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Greifswald Immer mehr illegale Schmierereien
Vorpommern Greifswald Immer mehr illegale Schmierereien
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18:26 04.06.2018
Seit 20 Jahren entfernt Marcel Ganzow zusammen mit seinem Partner illegale Graffiti in Greifswald. Hier ist er gerade in der Fußgängerunterführung zwischen dem Karl-Marx-Platz und der Grimmer Straße im Einsatz. Quelle: Foto: Christin Weikusat
Greifswald

Die Zahl der illegalen Graffiti in der Hansestadt ist erneut gestiegen – die Zahl der ermittelten Täter hingegen gesunken. Die CDU-Bürgerschaftsfraktion fordert Aufklärung und stellte Ende vergangener Woche eine Anfrage an die Stadt: „Wir wollen wissen, wie viele illegale Graffiti in den vergangenen drei Jahren an öffentlichen Gebäuden und Plätzen festgestellt wurden und wie hoch die Kosten für die Beseitigung waren“, sagt CDU-Fraktionschef Axel Hochschild. Der Grund: Die CDU will die Bürger motivieren, etwas gegen Graffiti zu tun. Immerhin gibt es für Hausbesitzer der Innenstadt einen Zuschuss von 200 Euro aus dem Ortsteilbudget zur Beseitigung der illegalen Graffiti an ihren Hauswänden. Doch nur wenige würden den Zuschuss in Anspruch nehmen, so Hochschild.

Im vergangenen Jahr sind 277 Anzeigen bei der Polizei eingegangen. 2016 gab es 257 Anzeigen aus der Hansestadt. 2017 wurden 13 Fälle aufgeklärt, zehn Täter wurden gefasst. „2016 konnten 42 Fälle aufgeklärt und 11 Tatverdächtige gestellt werden“, sagt Polizeisprecher Axel Falkenberg.

Die Kosten zur Beseitigung von illegalen Graffiti sind im Vergleich zu 2016 gestiegen. Die Stadt verzeichnete vergangenes Jahr für die Entfernung an öffentlichen Gebäuden, Plätzen und Brücken einen Aufwand von fast 25000 Euro. 2016 betrugen die Mittel für die Entfernung 19800 Euro. „Im denkmalpflegerischen Bereich sind in erster Linie die Altstadt und die Fleischervorstadt betroffen.

Neben Fassaden ist die Stadtmauer ein ständiges Thema“, sagt Stadtsprecherin Andrea Reimann.

Zuletzt prangten an der Stadtmauer, aber auch an vielen anderen Gebäuden in der Innenstadt, feministische Botschaften. „Die sind kurz nach dem Frauentag aufgetaucht.“ Um bestimmte Feiertage herum sei die Zahl von neuen illegalen Graffiti höher, sagt Marcel Ganzow. Er ist Reinigungsdienstleister und beseitigt zusammen mit seinem Geschäftspartner seit 20 Jahren illegale Schmierereien. Zu ihren Hauptaufgaben zählen Graffiti-Entfernung und das Auftragen von speziellen Anti-Graffiti-Schutzsystemen. Die Aufträge kommen von der Stadt, von der Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Greifswald (WVG), der Wohnungsgenossenschaft Greifswald (WGG), den Stadtwerken, aber auch von Privatkunden.

So sollte Ganzow kürzlich etwa den Fußgängertunnel Grimmer-Straße/Karl-Marx-Platz von Graffiti befreien. Die Fliesenwände links und rechts waren fast komplett mit Farbspray und Filzstiften beschmiert. Um das zu entfernen, hat Ganzow zu erst einen speziellen Graffiti-Entferner aufgetragen. Dieser wirkt auf dem Untergrund innerhalb weniger Minuten. „Das liegt an den Fliesen. Bei anderen Oberflächen muss das Mittel länger einwirken“, erklärt Ganzow. Danach nimmt er den Hochdruckreiniger zur Hand und schießt Wasser gegen die Wand.

„Illegale Graffitischmierereien an unseren Wohnhäusern oder in deren Umfeld sind ein Problem“, sagt Jana Pohl, Pressesprecherin der WVG, die Hunderte Aufträge zur Beseitigung von illegalen Graffiti im Jahr 2016 erteilte. Tendenz steigend. Die Kosten für die Beseitigung: circa 32000 Euro. Um illegalen Graffiti vorzubeugen, hat die WVG in der Vergangenheit verschiedene Graffiti-Künstler beauftragt, Garagenkomplexe oder Hauswände zu gestalten. Mit Erfolg, so Pohl, denn diese Graffiti wurden nicht beschädigt.

Damit hat Ganzow allerdings andere Erfahrungen gemacht. Ein Graffiti-Künstler verewigte den Maler Caspar David Friedrich auf einem Gasverteilerhäuschen. Illegale Sprayer haben ihre „Tags“ quer über das Bild gesprüht. Ganzow und sein Kollege konnten es retten. Das ursprüngliche Graffiti von Friedrich hatten sie mit einem Schutzspray überzogen. Die illegalen Tags konnten sie entfernen.

Auch wenn Ganzow nichts von illegalen Graffiti hält, lebt er davon. Wie auch von den Graffiti in dem Fußgängertunnel Grimmer Straße/Karl-Marx-Platz. Nachdem der Hochdruckreiniger das Grobe abgewaschen hat, trägt er einen Schattenentferner auf. Danach geht er nochmal mit Wasser rüber. Die Graffiti sind weg.

Stein wieder sauber

Das Aufbringen von Graffiti kann politische Gründe haben, das Entfernen aber auch. Nachdem der Studentenstein auf dem Wall erneut mit roter Farbe beschmiert wurde, ging es für die Mitglieder der Greifswalder CDU mit Putzmitteln zur Säuberungsaktion. Der

Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) hatte der CDU Anfang Mai auf Anfrage mitgeteilt, dass ihm die Schmiererei gar nicht aufgefallen war. Da die Studierendenvertretung „personell sehr dünn besetzt“ sei, nahm man das Angebot der CDU dankend an. Nun glänzt der Stein wieder in alter Pracht.

Christin Weikusat

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