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Greifswald Identitäre wollen Vorlesung stören und laufen auf
Vorpommern Greifswald Identitäre wollen Vorlesung stören und laufen auf
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09:13 18.11.2018
Identitäre stören Veranstaltung der 24-Stundenvorlesung an der Uni Greifswald. Quelle: privat
Greifswald

Während einer Vorlesung im Rahmen der 24-Stunden-Vorlesung an der Universität kam es zu einem Zwischenfall. Während der Veranstaltung „Gehirne waschen –Framing gegen Fremdenhass“ des Referenten Eric Wallis am Sonnabend um 14 Uhr stürmten rund zwanzig Männer in den Hörsaal am Loefflercampus und hielten ein Spruchband mit der Aufschrift „Man wird doch wohl noch seine Meinung sagen dürfen“ in die Höhe. Gekennzeichnet war dieses mit dem Symbol der identitären Bewegung. Dazu forderten die Männer eine „Sicherung der Festung Europa.“ und skandierten lautstark „Tradition. Multikulti Endstation.“ Während der Vorlesung befanden sich rund 60 Zuhörer im Hörsaal, es existieren Video und Tonaufzeichnungen der Veranstaltung.

„Zunächst dachte ich an eine Inszenierung, an einen Scherz“, beschreibt Sprachforscher Eric Wallis. „Schließlich ging es in meiner Vorlesung um die Art und Weise wie Gruppen wie AfD und die Identitären mit sprachlichen Mitteln diffuse Ängste bei den Menschen schüren. Genau so, nämlich. Mit dem Heraufbeschwören von angeblichen Bedrohungen.“ Wallis lud die Protestierenden ein, sich an einer Diskussion zu beteiligen. „Diese Menschen haben ja ein Anliegen. Letztendlich geht es doch allen Seiten darum, die Welt ein Stückchen besser zu machen und nicht weiter zu Spalten“, so Wallis. „Ich hätte mich wirklich gefreut, wenn wir im Rahmen dieses Themas eine richtige Diskussion hätten führen können.“ Daraus wurde nichts. Die Identitären verließen den Saal und liefen davon.

Identitäre stören Veranstaltung der 24-Stundenvorlesung an der Uni Greifswald. Quelle: privat

„Ich denke, es wäre ihnen lieber gewesen, wenn wir die Polizei gerufen hätten“, so Wallis nachdenklich. „Dann hätten sie sich besser als Opfer inszenieren können. In jedem Fall war es aber eine sehr praktische Ergänzung zu meinem Vortrag, weil der Vorfall bestätigt hat, nach welchen Mustern diese Gruppierungen vorgehen.“ Er würde sich wünschen, dass Worte häufiger als Brücken genutzt werden, vor allem im Alltag. „Warum versucht man nicht einfach mal das Gespräch mit politisch andersdenkenden zu suchen?“, fragt Eric Wallis. Nach dem Abmarsch der identitären Bewegung wurde die Veranstaltung fortgesetzt.

Hunderte Menschen demonstrierten im April im Rostocker Bahnhofsviertel gegen die sogenannte Identitäre Bewegung.

Auf der Twitterseite der Identitären Bewegung wurden Bilder des Vorfalles in Greifswald gepostet , in denen einige der Demonstranten blauen Westen tragen und andere Demonstranten „abführen“. Ob hiermit der Eindruck erweckt werden soll, es habe Gewalt gegenüber den Identitären gegeben, ist unklar. De facto gab es keine Sicherheitskräfte vor Ort.

Anne Ziebarth

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