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Greifswald Greifswalder Mieter fordert Umbau, Genossenschaft lehnt ab
Vorpommern Greifswald Greifswalder Mieter fordert Umbau, Genossenschaft lehnt ab
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Jan Gloger (53) nutzt einen Elektrorollstuhl, mit dem er jedoch nur schwer durch die Tür seines Wohnhauses in der Rigaer Straße (Ostseeviertel) kommt. Er wünscht sich einen elektrischen Türöffner. Die WGG hält das für zu teuer. Quelle: Christopher Gottschalk
Greifswald

Jan Gloger muss häufig an seinen Vermieter denken. Genau genommen jedesmal, wenn er versucht, seine Wohnung zu verlassen und sich durch die Außentür in einem Neubaublock im Ostseeviertel zu quetschen. Gloger sitzt im elektrischen Rollstuhl, das Prozedere das Haus zu verlassen ist für ihn eine Qual. Er demonstriert den Vorgang. Gloger balanciert für einige Sekunden auf seinen Beinprothesen, greift die Tür und hofft. Hofft, dass der Türstopper einrastet und er durch die Tür fahren kann. „Es funktioniert, aber das ist jedes mal anstrengend“, schildert der 53-jährige Rentner.

Mieter wünscht sich elektrischen Türöffner

Gloger wünscht sich deswegen, dass sein Vermieter einen elektrischen Türöffner einbaut, um ihm und anderen Mitbewohnern mit Rollatoren oder im hohen Alter ein Stück mehr Lebensqualität zu schaffen. Die Wohnungsbaugenossenschaft Greifswald WGG lehnt das aus Kostengründen ab. Sie hätte Gloger stattdessen angeboten, in eine barrierefreie Wohnung im gleichen Preissegment zu ziehen.

„Wir befassen uns damit seit vier Jahren und haben Herrn Gloger mehrfach angeboten, eine barrierefreie Wohnung zu beziehen“, sagt Juliane Boutalha, Pressesprecherin der WGG. Der Vorstand und der Aufsichtsrat hätten Gloger angeschrieben. „Eine neue Wohnung will er jedoch nicht.“ Jan Gloger bestätigt das. Zum einen könne er sich eine höhere Miete mit seiner geringen Erwerbsminderungsrente nicht leisten. Das Umziehen wäre außerdem teuer, er auf Hilfe fürs Tragen und Einrichten angewiesen, die er nur schwer bekomme, unterstreicht Gloger seine Position. Er wohnt seit über zehn Jahren in der Rigaer Straße, musste damals noch keinen Rollstuhl nutzen. Der gelernte Facharbeiter für Eisenbahntransporttechnik kann nur seine rechte Hand benutzen und trägt Beinprothesen.

Umbau zur Barrierefreiheit kostet tausende Euro

Die Lösung des Konflikts scheitert derzeit am Geld: Gloger möchte keine höhere Miete zahlen, während die WGG die Kosten für einen Umbau nicht aufbringen könne. Die WGG müsste, wenn sie umbaut, alle drei Außentüren des Wohnblocks umrüsten, sagt Juliane Boutalha. Rund 24000 Euro würde der Einbau neuer Türöffner insgesamt kosten. Selbst dann wäre das Haus nicht barrierefrei, da noch Zwischentüren zwischen dem Hauseingang und anderen Wohnungen liegen. So eine Summe für einen einzelnen Mieterwunsch in die Hand zu nehmen, widerspreche den Grundsätzen der Genossenschaft, so Boutalha. „Unser Geld gehört der Genossenschaft und wir müssen alle Mieter gleich behandeln“, sagt sie. Keiner der anderen Mieter in Glogers Haus hätte bisher nach einem elektrischen Türöffner gefragt, sodass die WGG davon ausgehe, der Rest der Mietergemeinschaft sei zufrieden.

Wie es anders laufen könnte, zeigt ein Beispiel, das Juliane Boutalha nennt: In einem anderen WGG-Objekt wurde die Anfrage nach einem elektrischen Türöffner erfüllt. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass dort die gesamte Hausgemeinschaft dem Umbau zugestimmt hätte und nun gemeinsam die Kosten trage. „Jeder zahlt jetzt eine höhere monatliche Miete.“ Die WGG erklärt auf OZ-Nachfrage, dass für „Herrn Gloger weiterhin die Möglichkeit besteht in eine barrierefreie Wohnung umzuziehen.“

Mieterverein: Anspruch auf Umbau nur, wenn er erforderlich ist

Dass Mieter grundsätzlich einen Anspruch auf Umbauten haben, die Barrierefreiheit herstellen, bestätigt Dirk Barfknecht, Geschäftsführer des Mietervereins Vorpommern-Greifswald. Allerdings nur dann, wenn die Umbauten erforderlich sind. Im konkreten Fall sei dies stets schwer zu klären, so Barfknecht. Die Umbaukosten müsse der Mieter selbst tragen. „Das kann ich mir nicht leisten“, sagt Jan Gloger, der indes hofft, dass über Fördermittel in Zukunft doch eine barrierefreie Lösung gefunden wird. „Das würde sicher auch die anderen Mietparteien im Haus freuen“, sagt das Mitglied der AG Barrierefreie Stadt und des Ortsrates Ostseeviertel.

Die WGG hält 7.200 Wohnungen von insgesamt rund 33.800 in der Hansestadt. In der Bilanz für das Geschäftsjahr 2017 steht eine Gewinnsumme von rund 310.000 Euro.

Christopher Gottschalk

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