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Greifswald Gützkower Schulweg als Risikozone
Vorpommern Greifswald Gützkower Schulweg als Risikozone
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00:23 18.05.2018
Unbekümmert radeln die Schüler neben der Absperrung auf der Fahrbahn zur Schule. Quelle: Foto: Petra Hase

Morgens halb acht in Gützkow: Fast im Minutentakt passieren Busse die Ortsdurchfahrt, um Kinder aus dem Umland zur Peenetalschule zu fahren. Ein verkehrsreicher Alltag, der für Schüler des Schlossgymnasiums seit Wochen zur Risikozone wird. Denn gegenüber der Alten Post auf Höhe des baufälligen Gebäudes, Pommersche Straße 1, ist der Gehweg gesperrt. Anstatt dem Schild zu folgen und die Straßenseite zu wechseln, laufen die Schüler – teilweise mit dem Handy beschäftigt – unbekümmert neben der Absperrung auf der Fahrbahn, nur einen Windzug von Bussen und Autos entfernt. Einige fahren dort auch Rad – entgegen der eigentlichen Fahrtrichtung.

„Das geht gar nicht. Wahrscheinlich muss erst etwas Schlimmes passieren, bevor die Behörden aufwachen und eine Lösung für das Problem finden“, sagt Stadtvertreter Lars Wilhelm (Bürger für MV). „Fast wäre neulich schon ein Kind verunglückt“, weiß der Gützkower, selbst Vater von zwei Kindern, die das Schlossgymnasium besuchen. Seit Wochen ärgere er sich darüber, dass sich Stadt und Ämter über die Zuständigkeiten streiten anstatt zu handeln. Dabei wäre es so einfach: „Entweder sichert man das Haus so, dass nichts mehr herunterfällt und sich die Gehwegabsperrung erübrigt oder man errichtet einen Fußgängertunnel, sodass die Kinder wieder den Gehweg nutzen können“, sagt er. Eine dritte Variante wäre, auf der Fahrbahn per Absperrung einen sicheren Gehweg neu anzulegen.

Letztere Variante präferierten auch das Bauamt und das Straßenverkehrsamt des Kreises und legten der Amtsverwaltung nahe, diese Lösung zu veranlassen. „Dieser Empfehlung ist die Amtsverwaltung womöglich aus Kostengründen nicht gefolgt“, so Kreissprecher Achim Froitzheim. Deshalb werde der Kreis erneut das Gespräch suchen. Bürgermeisterin Jutta Dinse (parteilos) stellt klar: „Ich bin in Widerspruch gegangen, weil völlig unklar ist, wer das bezahlt“, sagt sie und beziffert die Kosten mit monatlich 600 Euro. Sie sehe nicht ein, dass die Stadt immer wieder für private Eigentümer Sicherheitsleistungen finanziere oder vorschießen müsse. „Dafür gibt es mittlerweile mehrere Beispiele“, so Dinse, „so auch das einsturzgefährdete Gebäude, Pommersche Straße 36“. Deshalb sei es notwendig, dass der Landkreis sich grundsätzlich zu diesem Thema äußere. Ein Vor-Ort-Termin mit Kreismitarbeitern und Eigentümer am 25. Mai soll das Problem nun klären helfen.

Hauseigentümer Thorsten Hannusch blickt diesem Gespräch gespannt entgegen. Denn er sieht sich nicht in der Pflicht: „Ich habe bereits die Anordnung der Bauordnungsbehörde befolgt und den Gehweg absperren lassen. Die Kosten trage ich selbst“, sagt er auf OZ-Nachfrage. Nach seiner Auffassung sei die Absperrung mittlerweile auch hinfällig, „denn es fallen keine Bauteile mehr herunter“. Sollte er zu weiteren Maßnahmen und somit Kosten gezwungen werden, „werde ich rechtliche Schritte einleiten“, sagt Hannusch.

Sein Ziel ist es, das denkmalgeschützte Gebäude, Pommersche Straße 1, von der Denkmalliste des Landes entfernen zu lassen, um das Haus abzureißen. Dazu sei er mit dem Denkmalschutz im Gespräch. Das Gebäude sei so baufällig, „dass eine Sanierung einfach zu teuer wird. Die erforderlichen Mieten kann ich in Gützkow nicht erzielen“, sagt er. Ursprünglich plante Hannusch in dem Objekt betreutes Wohnen. Doch die Pläne hätten sich zerschlagen. Jetzt gehe es nur um Abriss, damit erst einmal der Schandfleck verschwinde.

Lars Wilhelm kann nicht nachvollziehen, warum sich mehrere Kreisbehörden, das Amt Züssow und die Stadt streiten, statt erst einmal für die Sicherheit der Kinder zu sorgen. „Die Diskussion geht offenbar noch zwei Wochen weiter. Dabei könnte der Kreis eine Maßnahme anordnen und die Stadt könnte das danach gerichtlich klären“, findet er. Das kleine Schild an der Absperrung mit der Aufforderung, die Straßenseite zu wechseln, ist für ihn keine Lösung: „Tun die Kinder es, müssen sie zweimal im Kurvenbereich die Fahrbahn queren. Von Sicherheit keine Spur.“

Petra Hase

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