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Greifswald Studie: Greifswald ist Fahrradstadt
Vorpommern Greifswald Studie: Greifswald ist Fahrradstadt
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18:03 26.10.2018
Radfahrer überqueren die Europakreuzung in Greifswald Quelle: Peter Binder
Greifswald

Kaum ein Student ohne Fahrrad: Nirgends in der Republik radeln so viele Studenten wie in Greifswald. 93 Prozent legen den Weg zur Uni auf zwei Rädern zurück, sagt eine Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Für das CHE-Ranking wurden insgesamt 766 Greifswalder Studierende in den Wintersemestern 2016/17 und 17/18 befragt. Ist Greifswald also eine fahrradfreundliche Stadt?

„Ja und nein. Vieles läuft gut, aber es gibt noch einige Lücken“, sagt Gerd Imhorst von der Greifswalder Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Problematisch sei die fehlende Verbindung zwischen der Rudolf-Petershagen-Allee und dem Elisenpark. „Es gibt viele Maßnahmen, die noch angepackt werden müssen“, sagt Imhorst.

Domstraße bietet wenig Platz für Rad- und Autofahrer

Eine davon betrifft die Domstraße, eine Fahrradstraße, die Autos in Richtung Innenstadt befahren können. „Es wäre gut, wenn zumindest zwischen der Bader- und der Lutherstraße das Parken verboten wird“, sagt Imhorst und verweist auch auf dort stehende Mülltonnen. „Radfahrende müssten oft anhalten und auf den Gehweg ausweichen“, sagt Jan Magnus Schult, ADFC-Mitglied. Eng werde es auch in der Gützkower Straße, wo der Radstreifen genau dort verläuft, wo parkende Autos ihre Türen öffnen. „Es kommt leider immer wieder zu Unfällen mit rücksichtslosen Autofahrenden“, so Schult.

Mehr Platz für Radfahrer soll künftig der Hansering mit zwei 2,50 Meter breiten Radschutzstreifen und insgesamt vier Querungen bieten – eine Maßnahme, die der ADFC begrüßt. Die Bauarbeiten beginnen 2019. Gerd Imhorst plädiert stadtweit für mehr Radstellplätze. Damit beschäftigt sich die Bürgerschaft während ihrer nächsten Sitzung: Investoren sollen bei Neubauten eine Mindestzahl von Radstellplätzen bauen. Bereits beschlossen ist schon der Bau einer Radstation mit 136 Plätzen am Bahnhof für 2019.

Forscher halten Radschutzstreifen für sicher, Radfahrer fühlen sich oft unsicher

Diskussionen in der Stadtpolitik verursachen derzeit die Umgestaltung des Ernst-Thälmann-Rings bei der Einfahrt zur Makarenkostraße sowie die Kreuzung Lomonossowallee/Dubnaring/Einsteinstraße. Die Kreuzung ist ein Gefahrenschwerpunkt, wie der Greifswalder Marko Gantikow bestätigt. „Am Möwencenter, wenn man aus dem Thälmann-Ring kommt, und Autofahrer, die aus dem Parkplatz kommen, nicht gucken, wird es gefährlich. Da hat es mich zwei mal fast erwischt.“ Dort soll nun ein Kreisverkehr entstehen, den auch Radfahrer mitnutzen sollen. Danach können sie auf einem Radfahrstreifen auf der Straße (durchgezogene Linie, darf nicht überfahren werden) oder dem Gehweg fahren.

Dass Radfahrer sich auf der Straße unsicher fühlen, kann Gerd Imhorst verstehen. Doch objektiv seien die Radstreifen sicher. „Da wo sich Radfahrer sicher fühlen, sind sie eigentlich unsicher und dort, wo sie unsicher sind, sicher“, sagt er. Die meisten Unfälle, rund 69 Prozent, würden an Kreuzungen und Einmündungen passieren. „Im Längsverkehr sind mir keine Probleme in Greifswald bekannt.“ Die schlechteste Lösung seien Radschutzstreifen (gestrichelte Linie), besser der Radfahrstreifen und Radweg. Beschwerden kenne Imhorst vor allem über fehlenden Platz im Bereich von Verkehrsinseln.

Viele sind zufrieden, sehen jedoch Verbesserungpotential.

Stadt untersucht den Verkehr in der Innenstadt

Eine Grundsatzentscheidung steht an, wenn die Ergebnisse einer Verkehrsuntersuchung in der Innenstadt, die die Stadt letztes Jahr beauftragt hat, vorliegen. Im Herbst soll es soweit sein. Dann will die Stadt beispielsweise prüfen, ob etwa die Friedrich-Loeffler-Straße ganz oder teilweise zur Fahrradstraße wird. „Wollen Sie eine Strecke für den Autoverkehr sperren, müssen sie natürlich auch sagen, wo er dann fahren soll“, sagt der ehemalige Stadtplaner Gerd Imhorst und ergänzt, dass er sich auf die Ergebnisse der Untersuchung freut, weil sie konkrete Zahlen und Erkenntnisse liefern soll.

Der ADFC führt derzeit eine Befragung zum Thema Fahrradfreundlichkeit durch, die noch bis zum 30. November läuft.

ADFC befragt Radfahrer

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club befragt derzeit online Radfahrer: Wie fahrradfreundlich ist ihre Stadt? Die Umfrage läuft noch bis zum 30. November und ist zu finden unter: fahrradklima-test.de. Bereits 2016 hatten Greifswalder die Situation der Radler beurteilt. Greifswald belegte damals Platz 6 von 98 in der Kategorie Städte mit 50000 bis 100000 Einwohnern. Die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums, das zügige Fahren und der Fakt, dass viele Leute mit dem Rad unterwegs sind, wurden positiv bewertet. Negativ fanden die Befragten jedoch die schlechte Führung an Baustellen und fehlende Möglichkeiten für die Fahrradmitnahme in Bus und Bahn. Fahrraddiebstähle sind das größte Problem der Radfahrer.

Christopher Gottschalk

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