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Greifswald Hilfe beim Herzinfarkt: Lebensrettung mittels App
Vorpommern Greifswald Hilfe beim Herzinfarkt: Lebensrettung mittels App
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00:02 13.09.2017
Klinikchef Klaus Hahnenkamp, Timm Laslo, Leiter des Eigenbetriebes Rettungsdienst, Peter Brinkrolf, Leiter des Projektes Land|Retter, Joachim Paul Hasebrook aus Berlin und Sozialdezernent Dirk Scheer (v.l.) präsentieren die neue Rettungs-App. Quelle: Foto: Cornelia Meerkatz
Greifswald

Die Chance, bei einem Herzinfarkt gerettet zu werden, ist im Landkreis Vorpommern-Greifswald größer als im Rest des Landes. Seit gestern Mittag ist die neue „Land|Retter“-App freigeschaltet, mit deren Hilfe die ärztliche Versorgung auf dem Land verbessert werden soll. Durch die Integrierte Leitstelle des Landkreises werden bei Herz-Kreislauf-Stillstand und Bewusstlosigkeit zu Hause oder auf offener Straße parallel zu Notarzt und Rettungswagen auch ehrenamtliche mobile Ersthelfer alarmiert, die sich in der näheren Umgebung des Patienten befinden.

Mehr Helfer

100 Ersthelfer konnten innerhalb von vier Wochen gewonnen werden. Sie arbeiten mit der neuen Rettungs-App und werden im Notfall alarmiert.

41 Prozent der Bevölkerung des Landkreises beherrschen inzwischen die Laienreanimation. Vor drei Jahren waren es nur 17 Prozent. Dank des Land|Retter-Projektes werden immer mehr Bürger in der Wiederbelebung geschult.

Der alarmierte Land|Retter kann gerade in abgelegenen Gegenden oft schneller vor Ort sein als der Rettungsdienst und mit der Wiederbelebung durch Herz-Druck-Massage und Mund-zu-Mund-Beatmung beginnen. So kann wertvolle Zeit gewonnen und die Überlebenschance des Patienten verdoppelt werden. Pro Jahr gibt es im Kreis etwa 200 Reanimationen außerhalb von Kliniken.

Bei den mobilen Ersthelfern handelt es sich um medizinisch vorgebildetes Personal wie Krankenpflege- und Rettungsdienstpersonal, Ärzte, Feuerwehrleute, Medizinstudenten. Dirk Scheer, Kreissozialdezernent, würdigt die neue Rettungs-App als grandiose Leistung: „Innerhalb von vier Wochen ist es uns gelungen, 100 Ersthelfer zu gewinnen und umfassend zu schulen“, berichtet er. Auch Prof. Klaus Hahnenkamp, Klinikchef der Anästhesiologie der Unimedizin Greifswald und Initiator der Land|Rettung, ist sehr zufrieden. „Mit den ehrenamtlichen Ersthelfern wird in unserem Flächenkreis die Rettungskette sinnvoll ergänzt und die Überlebenschance bei einem Herzinfarkt verdoppelt.“

Und wie funktioniert die Alarmierung per Rettungs-App? Die App vibriert zur Alarmierung und gibt die Entfernung zum Einsatzort an. Dann wird die Bereitschaft des „Land|Retters“, diesen Einsatz anzunehmen, abgefragt. Bei einer Zusage werden Details zum Einsatz gegeben. Über die App erfolgt die Navigation mittels Routenführung zum Einsatzort. „Die Nutzung der App ist unkompliziert. Zudem werden Daten zum Patienten erst mitgeteilt, wenn der Rettungsauftrag angenommen wird“, versichert Projektleiter Dr. Peter Brinkrolf. Die Ersthelfer müssen sich nur über die Homepage www.land-retter.de anmelden und einweisen lassen. Dann können sie die App auf ihrem Smartphone nutzen. Die App ist eine der vier Säulen des Projektes Land|Rettung. Dazu gehören außerdem die Laienreanimation, der Telenotarzt und die Verzahnung von Krankenkassen und Rettung. Im Rahmen des Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses werden für das Projekt 5,4 Millionen zur Verfügung gestellt (die OZ berichtete).

Vorpommern-Greifswald gilt mit seinen innovativen Neuerungen im Rettungsdienst als Vorzeigeprojekt für ländliche Räume in Deutschland. „Ich habe unser Projekt auf dem Demografiekongress in Berlin vorgestellt. Es findet riesige Beachtung“, schildert Scheer. Damit einher gehe die Evaluation unter medizinischen, ökonomischen und arbeitswissenschaftlichen Aspekten. Partner sind die Unimedizin Greifswald, der Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Gesundheitsmanagement der Uni Greifswald sowie die zeb.business school der Steinbeis-Hochschule Berlin. Deren Vertreter Joachim Paul Hasebrook lobte die Rettungs-App als nachhaltiges Projekt. „So eine Verzahnung der vier Säulen gibt es nirgendwo in Deutschland. Das hat Pilotcharakter für 70 weitere Landkreise mit ähnlicher Struktur.“ Auch Scheer und Hahnenkamp hoffen, mit der Land|Rettung bundesweit für viel Furore zu sorgen.

Cornelia Meerkatz

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