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Hochschulverband: Umfrage zu Arndt ohne Ergebnis

Greifswald Hochschulverband: Umfrage zu Arndt ohne Ergebnis

Wegen automatischer Abstimmungen schaltete der Verband sie ab

Greifswald. Die OSTSEE-ZEITUNG hatte an dieser Stelle vor einigen Tagen einen Leserbrief abgedruckt, in dem die Umfrage des Hochschulverbandes zu Ernst Moritz Arndt thematisiert wurde. Darin schrieb der OZ-Leser, dass sich 74 Prozent der Teilnehmer der Hochschulverbandsumfrage für den Erhalt des Namens Ernst-Moritz-Arndt-Universität ausgesprochen hätten. Diese Information war zum Zeitpunkt unserer Veröffentlichung leider bereits veraltet und damit falsch. Diesen Fehler bitten wir zu entschuldigen.

Korrekt ist, dass der Deutsche Hochschulverband die Umfrage abgebrochen hat. „Wegen anscheinend programmierter und automatisierter Abstimmungen wurde die Umfrage am 13. Februar abgeschaltet und nicht ausgewertet“, sagt Verbandssprecher Matthias Jaroch. Stutzig geworden sei man, nachdem die Zahl der Abstimmer über Nacht von 2000 auf 9000 angewachsen war. Mit mehr als 30000 Mitgliedern bundesweit ist der Hochschulverband die größte Vereinigung von Wissenschaftlern.

In seinem Januar-Newsletter hatte der Verband gefragt, ob die Entscheidung des Greifswalder Unisenats, den Namen Arndt nicht mehr zu führen, richtig sei. Von der ursprünglichen Idee, die Abstimmung zu einem späteren Zeitpunkt zu wiederholen, habe der Verband mittlerweile Abstand genommen. „Uns hat die Emotionalität der Debatte überrascht“, so Jaroch. Es sei bei Onlineumfragen des Verbandes möglich, von einer IP-Adresse aus mehrfach abzustimmen. Das ist bei Onlineumfragen der OSTSEE-ZEITUNG nicht der Fall.

OZ-Leser Werner Buchholz fragt, warum die OZ ihre Onlineumfrage nicht zurückgezogen hat, so wie es der Hochschulverband getan hat, sondern diese auswertete. Auch bei der OZ-Umfrage hat es offenbar programmierte Abstimmungen gegeben. Ursprünglich wurden die fünf Fragen 4213 Mal beantwortet (unter www.ostsee-zeitung.de/arndt). Das Ergebnis musste um 1033 manipulierte Fälle bereinigt werden. In die Auswertung sind schließlich die Ergebnisse von 3180 Personen eingeflossen. Von ihnen sprachen sich 80,3 Prozent der Teilnehmer für den Erhalt des Namens Ernst-Moritz-Arndt-Universität aus.

Gleichzeitig hatte die OZ eine Telefonumfrage durchgeführt, bei der Greifswalder Haushalte aus dem Telefonbuch kontaktiert wurden. Hier votierten 81,5 Prozent der Befragten für den Erhalt des Namens.

„Das von uns mit der Durchführung der Onlineumfrage beauftragte Unternehmen konnte die manipulierten Fälle eindeutig identifizieren und verlässlich bereinigen“, sagt Katharina Degrassi, Leiterin der Lokalredaktion Greifswald.

Tiefgründige Artikel statt Stimmungsmache

Warum drucken Sie alte Leserbriefe ab und suggerieren, dass es sich um aktuelle Zuschriften handelt? In der Überschrift schreiben Sie außerdem, der Deutsche Hochschulverband thematisiere Arndt, und beziehen sich auf einen der Leserbriefe, in dem es heißt, eine Online-Umfrage des Hochschulverbandes hätte eine 74-prozentige Zustimmung für Arndt ergeben. Sie verschweigen allerdings, dass der Hochschulverband die fragliche Umfrage wegen „automatisierter Abstimmungen abgeschaltet und nicht ausgewertet“ hat. Etwas mehr Recherche zu diesem Thema hätte man von der Ostsee-Zeitung ruhig erwarten können. Durch irreführende Überschriften, das Zurückgreifen auf veraltete Leserbriefe und die Etablierung einer eigenen Leserbriefseite zu Arndt im Lokalteil heizen Sie die Diskussion bloß

weiter an. Ich würde mir weniger Stimmungsmache durch Lesebriefe und mehr Information durch tiefgründige Artikel zum Thema Arndt wünschen.

