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Greifswald Greifswalder liefern Module für Mega-Kreuzfahrtschiff
Vorpommern Greifswald Greifswalder liefern Module für Mega-Kreuzfahrtschiff
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00:00 12.09.2018
Spezialtransporter brachten die bis zu 18,9 Tonnen schweren Module zur Montage nach Rostock. Quelle: Foto: Eag
Greifswald

In Rostock wurde gestern das größte Kreuzfahrtschiff der Welt auf Kiel gelegt – und mit an Bord kommen Maschinen aus Greifswald. „Wir haben drei Module für den Maschinenraum des Kreuzfahrtschiffes geliefert“, sagt Michael Lüdeke, Geschäftsführer des Unternehmens Energieanlagen Greifswald (EAG) mit Sitz am Eckhardsberg. „Es handelt sich dabei um die Brauchwasserpumpe, die Motoröl- und Brauchwasserkühlung.“ Mit dem Maschinenraum statten die Greifswalder das wichtige Herzstück des Ozeanriesen aus, der bis zu 9500 Passagiere transportieren soll. Der Auftrag der MV Werften, die das Kreuzfahrtschiff für die asiatische Reederei Dream Cruises bauen, habe ein Volumen von knapp einer Million Euro. „Und das ist erst der Anfang“, betont Lüdeke. „Für einen ähnlichen Auftrag im nächsten Jahr haben wir bereits den Zuschlag bekommen, für weitere zwei Aufträge haben wir die Option.“

Gut, dass die MV Werften auf regionale Zulieferer setzen.Michael Lüdeke, Geschäftsführer EAG

Made in HGW

Drei Module für den Maschinenraum des Kreuzfahrtschiffes der Global Class kommen aus Greifswald. Der

Auftragswert beträgt knapp 1 Million Euro, rund 5000 Arbeitsstunden wurden für die

Fertigung benötigt. Weitere drei Module werden im kommenden Jahr gefertigt.

Gute Nachrichten also für das Unternehmen, das zu großen Teilen aus dem insolventen Anlagen- und Kraftwerkrohrleitungsbau (AKB) hervorgegangen ist. AKB hatte für mehrere seiner Gesellschaften 2016 Insolvenz anmelden müssen, als Verwalter fungierten die Greifswalder Anwälte Heiko Jaap und Jörg Sievers. „Wir haben das Unternehmen so lange weiterführen können, bis Käufer für das Unternehmen gefunden werden konnten“, verdeutlicht Jaap. „Das hatte den Vorteil, dass alle Mitarbeiter übernommen werden konnten und nicht in die Arbeitslosigkeit entlassen werden mussten.“

Den Zuschlag für Gebäude, Lagerbestände und Hardware von AKB erhielt das 2017 neugegründete Unternehmen EAG. Als Geschäftsführer wurde wiederum Michael Lüdeke bestellt, allerdings sei die Gesellschafterzusammensetzung eine andere, sagt Rechtsanwalt Jaap. „Für die Insolvenz von AKB waren damals vor allem drei unvorhersehbare Entwicklungen ausschlaggebend“, blickt Lüdeke zurück. „Der angekündigte Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie hat für uns zu einem Wegbrechen der Aufträge auf dem Gebiet von Wartung und Umbau der Kraftwerke geführt“, sagt Lüdeke. „Zum anderen hat uns das verhängte Handelsembargo mit Russland schwer getroffen. Unsere Umsätze von zehn Millionen Euro in Russland sind auf 50000 Euro zurückgegangen.“

Auch die Übernahme der Werften in Wismar und Warnemünde (2009) sowie Stralsund (2014) durch den Investor Witali Jussufow habe wirtschaftliche Nachteile für AKB gehabt. Aufträge seien nicht mehr in die Region vermittelt worden, beklagt Lüdeke. Diese Zeiten seien jetzt aber ganz offensichtlich vorbei, hofft der Geschäftsführer. „Es ist gut, dass der Genting Konzern, der hinter den MV Werften steht, auf regionale Zulieferer mit Erfahrung im Schiffbau setzt“, meint Lüdeke. „Dadurch können hier Arbeitsplätze gesichert und geschaffen werden. Auch wir haben ja Materialien und Dienstleistungen aus dem Land bezogen, etwa von Cziotec oder dem Hallenbau Wusterhusen.“ Derzeit sucht EAG (die Firma hat nach eigenen Angaben 125 Mitarbeiter, davon 25 Festangestellte), nach weiteren Fachkräften. „Die Auftragsbücher für die kommenden Jahre sind gut gefüllt“, betont Lüdeke. „Wir suchen noch Projektleiter, aber auch Schweißer oder Vorrichter für Montagearbeiten in Deutschland.“

Die Aufträge der MV Werften sind aber nur ein Standbein, auf das die EAG setzt. „Die Aufträge der Werften machen etwa 20 Prozent aus, wir fertigen zum Beispiel noch komplette Blockheizkraftwerke und sind am Rückbau von Kernkraftwerken beteiligt.“ Der erste Auftrag der MV Werften sei in jedem Fall aber ein besonderer gewesen. „Die Maße machen einen herkömmlichen Transport unmöglich“, so Lüdeke.

„Das schwerste Modul wiegt allein 18,9 Tonnen. Die Höhe auf dem Anhänger erreichte knapp 5 Meter, da kommt man nicht unter allen Brücken durch.“ In der Nacht auf den 4. September erreichte die kostbare Fracht aber sicher das Ziel. Unter den Herstellern der 43 ausgeschriebenen Module dieses Schiffsbereiches waren die Greifswalder die ersten, die geliefert haben.

Anne Ziebarth

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