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Greifswald „Ich dachte, ich komme nicht lebend aus der Wohnung“
Vorpommern Greifswald „Ich dachte, ich komme nicht lebend aus der Wohnung“
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04:42 03.12.2018
Caroline B. schaffte im Frauenhaus den Start in ein neues Leben. Quelle: Anne Ziebarth
Greifswald

Den 7. August 2018 wird Caroline B. nie vergessen. „Es war ein Montag. An diesem Tag hat mich die Polizei aus der Wohnung geholt“, sagt die junge Frau. Grund für den Polizeieinsatz war ihr Mann, der bei einem Streit völlig ausser Kontrolle geriet. „Es ging um etwas nebensächliches, er war wieder mal mit etwas unzufrieden“, erinnert sie sich. „Er schrie mich an und beschimpfte mich. Ich konnte noch kurz die Nummer meines Vaters anwählen, bevor er das Handy zerstörte. Dann sperrte er mich ein.“ Als Caroline versuchte, aus dem Fenster im Erdgeschoss zu flüchten, um Hilfe zu holen, riss er sie zurück. „Die beiden Kinder mussten alles mitansehen“, sagt sie. „Ich dachte, ich komme da nicht lebend raus.“

Was zunächst wie ein tragischer Einzelfall klingt, ist für das Greifswalder Frauenhausteam um Steffi Oppermann und Dinara Heyer tägliche, bittere Realität. Die Einrichtung bietet Frauen und ihren Kindern, die Opfer von Gewalt wurden, Unterkunft, Schutz und Hilfe. Eine Arbeit, die den Mitarbeiterinnen alles abverlangt, schließlich müssen Notfälle auch mitten in der Nacht aufgenommen werden. Tagsüber stehen Behördengänge, Arzttermine oder Beratungen auf dem Programm. „Eigentlich müssten wir auch einiges am Haus und Garten machen, vieles ist einfach kaputt“, sagt Steffi Oppermann. „Aber das schaffen wir finanziell nicht. Wir sind immer knapp bei Kasse.“ Die Redaktion der OSTSEE-ZEITUNG Greifswald hat sich deshalb entschlossen, das Geld der diesjährigen Weihnachtsaktion dem Trägerverein des Frauenhauses zu spenden. Damit das Frauenhaus auch weiterhin Anlaufstelle und Plattform für ein neues Leben sein kann.

Spendenkonto eröffnet

Unser Spendenkontowird auch in diesem Jahr wieder von unserem langjährigen Partner, der Sparkasse Vorpommern, geführt. Spenden können entweder über den beiliegenden Überweisungsträger vorgenommen oder auf folgendes Konto überwiesen werden. Wir freuen uns über jede noch so kleine Spende, die dem Frauenhaus zugute kommt.

Spendenbescheinigungen sind über den Verein „Frauen helfen Frauen“ (Postfach 3309, 17463 Greifswald, kontakt@frauenhaus-greifswald.de) erhältlich.

Spendenempfänger: Frauen helfen Frauen e.V. IBAN: DE88 1505 0500 0000 0515 51 BIC: NOLADE21GRW Kennwort: „Helfen bringt Freude“

Auch für die 22-jährige Caroline B. gab es eine Rettung. Der Vater hatte nach dem abgebrochenen Anruf geistesgegenwärtig die Polizei alarmiert, die befreite die junge Frau mit den beiden Kindern aus der Wohnung. „Die Polizisten haben mir geraten, mit den Kindern zu meinem Vater zu fahren“, erinnert sie sich. „Ich habe noch ein paar Anziehsachen gepackt, einige Spielsachen und Windeln, und dann nichts wie weg“. Zu diesem Zeitpunkt sei ihr schmerzhaft klargeworden, dass es kein zurück mehr gibt. Die Fahrt quer durch Deutschland zu ihrem Vater nach Greifswald entwickelte sich zu einer Odyssee. „Zehn Stunden waren wir unterwegs.“, berichtet Caroline B. „Die Kinder hatten Angst und Hunger, wir haben uns von Imbissautomaten zu Imbissautomaten gehangelt.“ Weil ihr Vater nicht wusste, welcher Zug der richtige war, fuhr er stündlich zum Bahnhof. Im letzten Zug saß sie dann.

