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Hannas Traum von den Paralympics

Greifswald Hannas Traum von den Paralympics

Behindertensportlerin der HSG braucht dafür mehr Wettkämpfe – und einen Kleinbus

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Hanna Wichmann ist eine Frohnatur. Die 20-Jährige, hier bei der Arbeit in der Greifenwerkstatt, lacht oft und gern.

Greifswald. Hanna Wichmann will den Namen ihrer Wahlheimat Greifswald so bekannt machen, dass bald alle Welt darüber spricht. Das hat sie sich ganz fest vorgenommen. Für das große Ziel nimmt sie allwöchentlich eine ganze Menge Strapazen auf sich. Aber sie lässt nicht locker und glaubt daran. . . Denn Hannas großer Wunsch ist die Teilnahme an den nächsten Paralympics 2020 in Tokio.

 

OZ-Bild

Die Kraft fürs Kugelstoßen kommt bei der jungen Frau direkt aus dem Arm. Dazu ist sie auf einem Wurfstuhl festgeschnallt. FOTOS: PETER BINDER

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Dieses Mädchen wird bei den nächsten Paralympics dabei sein.“Peer Kopelmann, Trainer der HSG

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Die Kraft fürs Kugelstoßen kommt bei der jungen Frau direkt aus dem Arm. Dazu ist sie auf einem Wurfstuhl festgeschnallt. FOTOS: PETER BINDER

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Dieses Mädchen wird bei den nächsten Paralympics dabei sein.“Peer Kopelmann, Trainer der HSG

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Wer glaubt, ihr Wunsch sei Utopie, der irrt. Die 20-Jährige ist zwar Spastikerin, halbseitig gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Doch nach ihrer Arbeit in der Greifenwerkstatt, wo sie für einen regionalen Bäcker Kartons faltet, trainiert sie viermal pro Woche in der Sporthalle des Berufsbildungswerkes. „Und zwar so intensiv, bis sie völlig ausgepowert ist“, sagt Dr. Peer Kopelmann. Der Mann ist hauptamtlicher Lehrertrainer beim Behindertensportverband MV und Mitglied der Hochschulsportgemeinschaft Uni Greifswald (HSG). Er muss es wissen. Kopelmann trainiert Hanna Wichmann und ist von ihren Leistungen und ihrem Willem begeistert. „Dieses Mädchen kann alles schaffen“, meint er.

Keulen- und Diskuswurf sowie Kugelstoßen

Trotz der Behinderung hat sich Hanna Wichmann schon seit ihrer frühen Jugend für Sport interessiert. Damals, in Haldensleben (Sachsen-Anhalt), hat sie Rollstuhl-Basketball gespielt. Dann erlebte sie den Weltklasse-Speerwerfer Matthias de Zordo – und lag fortan ihrer Mutter in den Ohren, doch auch so was ausprobieren zu wollen. „Beim Speerwerfen bin ich nicht gelandet, dafür beim Keulen- und Diskuswurf sowie beim Kugelstoßen.“ Für alle drei Sportarten muss Hanna einen sogenannten Wurfstuhl benutzen. In der speziellen Aluminiumkonstruktion wird die behinderte Athletin festgeschnallt, damit sie nicht die Balance verliert und die Kraft beim Werfen tatsächlich aus den Armen kommt.

Was für einen gesunden Menschen ziemlich gefährlich aussieht, ist für Hanna Normalität. „Ich habe schnell gemerkt, dass ich gut damit zurechtkomme“, erzählt sie. Die zwei Kilo schwere Kugel stößt sie aus dem Stand locker über drei Meter. Ihr Rekord liegt bei 3,67 Meter. Der Kracher aber sind ihre Keulenwürfe: Mit 15,28 Metern hat es die Greifswalderin bis zur Juniorenweltmeisterin gebracht!

Der große Traum

Nun will sie mehr. „Bei den nächsten Paralympics bin ich dabei“, sagt sie und lässt keinen Zweifel daran, dass sie es auch schafft. Fast wäre sie schon in diesem Jahr mit nach Rio de Janeiro geflogen. „Hanna gehörte zu den Sportlern, die von der Leistung her nachnominiert werden konnten. Aber sie war auf Bundesebene einfach nicht bekannt genug, deshalb bekam eine andere Sportlerin den Vorzug“, berichtet Kopelmann.