Felix Kämmler

Falsche

Tatsachen

Tatsache ist, dass der Deutsche Hochschulverband (DHV) seine Umfrage bereits fünf Wochen zuvor, „am 13. Februar 2017 abgeschaltet und nicht ausgewertet“ hatte. Demnach wird hier fünf Wochen nach dem ergebnislosen Abbruch einer Umfrage wegen Täuschungsversuchs deren „Ergebnis“ präsentiert, aufgewertet von der OZ-Redaktion durch entsprechende Betitelung. Laut telefonischer Mitteilung des DHV kann es sich bei der Angabe von „74 Prozent“ nur um eine Angabe aus der Zeit vor der Abschaltung der Umfrage handeln. Ein offizielles Ergebnis ist dies nicht, da die Umfrage wegen der o. a.

Auffälligkeiten abgebrochen werden musste. Es handelt sich um fake news.

Prof. Dr. Werner Buchholz

Den Blick in die Nähe

nicht verlieren

Die vergangenen Wochen haben eine lebhafte Diskussion in den lokalen Medien und in den Straßen von Greifswald gezeigt, bei der es um die Umbenennung resp. das Ablegen des Namens Ernst Moritz Arndt der Greifswalder Universität geht. Richtig hat der Senat am 17.03.2017 in seiner Stellungnahme dargelegt, dass er laut Landeshochschulgesetz MV autonom den Namen ändern kann. Argument ist u.a.

eine verstärkte Weltoffenheit der Hochschule bzw. eine Reflexion dieser. Das hat mich dann doch etwas irritiert, insbesondere wenn Herr Michael Herbst als stellvertretender Senatsvorsitzender klar nach außen trägt: „Es geht nicht darum, die Entscheidung nach außen zu verlagern und darüber offen zu diskutieren.“ (OZ Lokalteil 16.03.2017). Diese Aussage zusammen mit den Geschehnissen in den letzten Wochen erweckt in mir eher den Eindruck, dass in puncto Offenheit gegenüber den Greifswaldern und im Umland lebenden Bürgern Nachholbedarf ist. Weltoffenheit gerne und ist ausdrücklich gewünscht, aber bitte dann auch den Blick für die unmittelbare Nähe nicht verlieren. Der Senat hat als ein Organ der Universität schließlich eine Vorbildfunktion.

Dr. Maik Fröhlich

Arndt ist kein Hindernis für Lehrende

Gebetsmühlenartig wird wiederholt, dass Arndt als Name nicht geeignet sei „für eine weltoffene Universität“. Ich kann nicht erkennen, dass Arndt ein Hindernis für Lehrende und Studenten war und ist, sich hier für Lehre und Studium einzuschreiben. Abgesehen davon, dass mir die Äußerungen einiger Professoren sehr merkwürdig erscheinen, die sich an der altehrwürdigen Universität beworben haben, nun aber Arndt aus ihrem Briefkopf streichen.

Erhard Kiehnbaum

Wo bleibt das Feuer für

Basisdemokratie?

Die Greifswalder und Vorpommern erfahren aus einer Presseerklärung, was der Universitätssenat nun in Sachen Arndt meint und zu tun gedenkt. Das Fazit ist: Mir san mir. Stimmt ja rechtlich – aber genügt das als Legitimation für eine Entscheidung gegen circa achtzig Prozent in der Region laut Umfrage der OZ? Man will einen ‚offenen Dialog‘? Aber wer, wann, mit wem, wie? Darüber hätte man schon am 15. März konkret (!) beschließen können. Nichts dergleichen geschah. Äußerungen in der OZ legen nahe, dass der Senat uniintern beschließen will und erst danach dialogisierend missioniert. 