„Wir sind dann am nächsten Tag zum Jugendamt und zur Beratung des Deutschen Roten Kreuzes gegangen“, erzählt sie. „Ich hatte keine Ahnung wie ernst die Situation ist. Dadurch dass ich die Kinder mitgenommen habe, hätte mein Ex mich der Kindesentführung beschuldigen und eine sofortige Verfügung erwirken können. Das wollte ich auf gar keinen Fall.“ Sie zeigte ihren Mann bei der Polizei an und flüchtete sich an den Ort, wo sie auf keinen Fall hinwollte: Das Frauenhaus. „Ich dachte, hier wären mehrere Frauen in einem Zimmer untergebracht, alles sei ganz schrecklich“, sagt sie. „Eben, wie man das in Filmen vermittelt bekommt.“ Stattdessen gab es ein eigenes Zimmer für sich und ihre Kinder und ein freundliches Willkommen durch die Frauenhausmitarbeiterinnen. „Ich fühlte mich endlich wieder sicher“, sagt Caroline. „Es war definitiv die richtige Entscheidung.“

Frauenhausmitarbieterin Dinara Heyer erinnert sich an die ersten Tage mit Caroline genau. „Caroline ist eine bemerkenswert starke junge Frau. Wir haben uns schon am nächsten Tag hinsetzen können und begonnen uns einen Plan zu machen“, erzählt Frauenhausmitarbeiterin Dinara Heyer. „Erstmal mussten wir ja finanzielle Unterstützung beantragen. Dann galt es auch die juristischen Hürden zu meistern.“ Frauenhausmitarbeiterinnen begleiteten Caroline zu Anwälten und auf Ämter. „Alleine hätte ich das nie geschafft“, sagt Caroline heute „Aber wir hatten Erfolg.“ Sie hat das Sorgerecht zugesprochen bekommen, der Vater darf die Kinder alle zwei Wochen sehen, allerdings in Begleitung und auf der Hälfte der Strecke zwischen Greifswald und ihrem alten Wohnort. „Die Anwälte haben mich bestärkt. Er kann mir nichts mehr tun“, sagt die Frau mit blitzenden grünen Augen. „Ich muss mir nichts mehr gefallen lassen.“

Darüber muss Dinara Heyer lächeln. „Sie haben sich auch ganz schön verändert, seitdem Sie hier sind“, sagt sie zu Caroline. „Sie strahlen eine ganz andere Kraft aus, haben ein Ziel vor Augen.“ Caroline denkt kurz nach. „Hier habe ich auch viel Kraft durch die anderen Frauen bekommen“, sagt sie. „Und wenn ich mir die anderen Schicksale anhöre, weiß ich wie gut es mir noch ergangen ist, weil ich rechtzeitig die Konsequenzen gezogen habe.“ In den letzten Jahren ihrer Ehe habe sie kaum noch Freundschaften pflegen dürfen, geschweige denn Arbeiten gehen. „Das wird jetzt anders“, sagt sie. „Ich habe mich auf eine Feldwebelausbildung bei der Logistik der Bundeswehr beworben. Und ich weiß, dass ich es schaffen werde.“

Der Name von Caroline B. wurde auf ihren Wunsch geändert.

3 Frauenhäuser gibt es in Vorpommern. Die beiden Einrichtungen in Ribnitz-Damgarten (12 Plätze) und Stralsund (24 Plätze) befinden sich in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt (Awo), das Frauenhaus in Greifswald (20 Plätze) wird vom Verein „Frauen helfen Frauen“ betrieben. In Bergen auf Rügen betreibt die Awo noch eine Beratungsstelle mit angeschlossener Schutzwohnung (2 Plätze). Das Frauenhaus in Wolgast musste im Jahr 2003 aus kostengründen geschlossen werden. Finanziert werden die Frauenhäuser durch Land, Landkreis und Stadt (Greifswald und Stralsund).

Frauen in Not können sich jederzeit direkt an das Frauenhaus Greifswald wenden (Tel.: 03834/500656, E Mail: kontakt@frauenhaus-greifswald.de), Kontakt zum Frauenhaus vermitteln auch Beratungsstellen, etwa Diakonie, Awo oder aber das Jugendamt.

Auch das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist unter der Nummer 08000/116016 24 Stunden erreichbar und bietet anonyme und kostenfreie Beratung.

Das Frauenhaus Greifswald stand im vergangenen Jahr vor dem Aus, da die Zuwendungen nicht mehr ausreichten, um Mitarbeiterinnen einen angemessenen Lohn zu zahlen, geschweigedenn eine Stelle wiederzubesetzen. Mittlerweile hat die Stadt Greifswald ihre Unterstützung auf das Doppelte erhöht. Auch im Landkreis gibt es Signale, die Zuwendungen massiv zu erhöhen.

Anne Ziebarth

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