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Greifswald Historischer Hörsaal wird ganz schick
Vorpommern Greifswald Historischer Hörsaal wird ganz schick
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00:05 16.02.2017
Mike Naujok (links) und Hans-Georg Meyer im Hörsaal der früheren Kinderklinik. FOTOS (3): ECKHARD OBERDÖRFER
Greifswald

Zum Beginn des Sommersemesters im April werden wieder Studenten im Hörsaal der früheren Kinderklinik sitzen. Und das alte/neue Auditorium soll ein ganz schickes werden. Das versicherten der Leiter des Referates Zentrale Dienste der Uni, Mike Naujok, und Architekt Hans-Georg Meyer beim Besuch der Baustelle. Wie schon 1955 zur Errichtung des Gebäudes an der Loitzer Straße wird er 186 Plätze haben. Die Hochschule investiert 650000 bis 680000 Euro aus Mitteln des Hochschulpaktes zur Verbesserung der Lehre.

Uni investiert etwa 650000 Euro in das Auditorium der früheren Kinderklinik

Der Hörsaal ist Teil des Campus Soldmannstraße der Botanik, Landschaftsökologie und Zoologie. Dazu gehören die frühere Kinderklinik und das ehemalige Institut für Physikalische Chemie. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten und dem Neubau eines Laborgebäudes steht er vor der Vollendung. „Dabei sollten 2005 die Gebäude der Kinderklinik noch aufgegeben werden“, erinnert Mike Naujok. Aber der wachsende Bedarf an Räumen führte zur Änderung der Pläne.

„Farbe und benutzte Materialien werden den Hörsaal zu etwas Besonderem machen“, erläutert Mike Naujok. „Die Stühle werden künftig nicht mehr laut und hart, sondern weich und leise sein.“ Durch unterschiedliche Farbgebung der Polster werde für den Betrachter „eine Spinne entstehen“. Einige der etwa sechs Jahrzehnte alten historischen Stühle werden aufbewahrt und sollen später einmal in dem erhofften Universitätsschauhaus in der Alten Physik zu sehen sein. Wie das Gebäude ist die Bestuhlung ein Zeugnis der erheblichen Investitionen der DDR in den 1950er Jahren in die Universität Greifswald. Die historische Tafel bleibt im Hörsaal, der natürlich zugleich mit moderner Medientechnik ausgerüstet wird.

„In Nischen des Hörsaals werden in Schaukästen Teile der Sammlungen der Botanik und der Landschaftsökologie ausgestellt“, so Naujok weiter. „Das ist einmalig in einem Hörsaal.“ Diese Stücke würden sonst nur gelagert oder zu besonderen Anlässen gezeigt.

Das ist indes noch nicht alles, was dieses Auditorium auszeichne. „Auf Wunsch von Prof. Martin Schnittler und dem Kustos der Zoologischen Sammlung, Peter Michalik, wird es ein Votingsystem im Hörsaal geben“, berichtet Mike Naujok. Gleichzeitig werden vier Abstimmungen mittels Rechner und Übermittlung per Funk zum Dozenten im Hörsaal möglich sein. „Anonym oder sitzplatzbezogen“, erläutert der Verwaltungsmann. Die einfachste Frage: Haben Sie alles verstanden?

Noch einen Wunsch des Botanikprofessors Martin Schnittler und des Kustos erfüllt die Hochschule. „Unsere wissenschaftlichen Werkstätten bauen eine Kartenzugmaschine“, erzählt Naujok. Die für die Lehre genutzten Karten hätten in der Vergangenheit an Ständern gehangen, die immer irgendwie im Weg gewesen sind.

„Wir haben auch noch zwei Lagerräume geschaffen“, erzählt Architekt Meyer. „Die ganze Technik für Belüftung, Ablüftung und Kühlung befindet sich im benachbarten Bürogebäude.“ Auch einen behindertengerechten Zugang und entsprechende Sanitäranlagen werde es geben. Beim Rundgang erläutert er die nicht immer einfachen technischen Lösungen für den Hörsaal.

Es ist nicht die erste Zusammenarbeit von Meyer mit der Universität und Naujok. Der 2003/4 für 1,1 Millionen Euro geschaffene Hörsaal „Kiste“ in Schönwalde II war der vielleicht schnellste Hörsaalbau der bisherigen Greifswalder Unigeschichte.

Auch in andere schöneAuditorien hat die Hochschule als Bauherr seit 1990 einiges investiert. Angefangen mit dem Audimax in der Rubenowstraße über den Hörsaal der alten Frauenklinik bis zum Doktorandenhaus auf Hiddensee.

Neues Gebäude für die Kinderklinik

Der Querriegel mit dem Hörsaal der Kinderklinik an der Loitzer Straße wurde 1955 unter dem Direktorat von Prof. Hubertus Brieger gebaut. Der Kunsthistoriker Ulrich Hartung spricht in dem zur 550-Jahr-Feier erschienenen Buch zu den Unibauten dem Gebäude mit dem grauem Kunststein gerahmten Fassaden keine besonders hohe architektonische Qualität zu. Formen des „Barockklassizismus nach sowjetischem Vorbild“ seien hier über solche „des ,elementaren’ Klassizismus der NS-Zeit gesetzt“ worden.

In dem Gebäude wurden 1955 auch eine Virusstation sowie Möglichkeiten zur Behandlung gelähmter Kinder eingerichtet.

Eckhard Oberdörfer

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