Wo bleibt das studentische ‚Feuer für Basisdemokratie‘; konkret, was ist mit dem immer noch schwebenden Beschluss vom Juli 2016 auf Befragung der Universitätsmitglieder? Offenbar nur, weil darin der unzutreffende Begriff „Urabstimmung“ benutzt worden ist, angeblich nach Landeshochschulgesetz unzulässig. Der von Hochschul- und Senatsleitung still übergangene Vermerk des Justitiariats vom September 2016 besagt: „gegen eine solche Mitgliederbefragung (bestehen) keine Bedenken“. Der Hinweis auf das Hochschulgesetz: doch nur ein Vorwand aus Scheu vor der eigenen Minderheitsrolle?

Inhaltlich beschäftigt sich der Senat mit ‚der‘ Frage, ob der Name Arndt geeignet sei, die Uni als ‚weltoffene‘ Universität erscheinen zu lassen. Wegen eines Namens kommt und geht niemand! Jedenfalls nicht mehr und nicht weniger, wie Deutsche nicht (!) an der Université Lyon III studieren, weil sie Université Jean Moulin heißt. Ziemlich sicher ein Deutschenhasser – oder vielleicht (verständlicherweise, ohne dass es dafür psychologischer Erklärungen bedürfte) nur ein Nazideutschlandhasser? Wie Arndt doch vielleicht auch nur ein Richelieu-, Mazarin-, Louis 14-15-, Robespierre-, Empereur-, Napoleon-Hasser war? Wenn man schon ‚die‘ Frage stellt, muss man sie auch glaubwürdig behandeln. Im Übrigen, es gibt gewiss noch wichtigere Fragen als ‚die‘ Frage nach Weltoffenheit durch Namensänderung. Zu diesen Fragen gehört beispielsweise auch der Umgang mit Paragraph 1 der Uni-Grundordnung, in der die Uni quasi von Verfassungs wegen bekundet und verspricht: „Sie fühlt sich der Geschichte und Kultur Vorpommerns verpflichtet.“ Viele Fragen. Die aktuelle Hauptaufgabe lautet aber hier und heute in Wirklichkeit: Haltet inne! Fiat concordia domi – es werde Eintracht zuhause!

Prof. Dr. Jürgen Kohler

Qualität steigt nicht mit einem Namen

Ein Gremium hat entschieden, dass die Greifswalder Universität in Zukunft nur noch Universität Greifswald heißen soll, diese Entscheidung wurde aufgrund von Verfahrensfehlern revidiert und muss neu gefällt werden. Die zuständigen Entscheidungsträger werden sich schon ihre Gedanken machen, oder auch nicht. Im Grunde ist jetzt aber der Zeitpunkt erreicht, an dem alles gesagt wurde. Bei allem Pro und Kontra muss man auch feststellen, dass es fürwahr wichtigere Dinge gibt als sich über Dinge heiß zu reden, über die bereits alles gesagt ist. Frei nach Goethe, „tritt man auf Quark, so wird er breit und nicht stark“. Nebenbei gesagt, die Qualität einer Universität steigt und fällt nicht mit einem Namen, sondern mit der Art und Weise, wie Forschung und Lehre praktiziert werden.

Jürgen Baumann, Greifswald

Wie wäre es mit Heinrich Rubenow?

Ein Streit, der seit 20 Jahren andauert und bisher keine Lösung gebracht hat, ist für das Ansehen der Hansestadt einfach nicht tragbar. Warum kommt denn keiner auf die Idee, die Universität in „Heinrich-Rubenow-Universität“ zu ändern? Schließlich steht doch vor dem Uni-Hauptgebäude das Denkmal dazu, und er war als Bürgermeister maßgeblich am Aufbau der Universität beteiligt. Es ist nicht sinnvoll, wenn man nur pro und kontra Arndt argumentiert, man sollte auch weitere Lösungswege wie eine Namensänderung finden.

Christian Walter

OZ

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