Das Bekanntmachen – genau daran hapert es. Denn um zu deutschlandweiten Wettkämpfen zu reisen, ist zuallererst ein fahrbarer Untersatz notwendig. Manchmal konnten die Athleten den Kleinbus des Landesleistungszentrums für behinderte Sportler nutzen. Zumeist aber hat Peer Kopelmann die Aufgabe mit seinem privaten Auto übernommen. „Eine dauerhafte Lösung ist das jedoch nicht“, gibt er zu.

Denn neben den Behindertensportlern und ihren Rollstühlen müssen noch die Wurfstühle und die Sporttaschen mitgenommen werden. „Also waren für uns als HSG viele Wettkämpfe tabu, weil wir weder die Sportler noch deren Ausrüstung transportieren konnten“, so Kopelmann. Für ein Talent wie Hanna ist das nicht förderlich. „Wir haben zudem noch weitere begabte junge Sportler, die wir ins Wettkampfgeschehen einbinden könnten, wenn wir es logistisch packen würden“, betont der Trainer.

Die HSG braucht deshalb für ihre behinderten Sportler dringend einen Kleinbus, in dem Menschen, Rollstühle und Sportequipment sicher transportiert werden können. „Ich möchte die OZ-Leser bitten, so wie voriges Jahr den Eltern krebskranker Kinder nun uns zu helfen“, sagt Hanna. Sie hat ihre Worten lange überlegt. „Gäbe es den Bus, würde ich mich noch mehr anstrengen, um zum nächsten Wettkampf zu fahren“, sagt sie. Peer Kopelmann nickt zustimmend. In Gedanken malt er sich aus, wie die Paralympics-Verantwortlichen auf Bundesebene staunen, wenn sie Hannas tolle Weiten sehen, die sie wirft.

„Wenn das klappt, würden auch andere behinderte Sportler profitieren. Bei uns trainieren Diabetiker und Adipöse. Auch mit ihnen könnten wir zum Wettkampf fahren.“

Die Mutter drückt die Daumen Hannas spastische Lähmung ist angeboren, aber Leistungssport wollte sie immer machen, erzählt ihrer Mutter Claudia Wichmann. Sie ist in Haldensleben zu Hause, stammt aber von der Insel Riems und ist in Greifswald zur Schule gegangen. „Ich bin froh, dass meine Tochter in Greifswald so optimale Bedingungen gefunden hat, um ihren Sport weiter zu betreiben und gleichzeitig ein selbstbestimmtes Leben zu führen“, betont sie. Für Greifswald habe man sich entschieden, weil es einerseits die Möglichkeit zu einem berufsvorbereitendem Jahr gibt, andererseits die Großeltern in Zinnowitz wohnen und Hanna so Familie in der Nähe hat. „Sie ist wirklich sehr gern in Greifswald, hat viele Freunde. Das Engagement der HSG kann ich nur loben. Die Leistungen meiner Tochter haben sich derart gesteigert, es ist einfach ein Traum“, sagt sie.

Währenddessen hat Hanna schon einen Plan fest vor Augen: „Mit dem Bus wäre die Anreise zu den nächsten Juniorenweltmeisterschaften viel besser zu machen. Das wäre cool“, erklärt sie. Dann klatscht die 20-Jährige in die Hände und lacht ansteckend fröhlich.

Bitte helfen Sie!

Nach der Rekordspendensumme von 100000 Euro im vergangenen Jahr zugunsten des Kinderkrebsvereins für sein neues Eltern-Kind-Haus sammeln wir in diesem Jahr Geld für einen Kleinbus für die behinderten Sportler der HSG Uni Greifswald. Wenn es gelingt, das Fahrzeug zu kaufen, hätten diese Sportler – einige von ihnen haben das Zeug, bei den nächsten Paralympics dabei zu sein – endlich die Möglichkeit, an wichtigen überregionalen Wettkämpfen teilzunehmen.

Spendenkonto:

IBAN

DE 45150505000000048348 Kennwort: Helfen bringt Freude

Cornelia Meerkatz

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