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In der DDR gab es kaum Zweifel an Arndt

Greifswald In der DDR gab es kaum Zweifel an Arndt

Damals wurde der Schriftsteller als Kämpfer gegen Unrecht gefeiert

Greifswald. Als der 200. Geburtstag des umstrittenen Patrons der Universität Greifswald 1969 gefeiert wurde, war Ernst Moritz Arndt ein Held. Im Vorwort zum Personal- und Vorlesungsverzeichnis des Wintersemesters 1968/69 stand: „Der Greifswalder Geschichtsprofessor Ernst Moritz Arndt, der sich bereits als Kämpfer gegen die Leibeigenschaft einen Namen gemacht hatte, rief von hier aus das deutsche Volk zur Erhebung gegen die französische Fremdherrschaft auf. Von Napoleon geächtet und von Kollaborateuren unter der Professorenschaft angefeindet, musste Arndt jedoch aus Greifswald fliehen.“

Der gebürtige Pommer wurde zum 200. Geburtstag mit einem gemeinsamen Festakt des Nationalrats der Nationalen Front der DDR und der Universität gefeiert. Rückblickend schreiben dazu aus Anlass des 40.

Jahrestags der DDR 1989 die Historiker Wolfgang Wilhelmus und Agneta Schönrock: Es gelang „eine der großen Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts aus ihrer Zeit heraus zu bewerten und den ehemaligen Studenten und Professor der Geschichte der Greifswalder Universität, den Kämpfer gegen Leibeigenschaft, feudale Willkür und nationale Unterdrückung sowie für die Rechte des aufstrebenden Bürgertums trotz mancher Widersprüchlichkeit, insbesondere in seinen späten Lebensjahren, in die progressive Traditionslinie deutscher Geschichte zu stellen“. Kritisch sah man beispielsweise, dass Arndt eine konstitutionelle Monarchie befürwortete.

Die Historiker erfüllten die Aufgabe der Regierung

Die Historiker hatten gewissermaßen die Aufgabe der Regierung von 1954 erfüllt. In jenem Jahr gestattete die DDR-Regierung der Greifswalder Hochschule, wieder den Namen Ernst-Moritz-Arndt-Universität zu führen. Und sie trug der Hochschule auf, sich mit seinem Werk zu befassen. Daraus sollten die Bürger „anspornende Kraft für die Erfüllung unserer gegenwärtigen Aufgaben gewinnen“. Diese Vereinnahmung für eine Traditionslinie hin zur DDR war eine Grundlinie der folgenden Jahre.

Zwei Jahre später publizierte Manfred Reißland in den Festbänden zur 500-Jahr-Feier 1956 die erste umfassende Darstellung zu Arndt und seinem Wirken in seiner Greifswalder Zeit. Er zeichnet ein insgesamt sehr positives Bild. Der Historiker schreibt beispielsweise, dass Arndt eine neue, gerechtere Menschenordnung schaffen wollte.

In der Festschrift zum 525. Geburtstag der Universität 1981 gibt es die übliche, leise Kritik an seiner Propaganda in der Zeit der Befreiungskriege. „Seinen Haß auf Napoleon übertrug er fälschlich auf das gesamte französische Volk.“ Vom Antisemitismus liest man nichts. Er habe sich voll für die Lösung der nationalen und sozialen Frage eingesetzt und einen „wesentlichen Beitrag zur Herausbildung des bürgerlichen Nationalbewusstseins“ geleistet. „Mit vollem Recht trägt daher die Universität seinen Namen.“

Schon vier Jahre nach dem 525. Jubelfest wurde Arndts 125. Todestag 1985 mit einer wissenschaftlichen Konferenz gefeiert. Über „Ernst Moritz Arndts humanistisches Denken und Handeln“ sprach Werner Imig, Rektor von 1970 bis 1979 und Professor für Geschichte der Arbeiterbewegung am Institut für Marxismus-Leninismus. Von der deutschen Einheit hatte sich die SED zu diesem Zeitpunkt verabschiedet.

Als Patron war Arndt in der DDR nie gefährdet

Imig meinte, dass für Arndt nicht die nationale Bewegung von 1813, sondern die Französische Revolution von 1789 der Höhepunkt der Zeitgeschichte war. In dieser „habe er den Beginn einer neuen Epoche der Menschheitsentwicklung gesehen“. Viele bundesdeutsche Historiker würden „sein Eintreten für einen demokratischen Staat“ ignorieren, „um ihn für revanchistische Zwecke zu missbrauchen“, spielte er auf den Wunsch nach Wiedervereinigung an. Nicht fehlen darf bei Imig der Einfluss von dessen „Kurzem Katechismus für deutsche Soldaten“ und „Was bedeutet Landsturm und Landwehr“. Imig war selbst Offizier im Zweiten Weltkrieg und in sowjetischer Kriegsgefangenschaft bis 1948. Das hat das Leben des früheren NSDAP-Mitglieds stark beeinflusst. Die genannten Schriften Arndts hätten eine bedeutende Rolle „bei der von der Kommunistischen Partei Deutschlands geführten patriotischen Kampffront gegen den Hitlerfaschismus, der Bewegung des Nationalkomitees ,Freies Deutschland’ gespielt“, erklärte Imig. Arndt spricht sich dort gegen Eroberungskriege aus, fordert Milde. Niemals dürfe ein Soldat gegen Unbewaffnete vorgehen, meinte Arndt. Das Erkennungszeichen des Nationalkomitees war Arndts Lied „Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte“, erinnerte Imig. Nationalistische Ausbrüche dürften nicht überwertet werden, forderte Imig. Als Patron war Arndt nie gefährdet.

Eckhard Oberdörfer

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