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Greifswald Hotel: Schießwall statt Hansering?
Vorpommern Greifswald Hotel: Schießwall statt Hansering?
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00:00 26.10.2017
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reifswald Ein Hotel für die Innenstadt ist gut, aber nicht am Hansering vor den Wohnhäusern in der Roßmühlenstraße. Da waren sich die Innenstadthoteliers und die wenigen erschienenen Anwohner bei einer Diskussionsveranstaltung am Dienstagabend in der Greifswalder Gaststätte „Sofa“ einig.

Der Investor muss vom Standort Mensa überzeugt werden.Oskar Gulla, Anwohner

Für 15 bis 20 Millionen Euro wollen Hamburger Investoren am Hansering ein Hotel mit 123 Zimmern zwischen Knopf-und Bachstraße bauen (die OZ berichtete). Aktuell liegt eine Bauvoranfrage vor, über die der Hauptausschuss der Bürgerschaft am 23. November entscheiden soll. Bei Zustimmung soll Mitte 2018 der Bauantrag eingereicht werden. Dass die Investoren laut aktuellem Plan keine Parkplätze bauen müssten, war ein weiterer Kritikpunkt. Durch den Hotelbau würden 78 Stellplätze fortfallen. „Da wird mit zweierlei Maß gemessen“, rügte Gastwirt und CDU-Bürgerschaftsmitglied Wolfgang Jochens, dass sich die Investoren mit Geld von der Verpflichtung zum Stellplatzbau freikaufen können. Den kleinen Geschäftsleuten würden solche Privilegien nicht gewährt, so Jochens. „Wieso soll der Investor auch noch eine Förderung von 25 Prozent bekommen?“, fragte Alexander Geiz, Inhaber der Hotels am Dom und Schwarzer Adler. Er habe nie einen Cent bekommen. „Ein Hotel ohne Parkplätze am Haus ist Schwachsinn“, meint er. Die Gäste würden es nicht einmal mögen, wenn sie über die Straße gehen müssten.

Veranstalter der Runde war „Sofa“-Chef Hüseyin Aydin. Der ebenfalls eingeladene OB Stefan Fassbinder (Grüne) habe einen anderen Termin und Bausenatorin Jeannette von Busse (CDU) Urlaub, informierte er. Mit dabei waren aber Mitglieder fast aller in der Bürgerschaft vertretenen Gruppen und Stadtmarketingchef Maik Wittenbecher, der für das Projekt der nach langer Suche gefundenen Hamburger Investoren warb.

Die Planungen für so einen Hotelbau reichen bis in die 1990er Jahre zurück. Hier sollen die Gäste von Tagungen der Uni, der Unimedizin, des Leibniz- und Planckinstituts sowie des Friedrich-Loeffler-Institutes ein Quartier finden. Tagungsräume gibt es zum Beispiel im Krupp-Kolleg oder im neuen Lohmeyercampus (Loefflerstraße). Das Problem sind fehlende Hotelkapazitäten in der schönen Jahreszeit. Dann finden die meisten Tagungen bislang statt.

„Viel besser wäre der Standort der Mensa am Schießwall für ein Innenstadthotel“, sagte Anwohner Oskar Gulla und bekam viel Zustimmung. Dort könne ein Parkhaus mitgebaut werden, statt den Familien mit Kindern und alten Leuten ihre Parkplätze zu nehmen, argumentierte er. Die Mensa wird ab 2018 aufgegeben. Einen Investor für ein Hotel- und Parkhausprojekt am Schießwall gibt es nicht.

Viel Kritik gab es am Fassadenentwurf der Investoren, einem Klinkerbau. Das Gebäude sehe aus wie ein Bunker und verschandele die Hafenansicht, findet Jens Dörwandt, Inhaber des „Alten Speicher“. Wie das Haus letztlich aussehen soll, wird erst in der Baugenehmigung festgelegt.

„Eine Tiefgarage für das Hotel werden wir nicht bekommen“, schätzt Linken-Fraktionschef Jörn Kasbohm ein. Allenfalls kann er sich ein verdecktes Parkdeck auf dem anliegenden Grundstück zwischen Bach- und Fischstraße vorstellen, für das die Planungen bisher Wohnhäuser vorsehen. Jetzt befindet sich dort ein Parkplatz.

Laut gültigem Parkkonzept der Stadt wird es im Zentrum künftig außer in den Tiefgaragen nur noch Anwohnerparkplätze geben. Die Parkscheinautomaten werden abgebaut. Alle Besucher sollen Tiefgaragen und die Großparkplätze am Rande der Altstadt inklusive des geplanten Parkhauses Nexöplatz nutzen. Der Abbau der Automaten werde zu noch weniger Besuchern im Zentrum führen, wurde kritisiert. Vor der Hauptausschusssitzung soll ein konkreter Zeitplan zum Ablauf vorliegen. Außerdem werde eine Einwohnerversammlung stattfinden, hieß es.

Eckhard Oberdörfer

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