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„Ich bin viel näher an der Musik von Smokie dran als je zuvor“

Wolgast „Ich bin viel näher an der Musik von Smokie dran als je zuvor“

Chris Norman tritt am 18. August bei den Peenekonzerten auf der Schlossinsel in Wolgast auf – davor ist er am 16. März in Rostock zu sehen

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Mit seinem neuen Album geht Musiker Chris Norman wieder auf Tour – und macht im August Halt in Wolgast.

Quelle: Foto: Ove Arscholl

Wolgast. Chris Norman wurde 1950 in Redcar in Nordengland geboren und erlangte als Sänger der Band Smokie von 1975 bis 1986 Weltruhm. Seine Solo-Karriere begann 1986 mit dem Hit „Midnight Lady“, den Dieter Bohlen für die Fernsehkrimi-Reihe „Tatort“ schrieb. Seitdem sind zahlreiche Solo-Alben erschienen, zuletzt „Crossover“ (2015) und „Don't knock the Rock“ (2017). Im März geht er auf Deutschland-Tournee, die ihn auch in die Rostocker Stadthalle führt, bevor er am 18. August bei den Peene-Konzerten in Wolgast spielt. Im Gespräch mit der OSTSEE-ZEITUNG verrät er, warum seine Musik wieder mehr nach Smokie klingt.

Welche Frage wird Ihnen in Interviews am häufigsten gestellt?

Chris Norman: Ich denke, das dürfte die Frage sein, ob ich wieder mit Smokie zusammen komme.

Und?

Nein.

Ihr neues Album und die bevorstehende Tour heißen „Don't knock the Rock“. Was bedeutet das?

„Don't knock“ heißt so viel wie „Sag nichts Schlechtes“ oder „Mach es nicht runter“. Also im Grunde heißt es, „Sag nichts gegen Rock'n'Roll“. Ich denke, meine Musik ist Rock'n'Roll. Auch die langsamen Songs und Balladen haben eine Rock'n'Roll-Essenz. Ich versuche, bei dem zu bleiben, was ich im Kopf hatte, als ich angefangen habe, Musik zu machen. Für mich ist das alles Rock'n'Roll – die Everly Brothers, Buddy Holly, Elvis Presley, die Beatles, Little Richard. Und darum geht es.

Die meisten neuen Stücke sind Liebeslieder. Wie schreiben Sie die? Sind das persönliche Sachen?

Ach, das ist ganz unterschiedlich, wie die Lieder entstehen. „Crawling up the Wall“ habe ich zum Beispiel geträumt. Ich habe geträumt, ich wäre im Studio mit Mickie Most und Mike Chapman. Und sie fragten, ob ich ein paar neue Songs hätte, aber alles, was ich ihnen vorgespielt habe, gefiel ihnen nicht. Also ließen sie mich erstmal stehen. Und dann saß ich am Flussufer und habe diesen Song „Crawling up the Wall“ gespielt. Und da kamen sie beide zurück und fragten „Hey, was ist das für ein Stück? Das gefällt uns!“ Und dann wachte ich auf und hatte diesen Song im Kopf und habe ihn gleich in mein Telefon gesungen – und schon hatte ich einen neuen Song. Also, im Traum hatte ich nur die erste Zeile – aber das war die Inspiration.

Also, im Prinzip ist alles ausgedacht. Wenn man zum Beispiel einen traurigen Song macht, dann kann das natürlich schon irgendwas aus der eigenen Vergangenheit sein. Aber ich analysiere das nicht weiter. „Loosing you“ zum Beispiel – da saß ich im Hotel und hatte nur ein Klavier. Und das Lied kam mir in den Sinn und klang offensichtlich traurig. Also ging ich dann in diese Richtung. Das passiert dann einfach so.

Haben Sie ein Lieblingslied auf dem Album?

Oh, je nach Stimmung. Ich denke, „You are the Light“ mag ich im Moment am meisten. Eine langsame Ballade. Und „Good, good loving“ mag ich auch. Es ist so schön bluesig. Es gibt eigentlich keinen Titel, den ich nicht mag. Vielleicht, wenn ich es nochmal machen würde, würde ich „Suicide Street“ weglassen, weil der nicht so richtig rein passt.

