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„Im Himmel läuft bestimmt geile Musik“

Greifswald „Im Himmel läuft bestimmt geile Musik“

Autos, Frauen und Mode: Jens Krafczyk plaudert bei „TV Real“ im Theaterfoyer aus seinem Leben.

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Im „TV Real-Studio“ hinter einer abgenutzten Plexiglasscheibe sitzen Interviewer Peter Kees (l.) und sein Gast Jens Krafczyk. Sie führen beim Wein ein intensives Gespräch, das gegen Ende etwas zerfasert.

Quelle: kl

Greifswald. „Sind Sie ein Selbstdarsteller?“ Für wenige Sekunden scheint Jens Krafczyk verlegen zu sein. Dann antwortet er gewohnt selbstbewusst: „Bestimmt! Und ich stehe zu meinen Schwächen.“

Es sind nur kurze Momente, in denen der Modehändler aus Greifswald an diesem Dienstagabend im Theaterfoyer ernsthaft nachdenkt, statt einfach drauf los zu plaudern. Doch gerade diese Momente verleihen dem hochunterhaltsamen Talk-Format „TV Real“ des Theaters die nötige Spannung. Denn wenn die Fragen des Berliner Künstlers und Interviewers Peter Kees den Gast ins Stocken bringen, lässt das darauf schließen, dass sie die äußere Schale durch- und zum Kern der Person vordringen.

Allerdings passiert das an diesem Abend nicht allzu oft. Zu viel Spaß macht es den beiden Herren im Plexiglaskasten, locker über Frauen, Autos und selbstverständlich auch Mode zu plaudern. So erfahren die rund 40 Gäste beispielsweise, dass der Greifswalder mit dem „jugendlich anmutenden Haarschnitt“ (Kees) mit seinem Kleidungsstil ausdrücken möchte, dass er ein „sportlich-dynamischer Typ“

ist. Allerdings muss er passen, als Kees nachbohrt, welchen Sport er denn eigentlich betreibe. Mode sei eben Mittel zum Zweck, um anderen zu gefallen, sagt Krafczyk. Außerdem sei es ein Grundbedürfnis, sich zu kleiden — ebenso wie essen oder schlafen.

Sein Fachgeschäft für Herrenmoden betreibt Krafczyk, der Vater eines Sohnes ist, seit Anfang der 1990er Jahre. Offenbar läuft es gut, denn heute besitzt er drei Wagen — einen Smart, einen Trabant 500 (Baujahr 1961) und einen Mercedes SLK, mit dem er aber so gut wie nie fahre. Eine hübsche Geschichte verbirgt sich hinter dem Trabi: Mit diesem sei er während der „geilen 80er Jahre“ in Ost-Berlin Schwarz-Taxi gefahren, um sich die ein oder andere Ostmark fürs Ingenieursstudium dazu zu verdienen, erzählt Krafczyk.

Zwar parliert der Greifswalder, was die technischen Daten der Autos angeht — sein Smart hat 110 PS und fährt 180 Kilometer pro Stunde. Auf die Fragen nach Kontostand und Vermögen antwortet Krafczyk hingegen ausweichend: „Ich kann nicht so gut mit Zahlen umgehen.“ Das Publikum lacht und nimmt es dem Kaufmann nicht ab.

Aber er kann sich vorstellen, seinen Besitz — neben dem Laden in der Innenstadt zählt dazu auch eine Villa — nach seinem Tod karitativen Zwecken zu vererben, sagt er. Schriftlich will er Kees diese Aussage aber nicht geben.

Dafür macht er ihm ein Angebot: Wenn der Moderator mal in Not sei, könne er gerne in Krafczyks Haus übernachten, „so lange es Ihre Not erlaubt“. Da Kees in Erfahrung bringt, dass der Greifswalder sein Leben mit zwei attraktiven „Musen“ teilt, nimmt der Berliner scherzhaft an: „Dann bin ich sofort in Not.“ Hintergrund ist die Frage nach den sexuellen Vorlieben, die Krafczyk so beantwortet:

„Also, Herr Kees, ich weiß aus berufener Quelle, dass Sie gerne mit zwei Frauen ins Bett wollen. Ein typischer Männertraum, den ich ja auch ganz gut finde.“

Doch auch seriösere Themen kommen zur Sprache. Der Herrenausstatter handelt sie souverän ab. Mal zügig: „Was ist Liebe für Sie?“ „Wichtig. Schön. Alles.“ Mal anekdotisch: „Haben Sie Angst vor dem Tod?“ „Nein. Ich stelle mir vor, dass im Himmel richtig geile Musikshows laufen“, sagt Krafczyk, der vor Jahren in Greifswald auch zahlreiche Konzerte organisierte. Er selbst habe aber noch viele Jahre vor sich, glaubt Krafczyk. Schließlich sei das Wertvollste, was er besitze, seine Gesundheit. Zu seinem 50. Geburtstag vor zwei Jahren habe er ein Fotobuch über die Stationen seines Lebens geschenkt bekommen. Darin steht: „Jens Krafczyk — er liebt das Leben, und das Leben liebt ihn.“ Ein Motto, das seine Einstellung treffend ausdrücke.

Jens Krafczyk — er liebt das Leben, und das Leben liebt ihn.“Motto des Greifswalder

Modehändlers

Kai Lachmann

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