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Greifswalder wegen Totschlags angeklagt

Greifswald/Stralsund Greifswalder wegen Totschlags angeklagt

42-Jähriger soll mit dem Messer auf die Freundin eingestochen haben / Seit gestern Prozess vor dem Landgericht

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Sven P. (42) ist wegen Totschlags angeklagt.

Quelle: Cornelia Meerkatz

Greifswald/Stralsund. Wegen einer tödlichen Messerattacke muss sich seit gestern der 42-jährige Sven P. aus Greifswald vor dem Landgericht Stralsund verantworten. Der Mann soll am 19. November vergangenen Jahres in der Wohnung seiner verstorbenen Mutter in der Stilower Wende seine 36-jährige Lebensgefährtin nach einem Streit gewürgt und mit 23 Messerstichen getötet haben (die OZ berichtete). Zur Tatzeit habe er unter erheblicher Alkoholeinwirkung gestanden, sagte Staatsanwalt Christoph Schäfer.

Alkoholkonsum gibt keinem Menschen das Recht, einem anderen so weh zu tun, dass er daran stirbt.“Der Angeklagte Sven P. bot der Schwester der Getöteten eine Entschuldigung an — sie lehnte ab

Eine Messung knapp zwei Stunden nach der Tat habe bei dem Mann 2,6 Promille ergeben. Die Fähigkeit, seine Tat einzusehen und zu bewerten, sei dadurch laut Schäfer stark eingeschränkt gewesen. Die Staatsanwaltschaft plädiert wegen verminderter Schuldfähigkeit daher auf Totschlag. Der Mann ist bereits wegen anderer Delikte mehrfach vorbestraft.

Der Angeklagte legte gestern kurz nach Prozessauftakt ein Teilgeständnis ab: Er räumte ein, dass er sich nach erheblichem Alkoholkonsum mit seiner Lebengefährtin gestritten habe, da diese eifersüchtig gewesen sei. An die Messerstiche selbst könne er sich überhaupt nicht erinnern. Der Schwester der Toten, die im Prozess als Nebenklägerin auftritt, bot er eine Entschuldigung an. „Auch erheblicher Alkoholkonsum gibt keinem Menschen das Recht, einem anderen so weh zu tun, dass er daran stirbt“, sagte er. Die Schwester lehnte die Entschuldigung ab.

Auslöser des Streits zwischen dem Paar soll ein Handyfoto der Ex-Frau des Angeklagten gewesen sein. Die Getötete hatte gefordert, es zu löschen. Dann sei es zu Handgreiflichkeiten gekommen. Der Angeklagte und seine Lebensgefährtin hatten den Tag über gemeinsam Alkohol getrunken. Sven P. hatte damit nach eigenen Angaben wegen Entzugserscheinungen bereits morgens 8 Uhr mit einem Bier begonnen. Nach der Tat, so erläuterte Kai Klingmüller als Vorsitzender Richter des Landgerichts, habe Sven P. den Notruf der Polizei gewählt. Dem Polizisten am Telefon habe er gesagt, dass was Böses passiert sei. Auf die Frage, was das sei, habe er geantwortet: „Ich habe ihr ein Messer reingerammt.“ Bei der Messerattacke habe er laut Staatsanwaltschaft den Herzbeutel, die Lunge und eine Rippe seiner Freundin durchtrennt. Außerdem habe er ihr durch das Würgen das Zungenbein gebrochen. Die Frau starb wegen des großen Blutverlusts.

Nachbarn aus dem Haus in der Stilower Wende sagten gestern vor Gericht als Zeugen aus. Sie bestätigten, dass am Tattag in der Wohnung der Mutter von Sven P. Alkohol getrunken worden sei und es Krach gegeben habe. Der Angeklagte habe spätabends an mehreren Wohnungstüren geklingelt und wenig verständliches Zeug gesagt, darunter etwas vom Beklaut-worden-sein durch die Freundin. Richtig gekannt habe ihn aber niemand, nur auf der Treppe sei er manchmal jemandem begegnet. Auf sein Klingeln sei ihm zudem mehrfach gar nicht geöffnet worden, oder man habe die Tür gleich wieder geschlossen.

Kennengelernt hatte sich das Paar im Mai 2015 bei einer Entziehungskur in einer Greifswalder Einrichtung. Sie wisse, dass die Getötete nicht das Leben geführt habe, das sich alle vorstellen, sagte ihre Schwester. Aber einer müsse jetzt für sie kämpfen, begründete sie die Nebenklage. Die Getötete hinterlässt zwei Kinder im Alter von 8 und 10 Jahren. Die Kinder leben bei ihrem leiblichen Vater.

Das Verfahren soll am 12. April mit gerichtsmedizinischen Gutachten fortgesetzt werden.

Von Cornelia Meerkatz und Martina Rathke

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