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Laut Dekan Joachim Lege hat die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät keine Kapazität für mehr Angebote

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Ich sehe insgesamt mehr Nachteile durch den Umzug.“Joachim Lege, Dekan

I Greifswald Joachim Lege (58) ist seit 2003 Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Verfassungsgeschichte, Rechts- und Staatsphilosophie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät hat den Professor 2016 für eine zweijährige Amtszeit zum Dekan gewählt.

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Laut Dekan Joachim Lege hat die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät keine Kapazität für mehr Angebote

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Ihre Fakultät ist bundesweit die kleinste, Greifswald von den Zentren weit entfernt. Werden die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler überhaupt wahrgenommen?

Joachim Lege: Ich denke, wir müssen uns keineswegs verstecken. Greifswald hat einen guten Ruf. Allerdings ist es schwer, mit nur 14 juristischen Lehrstühlen das gesamte Pflichtprogramm des Staatsexamensstudiengangs abzudecken. Und die Ökonomen sind mit 12 Lehrstühlen an der Untergrenze der Funktionsfähigkeit.

Welche Professuren wären denn noch notwendig?

Lege: Das zu entscheiden, ist Sache der Fakultät. Ich persönlich würde mir eine Stärkung der sogenannten Grundlagenfächer, also Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie und Rechtssoziologie, wünschen.

In der Zielvereinbarung mit dem Land von 2016 bis 2020 ist davon nicht die Rede. Sind Sie trotzdem zufrieden?

Lege: Zielvereinbarungen sehe ich durchaus kritisch. Immerhin können sie eine gewisse Planungssicherheit geben. Letztlich kommt es darauf an, dass Wissenschaftler möglichst ungestört „Forschung und Lehre“ betreiben können – und zwar in genau dieser Einheit. Wissenschaft an der Universität ist eben keine Berufsausbildung – dafür sind die Fachhochschulen da. An der Universität müssen die Studenten vielmehr von Anfang an in Forschung, das heißt die Suche nach neuer Erkenntnis, eingebunden werden. Damit wird zugleich gewährleistet, dass die Forschung nicht in Elfenbeintürme abwandert, sondern ständig an die Gesamtgesellschaft rückgekoppelt bleibt.

Mit dem Diplomkaufmann hält die Fakultät an einem Abschluss aus der Zeit vor der Bolognareform mit den Bachelor- und Masterabschlüssen fest.

Lege: Ich halte das für sehr richtig. Der Diplomkaufmann ist ein Alleinstellungsmerkmal von hoher Qualität. Das ist attraktiv für Bewerber aus dem gesamten Bundesgebiet.

Planen Sie neue Studiengänge, die Beteiligung an einem Lehramtsstudiengang Sozialkunde war ja im Gespräch?

Lege: Nein, für die Beteiligung an weiteren Studiengängen fehlt uns die Kapazität.

Die Fakultät ist immer wieder in der Kritik, weil es nur eine Professorin gibt. Müsste sich das nicht ändern?

Lege: Wir hatten bisher keine Möglichkeit, weitere Frauen zu berufen, weil vier männliche Rechtswissenschaftler von Rostock nach Greifswald versetzt wurden. Und bei der letzten Neubesetzung lehnte eine Kollegin den Ruf nach Greifswald ab.

Einer der Ex-Rostocker ist der Arbeitsrechtler Ralph Weber, der wegen der Promotion eines Neonazis für negative Schlagzeilen sorgte. Plant die Fakultät eine Veränderung der Promotionsordnung, damit sich das nicht wiederholt?

Lege: Es ist überhaupt nicht erwiesen, dass der Promovierte immer noch ein Neonazi ist – vor 14 Jahren war er es. Im Übrigen: Wenn schon, dann müssten sämtliche Promotionsordnungen geändert werden. Neonazis können auch in Physik promovieren.

Die Rechtswissenschaftler werden noch vor 2020 in ein saniertes Haus in der Loefflerstraße umziehen. Freuen Sie sich schon?

Lege: Ich fühle mich in der Domstraße sehr wohl und würde gern weiter den Blick auf die Nikolaikirche genießen. Da unsere Bibliothek an den Beitzplatz verlegt wurde, sehe ich insgesamt mehr Nachteile als Vorteile durch den Umzug.

Als Rechtsprofessor haben Sie auch die Rechtsprechung und die Rolle der Justiz in der Gesellschaft im Blick.

Lege: Ja, darum finde ich es für den Rechtsstaat höchst bedrohlich, dass die kleinen Amtsgerichte in MV aufgelöst wurden. Auch bin ich besorgt, was die Rolle des Rechts in der Gesellschaft betrifft. Recht wird nur noch als Instrument betrachtet, es fehlt der Respekt vor seinem Eigenwert.

Es heißt, dass Sie so manche Entscheidung der deutschen Obergerichte kritisch sehen.

Lege: Nun ja, das ist eine Professorenkrankheit. Allerdings sind höchstrichterliche Entscheidungen, und das ist bedenklich, oft nur noch schwer vorhersehbar. Außerdem liegen die Begründungen manchmal neben der Sache. Beispiel: Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs zum Urheberrecht darf jedermann in Bibliotheken an elektronischen Leseplätzen ganze Bücher per USB-Stick herunterladen. Dass dies auf europäisches Recht gestützt wird, ist einfach falsch.

Wie haben Sie denn die Debatte um Jan Böhmermann und sein Schmähgedicht erlebt?

Lege: Das ist ein Beispiel dafür, dass das Recht oft als Instrument angesehen wird: Wenn es einem tagespolitisch gerade einmal nicht passt, muss es sofort geändert werden. Zudem geht es bei dem Paragraphen, auf den sich Herr Erdogan beruft, weniger um Ehrenschutz als um den Schutz der auswärtigen Beziehungen.

Nterview von Eckhard Oberdörfer

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