Welchen Titel haben Sie im Laufe Ihrer Karriere am häufigsten gespielt?

Oh, das wird sicherlich einer von den alten Smokie-Songs sein. Tatsächlich müsste es „If you think you know how to love me“ sein. Seit der 1975 rauskam, haben wir den eigentlich auf jeder Show gespielt.

Wie unterscheidet sich die Musik, die Sie damals mit Smokie gemacht haben, von der, die Sie heute machen?

Tatsächlich bin ich gerade viel näher an dem dran, was ich mit Smokie gemacht habe, als ich es jemals war. Es ist gar nicht so anders. Ich habe verschiedene Perioden gehabt – in den 80ern, da habe ich ja so Sachen wie „Midnight Lady“ gemacht. Dann habe ich versucht, ein jüngeres Publikum anzusprechen und entsprechende Musik zu machen. Aber inzwischen bin ich dahin zurück gekommen, Musik zu spielen, die ich auch tatsächlich gern spiele – wie damals mit Smokie. Das, was ich fühle, was natürlich ist. Das ist mir sehr wichtig.

Gibt es Lieder, die Sie lieber nicht gemacht hätten?

Tatsächlich ziemlich viele, ja. Aber zu viele, um drüber zu sprechen. Es gibt eine Menge Lieder, die vielleicht eine gute Idee waren zu der Zeit, als sie entstanden sind, weil sie modern waren oder was auch immer. Aber ich war oft nicht mit dem Herzen dabei. Ein Teil von dem Zeug, das ich beispielsweise in den 80ern mit Dieter Bohlen gemacht habe, war nicht wirklich mein Ding. Und dann in den späten 90ern und 2000ern gab es auch nochmal einige Stücke, die nicht meine waren.

Was hören Sie heute selbst für Musik? Haben Sie Favoriten?

Ich höre mir alles an. Von den neuen Sachen mag ich Ed Sheeran sehr. Auch Adele ist super. Eine Zeit lang gab es ja nur noch so Kurzlebiges, wie diese X-Factor-Sachen. Da war bei den Künstlern ein Kommen und Gehen innerhalb von ein oder zwei Jahren. Aber jetzt gibt es wieder eine Menge guter Leute, die sich sicherlich auch eine Weile halten werden.

Welches Album haben Sie sich zuletzt selbst gekauft?

Das dürfte Jeff Lynnes letztes Album gewesen sein.

Und wo waren Sie zuletzt auf einem Konzert?

Oh, ich war seit Jahren nicht auf Konzerten. Vermutlich wird es Paul McCartney gewesen sein.

Im März gehen Sie selbst wieder auf Tour durch Deutschland – wie sieht das Programm aus?

Eine Mischung von Liedern vom neuen Album und alten Sachen – sowohl von Smokie als auch aus meiner Solo-Karriere wie „Midnight Lady“ oder „Stumblin' in“. Ich werde in der Zeit immer vor und zurück gehen, damit es nicht langweilig fürs Publikum wird.

Was haben Sie 2018 vor?

Sehr viel. Gerade spreche ich mit Leuten, die einen Film über Smokie und mich machen wollen. Dann kommt die Tour im März, die auch recht anstrengend werden wird. Ich schreibe viele Songs für verschiedene Projekte, über die ich aber noch nicht sprechen kann. Ich hoffe, 2018 wird ein gutes Jahr.

Was für ein Film?

Ach, na ja – man weiß ja immer gar nicht, ob so was dann wirklich realisiert wird. Man redet viel über Ideen und Vorhaben und am Ende fehlt dann manchmal das Geld. Aber in diesem Fall soll es wohl eine Art Biopic werden, so wie es das auch über Ray Charles oder Johnny Cash gibt.

Termine: 16. März Stadthalle Rostock, 18. August 2018 Schlossinsel Wolgast; Tickets gibt’s in den Service-Centern der OZ und unter www.oz-tickets.de

Interview: Ove Arscholl

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