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In fünf Jahren alle Moore kartieren

Greifswald In fünf Jahren alle Moore kartieren

Konsortium mit Greifswalder Forschern bekommt eine Million Euro aus Indonesien

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Im Peenetalmoor liefen nach der Wende umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen.

Quelle: Foto: Oz-Archiv

Greifswald. Wer Moore schützen will, muss wissen wie groß sie sind, wo sie liegen und wie sie beschaffen sind. „In großen Teilen der Erde ist das nicht bekannt“, sagt der Greifswalder Moorpapst Hans Joosten. Der Uniprofessor ist Generalsekretär der internationalen Vereinigung der Moorschützer, Mitinitiator des Greifswalder Moor-Centrums und weltweit als Berater und Forscher gefragt.

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Konsortium mit Greifswalder Forschern bekommt eine Million Euro aus Indonesien

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„Wir möchten in den nächsten fünf Jahren die Moore der Welt kartieren“, sagt Joosten. Wenn das zehn Cent je Hektar kosten würde, reichen dafür 30 Millionen Euro. „Das könnte Deutschland der Welt für den Moorschutz und damit den Klimaschutz schenken“, meint der Greifswalder.

Der Nutzen für die Erde liegt auf der Hand. Moore sind gewaltige Kohlenstoffspeicher. Werden sie entwässert, führt das zur Freisetzung großer Mengen Treibhausgase. „Trocken gelegte Moore sind für zwei bis drei Prozent aller Treibhausgase auf der Erde verantwortlich“, sagt Joosten. Außerdem sackt der Boden. Das könne man zum Beispiel bei Anklam sehr gut sehen. Nach der Wiedervernässung der Moore an der Peene entstanden Wasserflächen, die es vor der Melioration nicht gab.

Dass die Moorkartierung in nur fünf Jahren kein Hirngespinst ist, hat Joostens Arbeitsgruppe gerade in Indonesien bewiesen. Am Welttag der Feuchtgebiete am 2. Februar erhielt ein Konsortium mit Greifswalder Beteiligung den mit einer Million US-Dollar dotierten Indonesischen Moorpreis in Jakarta. 44 Gruppen hatten sich vor zwei Jahren an der Ausschreibung beteiligt. Die Greifswalder sind seit 2006 in Indonesien aktiv.

„Bei der Ausschreibung ging es darum, die Moorverbreitung in Indonesien mit der besten Kombination aus Genauigkeit, Kosteneffizienz und Schnelligkeit zu bestimmen“, erläutert Joosten. Damit solle eine weitere Zerstörung von tropischen Moorwäldern verhindert werden. Gleichzeitig seien die Daten Grundlage für die ambitionierten Pläne der indonesischen Regierung. „Bis 2030 sollen 2,4 Millionen Hektar wiedervernässt werden“, so Joosten. Eine gigantische Zahl, in MV waren es bisher 30000 Hektar. Indonesien habe schon in den letzten Jahren mehr Moore wiedervernässt als ganz Europa. Das Land will die Greifswalder Erfahrungen in der Paludikultur, der nassen Landwirtschaft, nutzen. In Indonesien werde der in Greifswald erfundene Name Paludikultur verwendet, merkt Joosten an.

In elf Tagen kartierte das Gewinnerteam 30000 Hektar auf Westkalimantan unter Nutzung von Satellitendaten aus unterschiedlichen Jahren. „Neun der elf Tage wurden für Bohrungen im Gelände verwendet“, schildert Joosten. Nur so lassen sich Informationen wie Torfdicke und Zusammensetzung erhalten. Die in Indonesien benötigten 59 Cent je Hektar will Joosten auf zehn senken, die Effizienz deutlich zu erhöhen. Die eine Million Euro indonesisches Preisgeld nutzt das Gewinner-Konsortium, um Kartierung und Schutz der Moore unter anderem im Kongo- oder Amazonasbecken mit den dortigen Regierungen durchzuführen.

Indonesiens Aktivität kommt nicht von ungefähr. 2015 brannten zwei Millionen Hektar Moorfläche insbesondere auf Kalimantan und Sumatra, über 100000 Menschen starben, schildert Joosten. Der Sachschaden wird auf 16 Milliarden US-Dollar geschätzt. Ausgelöst wurden die Brände der entwässerten Moore durch die Trockenheit infolge des Klimaphänomens El Niño. 1990 waren noch zwei Drittel des Inselreiches mit Wald bedeckt, 2015 nur noch die Hälfte. Riesige Flächen wurde insbesondere für die Produktion von Palmöl und Papierholz in Monokulturen trockengelegt.

Eckhard Oberdörfer

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