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Greifswald „Hier bleiben wir, bis man uns rausträgt“
Vorpommern Greifswald „Hier bleiben wir, bis man uns rausträgt“
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00:05 02.08.2016

Jeden Abend die gleiche Tortur: Das Bad war zu eng, die Badewanne zu hoch – und Dieter Bensmanns Füße, denen die Zuckerkrankheit Zehen und einen halben Fuß

Vor allem das geräumige Bad finden Dieter und Rita Bensmann praktisch. Quelle: Sybille Marx

Umdenken hat begonnen

566 barrierearme Wohnungen bietet die Greifswalder Wohnungsverwaltungsgesellschaft WVG.

25 behindertengerechte Wohnungen gibt es zusätzlich.

In den kommenden Jahren werde der Bestand zukzessive barrierearm umgebaut, sagt Sprecherin Jana Pohl. „Allerdings kann dies nur objektbezogen bei großen Sanierungsmaßnahmen realisiert werden.“ Für alle Neubauprojekte dagegen gelte: „Sie werden barrierearm konzipiert und umgesetzt.“

geraubt hatte, mussten gebadet werden. „Ich hab dann immer eine Schüssel genommen und mich auf den Boden gekniet“, erzählt seine Frau, Rita Bensmann. Früher kein Problem, doch inzwischen ist sie selbst 74 Jahre alt. „Das war nicht mehr schön.“

Seit ein paar Wochen geht nun alles leichter, Rita und Dieter Bensmann sind umgezogen: in einen Block in der Lomonossowallee, den die städtische Wohnungsverwaltungsgesellschaft WVG gerade für 3,9 Millionen Euro saniert und umgebaut hat. 36 Wohnungen in zwei Häusern liegen nun darin, zwei sind rollstuhlgerecht, 34 gelten als „barrierearm/barrierefrei“. Fahrstühle gibt’s im Treppenhaus. Eine Schwesternstation, die Betreutes Wohnen ermöglicht, soll im Herbst noch einziehen.

„Wir wollen Wohnungen bieten, in denen die Mieter bis zum Schluss bleiben können“, erklärt Klaus-Peter Adomeit, Geschäftsführer der WVG. Fast 2900 Mieter der WVG seien über 65 Jahre alt, insgesamt leben in Greifswald rund 11200 Menschen in dieser Altersgruppe. „Die Menschen möchten heute selbstbestimmt bis ins hohe Alter leben und in ihrer Wohnung bleiben, diesen Anforderungen wollen wir uns stellen“, sagt Klaus-Peter Adomeit.

Für das Ehepaar Bensmann ein Glücksfall. Bei der Wohnungsbesichtigung, sagen sie, „war es Liebe auf den ersten Blick“. Das Haus sei wunderbar, zum Beispiel wegen der großen Gemeinschaftsterrasse auf dem Dach, die über eine Rampe auch mit dem Rollator oder im Rollstuhl zu erreichen ist. Seit 20 Jahren pflegt Rita Bensmann ihren diabeteskranken Mann, „ich komme kaum noch raus, weil ich ihn nicht allein lassen kann“, erzählt sie. Die Dachterrasse werde es ihnen ermöglichen, mal in der Sonne zu sitzen und mit Nachbarn aus dem Haus zu plaudern. Auch einen Gruppenraum gibt es.

Aber etwas anderes ist dem Ehepaar noch wichtiger: das große Badezimmer mit dem Fenster und der ebenerdigen Dusche. „Jetzt kann mein Mann mit dem Rollator hier rein“, sagt Rita Bensmann, „wir können einen Stuhl in die Dusche stellen, und ich kann ihn ganz bequem abduschen.“ Keine Schwellen störten, auch nicht auf dem Weg zum Balkon, viele Lichtschalter und Türöffner liegen auf Rollstuhlhöhe.

Haltegriffe an der Toilette will die WVG auf Wunsch der Mieter auch noch nachrüsten – kostenlos, verspricht Adomeit. Für Rita Bensmann steht darum fest: „Wir ziehen hier erst wieder raus, wenn man uns rausträgt!“

Aber war so eine Wohnung mit geräumigem Bad und ohne Stolperfallen nicht schwer zu finden in Greifswald? „Wir hatten Glück“, sagt Rita Bensmann. Sie und ihr Mann wohnten auch vorher schon in einem Haus der WVG, nur ein paar Straßen weiter. „Im Januar haben wir uns für die neuen Wohnungen beworben.“ Und es klappte. Mietkosten: 600 Euro warm pro Monat, sobald die Schwesternstation im Haus ist.

„Das ist aber preisgünstig“, sagt Rita Bensmann.

Auch der Umzug ließ sich gut finanzieren. In der Regel übernimmt die Pflegeversicherung Umzugs- oder Umbaukosten bis zu 4000 Euro, wenn jemand zum Pflegefall wird und deshalb in der alten Wohnung nicht mehr klar kommt, das wusste Rita Bensmann vom Pflegestützpunkt in der Innenstadt (siehe unten). „Die Pflegeversicherung hat bei uns tatsächlich den kompletten Umzug bezahlt, rund 3000 Euro“, sagt sie. „So konnten wir ein Unternehmen beauftragen, das alles für uns ab- und auch wieder aufgebaut hat.“ Selbst die Schränke hätten die Möbelpacker ihnen wieder eingeräumt – alle Schränke, wenn Rita Bensmann es denn zugelassen hätte. Sie lacht und schüttelt den Kopf. „Ich lass doch meine Unterwäsche nicht von Fremden einräumen! Ne ne, das mache ich lieber selbst . . .“

Sybille Marx

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