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Greifswald Kleingärtner: Bleibt uns weg mit der Müllabfuhr!
Vorpommern Greifswald Kleingärtner: Bleibt uns weg mit der Müllabfuhr!
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15:56 07.11.2018
Der Vorsitzende des Kleingartenvereins "An der Mühle", Steve Ruszkowski mit Renate und Peter Krämer. Die Krämers haben hier seit 1975 einen Kleingarten. Quelle: Anne Ziebarth
Greifswald

Sollen Greifswalds Kleingärtner künftig ihren Müll über die Müllabfuhr entsorgen müssen? In der aktuellen Abfallsatzung des Landkreises steht ein klares „Ja“, die Greifswalder CDU setzt dem ein klares „Nein“ entgegen. „Die Kleingärtner sind in den vergangenen Jahren bereits durch den erforderlichen Einbau von Klärgruben finanziell stark belastet worden“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Axel Hochschild. „Lassen wir doch die Kleingärtner mit dieser unsinnigen Müllentsorgung in Frieden.“ Dafür will die Fraktion einen Beschlussvorschlag in die Bürgerschaft einbringen, der sicherstellen soll, dass die Stadt keine Aufforderung an den Landkreis stellt, die Greifswalder Kleingärten anzuschließen.

Kleingärtner wollen keine Mülltonnen

Die Kleingärtner wehren sich vehement gegen einen Zwangsanschluss. Nicht nur die ungewisse finanzielle Zusatzbelastung wäre ein Thema, auch ganz praktische Gründe sprächen dagegen. „Das wäre organisatorisch kaum umsetzbar“, beschreibt die Vorsitzende des Kreisverbandes der Kleingärtner, Kathrin Buchholz. „Die Müllfahrzeuge passen gar nicht durch die schmalen Wege der Anlagen. Außerdem würden sie vermutlich die Hauptwasserleitungen beschädigen, die in vielen Anlagen dicht unterhalb der Oberfläche der Wege verlaufen.“ Es würden viele Fragen offenbleiben. „Wer soll denn die Mülltonnen raus stellen und wohin?“, so Buchholz. „Die Tonnen befinden sich ja auf der gesamten Anlage verteilt, dazu auch noch in abgeschlossenen Gärten. Außerdem werden die Gärten ja nur im Sommer genutzt. Was soll im Winter mit der Müllabfuhr passieren?“

Entscheidung liegt beim Landkreis

Dabei ist nach Aussage von Kreistagsmitglied Birgit Socher (Linke) die Bürgerschaft für eine Entscheidung, was die Anschlusszwang der Kleingärten angeht, die falsche Adresse. „Der Landkreis ist für die Entsorgung zuständig“, betonte sie auf der Sitzung der Ortsteilvertretung Eldena. „Und in der Abfallentsorgungssatzung des Kreises, die seit 2017 gilt, steht ganz klar, dass ein Anschlusszwang für Kleingärten besteht.“ Die Diskussion sei also eine Sache des Kreistags und nicht der Stadt. „Wir wollen die Stadt aber nicht belehren. Warten wir ab.“ Kreistagsmitglied Axel Hochschild peilt langfristig auch eine Änderung der Abfallsatzung im Kreis an. „Bei der Verabschiedung der Abfallwirtschaftssatzung ist dieser Punkt offensichtlich nicht aufgefallen. Sonst hätte es sicherlich Protest gegeben.“ Die Grünen kritisieren das Vorgehen der CDU. „Das Thema gehört in den Kreistag und nicht in die Bürgerschaft“, so Fraktionschef Alexander Krüger. „So machen wir die Arbeit doppelt.“ Prinzipiell müsste man das Thema prüfen und auf Kreisebene angehen. Wichtig sei es für seine Fraktion, die Kleingärtner in die Entscheidung mit einzubeziehen. „Es ist ja auch vorstellbar, dass sich ein Verein eine Tonne teilt und die Kosten auf alle umgelegt werden“, so Krüger. „Der Abfall darf nur nicht in öffentlichen Mülleimern landen.“

Bislang nehmen Kleingärtner ihren Abfall mit

Derzeit ist die gängige Praxis in den rund 40 Kleingärtenvereinen der Hansestadt, dass die Gärtner ihre Abfälle wieder mitnehmen und am Wohnort entsorgen. „Mein Mann Peter und ich sind seit 44 Jahren Kleingärtner“, beschreibt Renate Krämer von der Kleingartenanlage „An der Mühle e.V.“ in Eldena. „Aber einen Müllcontainer haben wir noch nie gebraucht. Den Grünschnitt können wir bei den Recyclinghöfen entsorgen, den Restmüll nehmen wir mit nach Hause.“ Auch die räumliche Situation der Kleingartenanlage An der Mühle sei für eine Müllabfuhr nicht geeignet. „Der Hauptweg ist schmal und von Hecken begrenzt“, erläutert der Vorsitzende des Vereins, Steve Ruszkowski. „Mülltonnen können dort nicht rausgestellt werden. Dann kommen weder Fahrzeuge noch die Spaziergänger durch, die diesen Weg gerne nutzen.“ Die Kosten könnten im Vergleich zu den bislang fälligen rund 100 Euro für einen durchschnittlichen Kleingarten beträchtlich sein. In der Abfallgebührenordnung wird die kleinste Tonne (60 Liter) mit 110,52 Euro im Jahr aufgeführt, im Falle einer Mindernutzung sind aber auch geringere Kosten von 48,96 Euro im Jahr möglich.

Kleingarten-Pacht bleibt vorerst konstant

Um ein anderes Thema – die Erhöhung der Pacht – müssen sich die Greifswalder Kleingärtner zunächst aber keine Sorgen machen. Um die Situation der Kleingärtner in Greifswald neu zu bewerten, wird derzeit von der Verwaltung eine Kleingartenkonzeption erstellt. „Es gibt ja einen gültigen Beschluss zum Thema, der die Pacht regelt. Ich weiß aus der Verwaltung, dass aufgrund der schlechten Personalsituation noch nicht mit der geplanten Kleingartenkonzeption begonnen wurde“, so Birgit Socher. „Solange diese nicht steht, wird es in keinem Fall eine Neuregelung der Pachtgebühren geben.“ Auch in der Angelegenheit des Anschlusszwangs werde nichts an der Bürgerschaft vorbei entschieden , beruhigt Greifswalds Pressesprecherin Andrea Reimann. „Die Stadtverwaltung macht ihr Vorgehen hinsichtlich des Anschlusses der Kleingartensparten an die öffentliche Abfallentsorgung von einem möglichen neuen Votum der Bürgerschaft im Dezember abhängig“, teilte sie mit. „Bis zu dieser Entscheidung wird die Stadtverwaltung die Umsetzung nicht aktiv betreiben.“

Anne Ziebarth

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