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Greifswald Greifswalder feiert buntes Kulturfest zum 1. Mai
Vorpommern Greifswald Greifswalder feiert buntes Kulturfest zum 1. Mai
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10:36 02.05.2018
Haben jede Menge Spaß beim Kulturfest auf dem Markt (v.l.): Mareike Heinrich, Ayse Harmanci, Paul Schlott, Anne Wolf. Quelle: Degrassi Katharina
Greifswald

Passt ein Kulturfest zum Tag der Arbeit? Die 3000 bis 4000 Besucher an diesem Dienstag auf dem Greifswalder Marktplatz sind wohl Antwort genug. Die Landtagsabgeordnete Mignon Schwenke (Linke) kann sich noch gut an die Jahre erinnern, in denen ihre Partei klassische Veranstaltungen zum 1. Mai mit vielen Reden Am Mühlentor und später am Museumshafen organisiert hat. „Das Häuflein der Aufrechten wurde immer kleiner“, sagt sie. Das dritte Jahr in Folge nun präsentiert sich die Linke beim Kulturfest auf dem Marktplatz und erreicht damit tausende Greifswalder.

Initiativen, Vereine und Musiker locken 3000 bis 4000 Gäste auf den Markt. Das Bündnis „Greifswald für alle“ organisiert zum dritten Mal ein buntes Kulturfest auf dem Markt.

Organisiert wird der Tag vom Bündnis „Greifswald für alle“. Auf der großen Bühne sind regionale Bands zu hören, darunter „PeachNuts“, „Strittmatters“ und die aus Osnabrück stammende „Tommy Schneller Band“. Der Theaterförderverein präsentiert sich mit einem Stand und etliche Initiativen wie Verdi, der Tierschutzbund, Greifswald hilft Geflüchteten, das Netzwerk Migration Integration, der Weltladen, die Bürgerinitiative der Museumshafen bleibt grün, die SPD, die Linke, die Grünen, die FDP und viele mehr.„Das ist ein voller Erfolg. Hier geht es um Toleranz, Verständigung und Integration. Das sind sehr wichtige Themen. Dadurch verlieren wir nicht die Bedeutung des Tages an sich aus den Augen“, sagt Mignon Schwenke.

Auch für Mitorganisatorin Anne Wolf steckt das Thema Arbeiterbewegung mittendrin im Kulturfest. „Zwar gibt es längst den Acht-Stunden-Tag, für den bei der Protestbewegung 1886 ursprünglich gekämpft wurde. Aber es gibt viele Themen, die längst nicht umgesetzt sind, so wie Arbeitsgerechtigkeit oder die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau“, sagt Wolf. Die Idee des Bündnisses ist es, den 1. Mai weiterzudenken und „ein positives Zeichen mit Freude und Gelassenheit zu setzen“, so Wolf weiter.

Sie kann sich noch gut daran erinnern, wie sich das Bündnis „Greifswald für alle“ im Herbst 2015 gegründet hat. Damals formierten sich Proteste gegen die Flüchtlingsströme, in Greifswald etablierte sich ein Ableger der Pegida-Bewegung. „Sie standen damals mit Bannern auf dem Markt ,Widerstand für unser Volk’ und ,Für die Zukunft unserer Kinder’“, blickt Anne Wolf zurück. Dabei sei es nicht um die Zukunft aller Kinder, sondern der deutschen Kinder gegangen. „Wir haben uns damals gefragt, was wir dem entgegensetzen können. Daraus ist die Idee des Kulturfestes entstanden“, so Anne Wolf. Und das war bereits im ersten Jahr ein voller Erfolg.

2016 kamen 1500 Gäste, das Motto lautete „Wir sagen Moin und Merhaba“. Im Vorjahr waren es bereits 4000 Besucher, als es hieß „Für Solidarität und Weltoffenheit“. In diesem Jahr standen „Vielfalt, Solidarität und Gerechtigkeit“ im Mittelpunkt. Gregor Kochhan vom Bündnis ist sicher, dass bei besserem Wetter noch mehr Menschen gekommen wären. „Im Vorjahr sind die Leute länger geblieben“, sagt Kochhan. Nachdem sich die Sonne am Nachmittag verzogen hat, es kalt und windig wurde, hätte es viele nicht all zu lange auf dem Fest gehalten. Von den kalten Temperaturen ließen sich Mareike Heinrich und Paul Schlott jedoch keineswegs die Laune verderben, sondern sie tanzten zu Musik von „Pete & Kloppenburg“, „Boogie Trap“, der „Miller Family“ und „Peach Nuts“.

Trotz aller Party gibt es auch ernste Worte. Dirk Barfknecht, Geschäftsführer des Mieterbundes, sagt während seiner Rede auf der Bühne: „Den Ausspruch, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, empfinde ich genauso albern als ob man sagen würde, der Katholizismus gehöre nicht zu Vorpommern. Auf den Gedanken könnte man ja kommen, bloß weil die Atheisten hier die Mehrheit bilden.“ Er setzt auf Integration statt auf Abschottung.

Dass es in Sachen Akzeptanz noch einiges zu tun gibt, stellen Sebastian Dahm und Thomas Jager vom Aktionsbündnis Queer klar. Hinter der Initiative verbirgt sich eine Beratungsstelle für sexuelle Orientierung. Übrigens die einzige in Vorpommern. „Wer Probleme mit dem Coming out hat oder damit, seine sexuelle Identität zu finden, ist bei uns richtig“, sagt Sebastian Dahm. „Homosexualität gehört noch nicht zur Normalität“, sagt Thomas Jager. Es könne durchaus vorkommen, dass getuschelt wird, wenn er Hand in Hand mit seinem Freund unterwegs ist.

Degrassi Katharina

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