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Greifswald Große Germanensiedlung ausgegraben
Vorpommern Greifswald Große Germanensiedlung ausgegraben
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00:00 06.07.2016
Ein schön verziertes Gewicht, das beim Weben verwendet wurde.

Vor 2000 Jahren bestand eine große Siedlung an der Anklamer Landstraße. Die hier lebenden Bewohner produzierten Eisen. Als beeindruckende Zeugnisse blieben Brunnen aus Eichenholz bis heute im Boden erhalten.

Vor 2000 Jahren wurde an der Schönwalder Landstraße Eisen gewonnen / Super erhaltene Brunnen entdeckt

„Normal sind für eine Siedlung der römischen Kaiserzeit etwa 50 bis 100 Bewohner“, erläutert der Archäologe Dirk Röttinger. „An der heutigen Anklamer Landstraße müssen es deutlich mehr gewesen sein“

Röttinger leitet die laufenden Ausgrabungen auf dem drei Hektar großen Gelände neben dem Elisenpark im Auftrag des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege. Der Begriff römische Kaiserzeit ist etwas irreführend. Denn bis nach Pommern sind die römischen Legionäre nicht vorgedrungen. „Aber im Römischen Reich gefertigte Waren sind über den Handel auch zu uns gekommen“, betont Röttinger. Den Menschen des ersten Jahrhunderts bot das Land am Meer günstige Lebensbedingungen. Das Klima war angenehm, sogar wärmer als heute, erinnert Röttinger. Im zweiten Jahrhundert wurde es wieder kälter, die Siedlung nahe dem damals noch nicht existierenden Greifswald wurde spätestens dann aufgegeben.

Schon vor Beginn der bis zum 20. Juli laufenden Ausgrabungen war bekannt, dass zwischen Greifswald und Diedrichshagen im ersten Jahrhundert Menschen lebten. „Ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger haben bereits in der DDR-Zeit auf der Oberfläche Keramik und Schlacke aus dieser Zeit gefunden“, erläutert Röttinger. „Außerdem gibt es Nachweise durch Funde beim Bau der Greifswalder Umgehungsstraße und der Gaspipeline nach 1990. Das Gebiet muss sehr dicht besiedelt gewesen sein.“ Auch ein größerer Friedhof der Germanen sei durch sogenannte Lesefunde bekannt.

Geradezu sensationell gut erhalten blieb an der Anklamer Landstraße ein Teil der Holzbrunnen. Insgesamt wurden zwölf bis 14 dieser Bauwerke entdeckt. Das Fälldatum der Eichen soll noch mit Hilfe der Dendrochronologie (Jahresringzählung) exakt bestimmt werden. Das gefundene Holz wird künftig in Schwerin aufbewahrt. „Wir haben auch schon zig Kilogramm Keramik gefunden“, berichtet Röttinger. „Zu den 2000 Jahre alten organischen Resten gehören Mistkäferpanzer, Haselnussschalen und Kerne von Wildkirschen.“ Das Skelett eines kleinen Lamms könnte auf rituelle Handlungen hinweisen, meint der Archäologe. Vielleicht wollten die Germanen die Götter der Unterwelt wegen des Eingriffs in den Boden mit einem Tieropfer besänftigen oder um Wasser für die Brunnen bitten.

Der Eingriff in den Boden war nötig, um Raseneisenerz zu fördern. Der Name kommt daher, dass das eisenoxidhaltige Erz unter der Grasnarbe lag, also leicht zugänglich war. Auch die Gründung des Torgelower Hüttenwerks 1753 durch den Preußenkönig Friedrich II. ist auf Raseneisenerzfunde zurückzuführen und steht am Beginn der bis heute andauernden Gießereitradition. Der zweite Rohstoff für die Eisenproduktion, das Holz zur Herstellung von Holzkohle, lieferten die Wälder. Die Germanen des ersten Jahrhunderts waren aber noch nicht so produktiv wie die Torgelower zur Zeit des Alten Fritz. Sie brauchten große Mengen Holzkohle, um ein paar Kilogramm Metall in ihren Schmelzöfen zu gewinnen. Zu den schönsten Funden der Ausgrabungen an der Schönwalder Landstraße gehören übrigens Teile eines zugehörigen Ofens.

2000 Jahre alte Eisengegenstände hat das Team bisher nicht gefunden. Röttinger führt das darauf zurück, dass das Eisen sehr wertvoll war und darum in unterschiedlichen Formen immer weiter genutzt wurde. Zu den geborgenen Metallgegenständen gehört eine Gewandspange aus Bronze. Gefundene Knochen von Schweinen und vereinzelt Pferden weisen auf die Haltung von Haustieren hin.

Fachmarktzentrum mit Möbelhaus

An der Anklamer Landstraße will die in Berlin ansässige Firma Kriegerbau ein Möbelhaus errichten. Bis 2003 standen dort noch Gewächshäuser.

„Wir unterstützen die Ausgrabungen, indem wir sie finanzieren“, betont Heiko Hemmerling von der Krieger Projektentwickler GmbH. „Schließlich wollen wir in Greifswald bauen.“

Entstehen soll ein Sconto-Möbelhaus mit einem mittel- und hochpreisigen Segment. 8000 Quadratmeter Verkaufsfläche plus Lager mit etwa 5000 Quadratmeter sind laut den gültigen Beschlüssen der Bürgerschaft zum Bebauungsplan 109 „Fachmarktzentrum Anklamer Landstraße“ möglich. Ferner sind die Errichtung eines Gartencenters mit einer Verkaufsfläche von etwa 8300 Quadratmetern und ein Fachmarkt für Handel und Dienstleistungen mit einer Verkaufsfläche von etwa 4900 Quadratmetern, beispielsweise Auto- und Motorradzubehör, Reifen und Montage, Motorradbekleidung, Büroausstattung, Werkzeuge, Eisenwaren, Tierfutter sowie ein Fitnesscenter zulässig.

Die Krieger Projektentwickler GmbH und Kriegerbau sind Teil eines Konzerns, zu dem die Möbelhäuser Höffner, Möbel-Kraft sowie die Sconto-Möbelmärkte gehören.

Eckhard Oberdörfer

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