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Greifswald Geschützte Wiesen bei Greifswald aufwerten
Vorpommern Greifswald Geschützte Wiesen bei Greifswald aufwerten
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14:17 27.11.2018
Die Biologin Nina Seifert erläutert die Pläne der Succow-Stiftung für die Karrendorfer Wiesen. Quelle: Eckhard Oberdörfer
Groß Karrendorf

 Anfang der 1990er Jahren wurden die Deiche rund um die Karrendorfer Wiesen bis an den Ort Groß Karrendorf zurückgebaut. Es war das größte derartige Projekt an der Ostseeküste. Die Karrendorfer Wiesen sind ein Paradies für Vögel und zu jeder Jahreszeit ein sehenswertes Ausflugsziel.

Das 360 Hektar große Salzgrasland gehört zum Naturschutzgebiet „Insel Koos, Kooser See und Wampener Riff“. Als Teil des nationalen Naturerbes wurden die Karrendorfer Wiesen 2016 vom Bund der Michael-Succow-Stiftung übereignet. In einem neuen Projekt soll nun der Zustand des Salzgraslandes verbessert werden, um noch bessere Bedingungen für seltene und zum Teil vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten und die hier lebenden Vögel zu schaffen. Dafür steht bis 2022 etwa eine halbe Million Euro aus Mitteln der Europäischen Union zur Verfügung, informiert die Biologin Nina Seifert, die für die Succow-Stiftung arbeitet. Projektpartner ist die Universität Greifswald. Auch der Verein Ostseelandschaft Vorpommern unterstütze die Bemühungen um die Karrendorfer Wiesen.

Zu den wichtigsten Vorhaben gehört die Reduzierung des zu großen Schilfbestandes. „Wir haben den Pachtvertrag mit der Firma Ehrenberg/Schulz GbR aus Mesekenhagen angepasst“, berichtet Seifert. Ihre Rinder weiden hier und halten das Gras kurz, gedüngt wird nicht. Die Landwirte seien ein guter Partner und hätten selbst ein großes Interesse an guten Lebensbedingungen für „ihre Vögel“.

Damm zum Koos soll durchlässig werden

Auch sechs Wasserbüffel stehen hier. „Sie machen einen guten Job“, betont die Biologin. „Das reicht aber nicht aus, um das Röhricht in ausreichendem Maße zurückzudrängen.“ Ein Problem ist die Degradierung des Moores im Innenbereich der Karrendorfer Wiesen infolge der früheren Nutzung, als das Land noch eingedeicht war. Es liegt deshalb bis zu 50 Zentimeter unter dem Meeresspiegel, durch Grabenaushub entstandene Wälle liegen höher. Beispielsweise bei Sturm schwappt das Wasser ins Innere, kann aber nur eingeschränkt wieder abfließen. Das müsse verändert werden. „Wir wollen daher Priele reaktivieren, damit das Wasser leichter auf die Wiesen und zurück in den Bodden gelangen kann.“ Ferner soll auch Schilf gemäht werden. Außerdem sind zwei Öffnungen durch die Straße zum Koos geplant. Ob es hier künftig Furten gibt oder ob Rohre verlegt werden, sei noch nicht entschieden. Für Rinder muss die Zugänglichkeit aller Bereiche möglich sein.

Blick über das Röhricht zum Bodden. Quelle: eob

Wenn alles wie geplant läuft, werden sich die Karrendorfer Wiesen künftig häufiger als Wasserlandschaft präsentieren. Auch für Besucher des Naturschutzgebietes soll etwas getan werden. Nina Seifert denkt an die Aufstellung von Informationstafeln. Ferner ist die Schaffung eines Aussichtspunktes geplant.

Allerdings missachten viele Besucher das Befahrungsverbot für den Damm Richtung Koos. Auch laufen im Naturschutzgebiet immer wieder Hunde frei herum. Für eine bessere Durchsetzung der Schutzziele für die Karrendorfer Wiesenund eine Besucherlenkung sollen künftig Bundesfreiwillige sorgen, die auf dem Koos wohnen können.

Brutgebiet seltener Vögel

Die Succow-Stiftung hat im Bereich des Naturschutzgebietes das Jagdrecht. Der leider verstorbene Roland Abraham, der auf der Insel Koos wohnte, habe hier eine sehr gute Arbeit im Prädatorenmanagement geleistet, erinnert Nina Seifert. Da geht es um die Zurückdrängung von Fuchs, Marderhund und Co. die die Nester von Bodenbrütern plündern. Unter anderem brüten hier Säbelschnäbler, Kiebitz und Sandregenpfeifer. Auch jetzt laufe das Prädatorenmanagement gut.

Die Aktivitäten der Succow-Stiftung sind Teil der im Managementplan für das Flora-Fauna-Habitat-Gebiet „Greifswalder Bodden, Teile des Strelasundes und Nordspitze Usedom“ festgelegten Ziele. Dort heißt es, dass Wiederherstellungsmaßnahmen des Salzgraslandes zwingend erforderlich seien, weil sich der Zustand in den letzten Jahren verschlechtert habe.

Meliorationsopfer

Die Karrendorfer Wiesen wurden schon im 19. Jahrhundert entwässert. Wegen des dadurch begründeten Moorschwundes wurden sie häufiger überflutet und schließlich eingedeicht.

Während der sogenannten Komplexmelioration in der DDR der 1970er Jahre wurden Deiche erhöht und Gräben vertieft. Auf dem Land wurden Getreide und Futterpflanzen angebaut und dafür Dünger und Pflanzenschutzmittel eingesetzt.

1993/94 erfolgte der Rückbau der Deiche, Gräben verfüllt und Priele wiederhergestellt. Besonders bei anhaltendem Nord- und Ostwind kommt es wieder zu Überflutungen. Seit 1995 weiden wieder Rinder auf den Karrendorfer Wiesen.

Eckhard Oberdörfer

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