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Hungernde Kühe, Schafkadaver: Kleinbauer sorgt für Empörung

Gützkow Hungernde Kühe, Schafkadaver: Kleinbauer sorgt für Empörung

Gützkower Bürger beklagen unhaltbare Zustände — Veterinäramt spricht von Tieren in keinem guten Zustand — Auflagen sollen die Situation verbessern

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Lämmchen (links) neben totem Schaf: Diese Aufnahme machten besorgte Bürger in der vergangenen Woche in Gützkow-Liebenthal.

Quelle: privat

Gützkow. Unhaltbare Zustände in der Tierhaltung in Gützkow. Bürger empören sich über einen Kleinbauern. Dieter B. (Name geändert, d.R.) hält Pferde, Schafe und Mutterkühe im auswärts der Kleinstadt gelegenen Ortsteil Liebenthal. Sein Vieh, kritisieren Augenzeugen, lebe dort unter beklagenswerten Umständen. Mehrmals schon seien deshalb Tierärzte aufgetaucht. Richtig durchgegriffen habe aber keiner von ihnen.

Liebenthal gestern Vormittag: Auf einer durchnässten Fläche stehen drei Pferde, die Hufe im wässerigen Matsch. In einem Gatter laufen Schafe, die augenscheinlich ewig nicht geschoren wurden. Ihre verdreckte Wolle hängt wie ein viel zu großer Lodenmantel an ihnen, fast schleift sie auf dem Boden. In der Ferne grasen Dieter B.s Kühe. Den ganzen Winter über habe er sie auf einer graslosen Fläche gehalten, die jetzt nur noch modderig sei, schildert Stadtarbeiter Werner Wilhelm, der regelmäßig durch das Liebenthal fährt. Zuletzt hätten die Kühe einen total verhungerten Eindruck gemacht, sagt sein Kollege Detlef Hahne und fügt hinzu: „Sie waren nur noch ein Gestell mit Haut drüber.“ Vergangene Woche entdeckten Wilhelm und Hahne ein Schafkadaver im Gatter von Dieter B. Der, mutmaßt Hahne, habe kein Geld, um seine Tiere vernünftig zu füttern und pflegen zu lassen. Ahnung von Landwirtschaft habe er auch nicht. Weil sie auf „ihren“ Flächen kein Futter mehr fanden, seien B.s Pferde und Kühe schon des Öfteren ausgebüxt, schildert Dana Müller, Betreibern einer Gaststube im Liebenthal. „Sie liefen dann die Straße lang, um woanders zu fressen.“

Mario Ehlert, Geflügelhändler aus Groß Toitin, kann das bestätigen. Er hält selbst Vieh im Liebenthal. Dieter B.s Kühe seien nicht nur einmal auf seine Koppel ausgewichen. Grundsätzlich sei er für ein gutes Miteinander, sagt Ehlert. B. aber kümmere sich nicht richtig um seine Kühe und reagiere auch gleichgültig, wenn man ihn darauf anspreche. Irene Arndt fährt täglich ins Liebenthal. Die Gützkowerin kümmert sich dort um Katzen. „Und ich gebe den Pferden von Dieter B. regelmäßig Wasser“, sagt sie. B. sei sie deshalb schon einmal angegangen. Die Pferde bräuchten kein Wasser. „Die Tiere von B. kriegen kaum etwas zu fressen“, beklagt hingegen Arndt. Sie habe schon viele Tierärzte kommen und gehen sehen. Einer habe gar gemeint, man möge den Mann in Ruhe lassen. Er tue nur seine Arbeit. „Angeblich ist alles in Ordnung. Kann da keiner was tun?“, fragt sich Arndt.

Dieter B. selbst reagiert ungehalten. Alle Vorwürfe seien überzogen. Einzelne Personen würden ihn schlechtmachen. Dem Kreisveterinäramt indes ist er längst bekannt. „Wir haben ihn mehrfach aufgesucht und die Tiere sowie die Haltungsbedingungen in Augenschein genommen“, erklärt Kreisverwaltungssprecher Achim Froitzheim. Mehrere Tiere hätten sich in keinem guten Zustand befunden, „was darauf schließen ließ, dass es in besagter Haltung an der regelmäßigen Gabe von Futter und Wasser sowie an regelmäßiger tierärztlicher Versorgung mangelte“. Amtstierärzte hätten Dieter B. umfangreiche Auflagen erteilt. Er sei verpflichtet worden, „an einer Fortbildung teilzunehmen, in der die Grundlagen der Tierhaltung vermittelt werden“.

Untersagt werde die Tierhaltung aber erst dann, „wenn Fachleute zu dem Schluss gelangen, dass der Halter nicht in der Lage ist, eine ordnungsgemäße Tierhaltung zu realisieren“, so der Sprecher.

Tafelessen wurde an Vieh verfüttert

Der wegen seiner Tierhaltung umstrittene Kleinbauer Dieter B. ist offenbar illegal von einer Mitarbeiterin der Gützkower Tafel mit „Futter“ versorgt worden. Die Frau soll Essware, die Märkte zur Versorgung armer Menschen spendeten, für das hungernde Vieh von B. abgezweigt haben. Mehrmals sei sie dazu mit einem Fahrzeug der Gützkower Tafel zu den Koppeln und Gattern von B. in Liebenthal gefahren. Auch gestern Vormittag wurden sie und B. dort mit dem Auto gesehen. Beide sollen ein Verhältnis haben. Am Donnerstag kontaktierte Gützkows Bürgermeisterin Jutta Dinse (parteilos) die Tafelbetreiberin, die Gemeinnützige Gesellschaft für Arbeitsförderung, Beschäftigung und Strukturentwicklung mbH in Greifswald (ABS). Deren Geschäftsführerin Doreen Au suchte gestern umgehend das Gespräch mit der betreffenden Tafelfrau. Diese werde ab Montag nicht mehr für die Tafel arbeiten.

Von Sven Jeske

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