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Greifswald In die Welt des Ryck eintauchen
Vorpommern Greifswald In die Welt des Ryck eintauchen
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00:01 16.10.2017
Der Moment nach dem Sprung in den Ryck: Trotz Wolken und Wind gingen 28 Menschen baden. FOTOS (6): CHRISTOPHER GOTTSCHALK

d. Countdown: 3...2...1... Bei Null sprangen 28 kreischende und lachende Leute in den Ryck. Das war bei Wind und Wolken kein reiner Badespaß, sondern Teil des von der Uni organisierten Aktionstages „Sauberer Ryck“. An der Museumswerft wurde Sonnabend zu dessen Schutz aufgerufen. Vereine und Inititativen informierten und animierten die Besucher.

Der Fluss soll sauberer werden / Bäume an dessen Oberlauf gepflanzt

Zum Beispiel durch den Sprung in den Ryck, dessen Qualität aus ökologischer Sicht als „mäßig“ eingestuft wird. Ein Problem ist die zu hohe Belastung mit Phosphor und Stickstoff. „Durch eine andere landwirtschaftliche Nutzung könnte man das verbessern“, sagt Tammo Meyer vom Institut für Geographie und Geologie der Uni Greifswald.

Wie das aussehen könnte, wurde auf einer Exkursion an der Steinbecker Brücke erklärt. Dort in seinem Oberlauf ist der Ryck zu einer Rinne künstlich verengt, Dünger angrenzender Landwirtschaftsflächen gelangt leicht hinein. Claudia Oehmke sagt, die Wiedervernässung der trockengelegten Flächen könnte für mehr Nachhaltigkeit sorgen. Oehmke gehört zum Greifswalder Moorzentrum, das 50 Experten unter seinem Dach vereint.

Landwirtin Dörte Wolfgramm sagt, dass sie „ökologisch arbeitet und die vorgegebenen Grenzwerte einhält.“ Sie pachtet rund 200 Hektar Land, einen Teil davon am Oberlauf des Ryck. Eine alternative Bewirtschaftung würde sich momentan nicht rechnen.

Damit Gegensätze zwischen Ökologie und Ökonomie gelöst werden, gibt es die „Greifswalder Agrarinitiative“, in der Landeigentümer und Bewirtschafter nachhaltige Lösungen suchen. Eine davon wäre eine sensorgesteuerte Düngung, die vor Überdüngung schützt, sagt Thomas Beil von der Michael-Succow-Stiftung, die die Initiative koordiniert. Die sei jedoch mit 250000 Euro sehr teuer. Zudem werde an einigen anderen Ideen gearbeitet. „Über Pilotprojekte reden wir 2018“, sagt Beil.

Günstiger und leichter umzusetzen ist hingegen Folgendes: Die Bevölkerung kann aufhören, Müll in den Fluss zu werfen. Das Technische Hilfswerk sowie Kanuten und Drachenbootler der Hochschulsportgemeinschaft sammelten mehrere hundert Kilogramm Flaschen, Styropor und anderen Müll aus dem Ryck. Männer der Tauchbasis Greifswald fanden einen Grill, einen Einkaufskorb und einen Autoreifen.

Wie Konsum Wasserqualität beeinflusst, erklärte Nils Möllmann vom Naturschutzbund NABU. „In Peelingcremes werden kleine Plastikkügelchen verwendet. Die gelangen nach der Dusche in das Abwasser“, sagt er. Stattdessen könne man auf natürliche Alternativen mit Sand oder Salzen setzen.

Eine konkrete Maßnahme war am Sonnabend das Pflanzen von 30 Schwarzerlen am Oberlauf des Ryck. Mehr Schatten schütze laut Untersuchungen nämlich vor Algenbildung, erklärt Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne).

Auch er sprang in den Ryck. Es wurden zwar nicht die 50 Leute, auf die er gewettet hatte. Doch die 28 Springer entschlossen sich, zweimal einzutauchen. Wette gewonnen. Oberbürgermeister Fassbinder wird nun Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt ausschenken.

EU-Forderung

Bis 2026 muss der Ryck einen ökologisch guten Zustand erreichen, schreibt die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union vor. Ansonsten drohen Geldstrafen.

Zum Vergleich: Frankreich wurde vom Europäischen Gerichtshof wegen mangelnden Schutzes seiner Gewässer vor Nitrat verurteilt. Grund war ein Verstoß gegen die EU-Nitratrichtlinie.

Der französische Staat muss nun mit Geldstrafen in Milliardenhöhe rechnen.

Christopher Gottschalk

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