ein Anfangsverdacht einer Straftat vorliegt. Es gibt viele Fragen zu klären.“ Zwar lägen hier wohl keine ungeklärten Todesfälle vor, es könne sich aber um Straftaten wie Diebstahl oder Störung der Totenruhe handeln.

Bestatterfachverband: Informationen kann nur das Krematorium geben

Torsten Lange, Chef des Bestatterfachverbands MV steht ebenfalls vor einem Rätsel. Es sei durchaus möglich, dass die Urnen in der Nordsee bestattet werden sollten. „Es gibt auch Menschen, die sich gerne vor Mallorca bestatten lassen möchten“, so Lange. „Das ist so ungewöhnlich nicht.“ Er könnte sich einen Fehler bei der Befüllung der Urne als mögliche Ursache vorstellen. „Ich erinnere mich, dass es einen Fall gab, bei dem vor einer Seebestattung die falschen Urne befüllt wurde und diese sich dann im Wasser nicht aufgelöst hat“, sagt Lange. „Aber ob das hier auch der Fall war, ist reine Spekulation. Weitere Informationen über den Hergang kann nur das Krematorium Greifswald geben. Dort sind die Bestattungsinstitute registriert, an die die Urnen ausgeliefert wurden.“ Beim Krematorium und der Hansestadt Greifswalds ist allerdings am Silvestertag niemand zu erreichen.

Auch der junge Finder Maarten hat versucht, das Krematorium in Greifswald anzurufen, leider bislang ohne Erfolg. „Im Zusammenhang mit dem Datenschutzgesetz werden sie uns nicht die Daten der überlebenden Angehörigen geben, aber wir haben gefragt, ob das Krematorium sicherstellen kann, dass die Angehörigen selbst Kontakt mit uns aufnehmen“, sagte er Kustnieuws. Wer weitere Hinweise auf mögliche Verwandten der Toten hat, meldet sich bitte per E-mail bei der Ostsee-Zeitung Greifswald: greifswald@ostsee-zeitung.de, wir leiten die Informationen weiter.

Anne Ziebarth

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