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Greifswald Illegale Werbung für die Jugendweihe?
Vorpommern Greifswald Illegale Werbung für die Jugendweihe?
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18:17 29.04.2018
Jason Jörg Meyer, Levi Kerber und Niclas Kerber feierten am vergangenen Wochenende Jugendweihe. Quelle: Foto: P. Binder
Vorpommern-Greifswald

Wird an Schulen in Vorpommern-Greifswald illegal für die Jugendweihe geworben? Diesen Vorwurf erheben Kirchenvertreter. Sie weisen darauf hin, dass die Jugendweihe in der Schule nichts zu suchen hat. „Das war zu DDR-Zeiten so. Aber heute ist das gegen das Gesetz. Leider ist es mancherorts gängige – aber eben illegale – Praxis“, sagt der Greifswalder Pfarrer Torsten Kiefer.

Eine Richtlinie des Bildungsministeriums MV schreibt vor, dass Schulen weltanschauliche, religiöse und parteipolitische Neutralität wahren müssen. Demnach dürften Lehrer zwar über die Jugendweihe informieren, aber keine Werbung für die Veranstaltung machen. Alle Regeln würden eingehalten, die Vorwürfe seien haltlos, beteuert Silvia Myrach, die die Feierstunden des Vereins Jugendweihe MV in der Region Gützkow, Wolgast, Usedom, Löcknitz und Anklam organisiert. „Die Eltern melden sich bei uns. Es gibt Infoveranstaltungen und Mundpropaganda“, erklärt Myrach. Zwar komme es durchaus vor, dass sich Elternvertreter von Schulklassen direkt an sie wenden, Kontakt von Seiten des Vereins zu den Schulen gebe es nicht.

Gleiches bestätigt Marian Kummerow, Geschäftsführer des Kinder- und Ferienvereins Greifswald, der die Jugendweihe für die Hansestadt und das Umland organisiert. „Wir sprechen die Elternvertretungen der Klassen an und wenden uns damit an interessierte Eltern“, sagt Kummerow. „Kein Lehrer wird dafür eingespannt.“ Kummerow kennt die Kritik, die seit Jahren immer mal wieder aufflamme. Dass in Kirchenkreisen kritisch auf die Jugendweihe geblickt wird, hat sicherlich auch mit der schwierigen Stellung der Kirche in der DDR zu tun. Die Jugendweihe war damals eine Zwangsveranstaltung. Wer daran nicht teilnahm, musste beispielsweise mit Nachteilen in Lehre, Studium oder Beruf rechnen. Deswegen standen Kirchenmitglieder vor der Wahl, die Nachteile in Kauf zu nehmen oder aus Gründen der Integration gegen die eigene Überzeugung an der Veranstaltung teilzunehmen. „Ich habe großen Respekt vor der Geschichte und den persönlichen Biographien“, sagt Kummerow. „Ich nehme mit der Jugendweihe heute aber keine Stellung zur DDR-Geschichte. Die Jugendweihe hat eine 160-jährige Tradition, die weit über die DDR hinausgeht“, so Kummerow weiter. Er habe einen humanistischen Anspruch an die Jugendweihe. Jede parteipolitische Orientierung lehne er ab. Redner bei den Greifswalder Veranstaltungen sei beispielsweise der renommierte Theaterpädagoge Jan Holten.

Etwa 50 Prozent der 14-Jährigen feiern derzeit mit der Jugendweihe den Übergang von der Kindheit ins Erwachsenenleben. Sie ist damit das beliebteste Fest an der Schwelle zum Erwachsenwerden. 1115 Mädchen und Jungen sind es allein in Vorpommern-Greifswald. Die zahlreichen Feierstunden im Kreis dauern noch bis in den Mai.

kat

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