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Greifswald Hohe Baukosten: Streit ums knappe Geld
Vorpommern Greifswald Hohe Baukosten: Streit ums knappe Geld
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15:39 12.05.2018
Hier wird fließig geschippt. Der Neubau der Fischerschule wird voraussichtlich günstiger als geplant. Für das überschüssige Geld gibt es viele Bewerber. Geht die Schule mit ihren Wünschen leer aus? Quelle: Peter Binder
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Greifswald

Es ist ein Streit, den es nicht geben würde, wenn das Geld im städtischen Haushalt nicht knapp wäre. Doch weil die Baukosten explodieren, muss die Stadtverwaltung gucken, wie sie die zusätzlichen Kosten bezahlt. Die fehlenden Mittel für den Bau der neuen Sporthalle der Caspar-David-Friedrichschule nimmt die Stadt nun aus dem Topf des Neubaus der Erwin-Fischer-Schule. Das Projekt wird nach aktuellem Stand günstiger als ursprünglich geplant. Während die Verwaltung erleichtert über diese Möglichkeit ist, macht sich Unmut an der Fischerschule und bei Kommunalpolitikern breit. Schulleiterin Heike Kagel kritisiert während der Sitzungen der Fachausschüsse der Bürgerschaft, dass sie als Mitglied der Lenkungsgruppe aus der OSTSEE-ZEITUNG erfahren musste, dass überschüssige Mittel nun für die Friedrichsporthalle verwendet werden.

„Sämtliche Investitionen sind untereinander deckungsfähig“, entgegnet Gero Maas, Leiter des Amtes für Wirtschaft und Finanzen. „Die Vergabe der Aufträge für die Fischerschule ist günstiger geworden als erwartet. Es ist nicht so, dass die Schule für zwei Millionen Euro aufsatteln kann, sondern der Rest des Geldes für andere Maßnahmen heranzuziehen ist“, erklärt Maas weiter. Ganz so einfach ist das aus Sicht der Schulleiterin nicht. „Es war vereinbart, dass alle Klassenräume mit interaktiven Tafeln ausgestattet werden, sollte Geld übrig bleiben“, sagt Heike Kagel. „Das ist auch im Haus II des Jahngymnasiums der Fall.“ Höhenverstellbare Tische, zusätzliche Plätze für Rollstuhlfahrer in den Klassenzimmern – Schulleiterin Kagel hat in der Planung auf einiges verzichten müssen, weil das Finanzkorsett eng vorgegeben war. Dabei hatte sie stets die Hoffnung, dass noch nachgerüstet werden könne. Doch nachdem die Bürgerschaft im April bereits beschlossen hatte, Mittel der Fischerschule für die Renaturierung des Ketscherinbaches zu nutzen, werden nun 500.000 Euro für die Friedrichsporthalle benötigt (die OZ berichtete).

„Ich finde dieses Vorgehen ganz, ganz schlimm. Niemand wurde vorher davon in Kenntnis gesetzt“, sagt Peter Multhauf, der für die Linke in der Bürgerschaft sitzt und gleichzeitig Ortsteilvorsitzender in Schönwalde I ist. Irritiert ist auch das Bildungsausschussmitglied Cornelia Wolf-Körnert (SPD): „Das Geld ist doch noch gar nicht übrig. Das ist doch nur das Ergebnis der Ausschreibung, das kann alles noch teurer werden.“ Ulf Burmeister, Bürgerschaftsmitglied der Bürgerliste und Schulleiter bezeichnet das Verfahren als „interessant“. Die Ausschussmitglieder seien alle von den Änderungen „überfahren“ worden. Thomas Mundt (CDU), der Vorsitzende des Finanzausschusses, sieht das pragmatischer: „Es bringt nichts, wenn ich kein Geld für das Dach der Friedrichschule habe und dort eine Bauruine bleibt.“

Kritik auch aus der CDU: „Wenn Sie Mitglied einer Lenkungsgruppe sind, ist es richtig, dass Sie denken, Sie können etwas lenken“, sagt Walter Noack (CDU) in Richtung Heike Kagel.Verständnis für das Vorgehen der Verwaltung kommt aus der Partei des Oberbürgermeisters. Peter Madjarov (Grüne): „Wenn die Turnhalle der CDF-Schule teurer wird, ist doch klar, dass die Verwaltung guckt, wo Geld herkommt, sie will ja zeitlich im Plan bleiben.“

Bausenatorin Jeannette von Busse (CDU) verspricht: „An der Umsetzung des Projekts Fischerschule wird nicht gespart.“ Allerdings habe die Anschaffung von interaktiven Tafeln nie jemand versprochen. „Wir sind von Whiteboards ausgegangen und haben gesagt: Wenn Geld übrig bleibt, kann man in der Lenkungsgruppe darüber beraten, ob wir stattdessen interaktive Tafeln nehmen.“ Sie gehe davon aus, dass der Restbetrag, der nach der Verschiebung der Gelder übrig bleibt, noch für die gewünschten Tafeln reicht.

Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) erklärt: „Wir werden uns noch auf ganz andere schmerzhafte Einschnitte einstellen müssen. Der Haushalt läuft aus dem Ruder.“

Degrassi Katharina

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